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Gold mit 72 Prozent Rabatt? Der Fall TGI wirft viele Fragen auf
Gold gilt für viele Anleger gerade in Krisenzeiten als sicherer Hafen. Umso größer ist die Aufmerksamkeit, wenn ein Anbieter behauptet, das Edelmetall mit bis zu 72 Prozent Rabatt verkaufen zu können. Genau damit wirbt die Trust Gold International AG (TGI) aus Liechtenstein seit geraumer Zeit offensiv auf Social Media – unter anderem auch mit prominenter Unterstützung durch Oliver Pocher.
Das Versprechen klingt spektakulär: Kunden kaufen Gold zum aktuellen Preis, warten dann aber bis zu 36 Monate auf die Auslieferung. Während dieser Zeit sollen sie monatlich zwei Prozent Rabatt in bar erhalten – in Summe also bis zu 72 Prozent. Laut TGI sollen bereits 35.000 Kunden dieses Modell genutzt haben, rund 70 Millionen Euro an Rabatten seien schon ausgezahlt worden.
Ein Angebot, das fast zu gut klingt
Genau an diesem Punkt beginnen die Zweifel. Denn im Goldhandel gilt eigentlich ein einfacher Grundsatz: Gold wirft keine laufenden Erträge ab, sondern verursacht zunächst einmal Kosten – vor allem für Lagerung, Versicherung und Transport. Wer also über Jahre hinweg hohe Rabatte oder regelmäßige Auszahlungen verspricht, muss sehr überzeugend erklären können, woher dieses Geld kommt.
Laut TGI finanziert sich das Geschäftsmodell aus Goldhandel, Raffinerien, Partnerfirmen in Afrika und eigenen Minenbeteiligungen, unter anderem in Ghana, Sambia und Guyana. Doch genau diese Erklärungen werfen neue Fragen auf. Wenn das Gold der Kunden tatsächlich sofort gekauft und sicher eingelagert wird, wie TGI betont, dann wäre das Kapital gebunden. Womit werden dann die laufenden Rabatte bezahlt?
Der Knackpunkt: Vertrauen statt Nachweis
TGI argumentiert, das Gold werde direkt nach Vertragsabschluss für die Kunden beschafft und bei Partnern eingelagert. Doch auf entscheidende Nachfragen, etwa wo genau das Gold liegt, wie die Bestände dokumentiert werden und welche unabhängigen Prüfungen es gibt, blieben nach Recherchen des Handelsblatts viele Antworten aus.
Zwar versichert das Unternehmen in seinen AGB, dass das Gold dem jeweiligen Käufer zugeordnet und getrennt vom Eigenbestand verwahrt werde. Gleichzeitig enthalten die Bedingungen aber zahlreiche Haftungsausschlüsse und Risikohinweise. Dort ist ausdrücklich auch von einem wirtschaftlichen Verlust bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals die Rede.
Das bedeutet: Der Kunde zahlt sofort, sieht das Gold aber unter Umständen drei Jahre lang nicht – trägt aber bereits weite Teile des Risikos.
Qualitätsversprechen und offene Widersprüche
Zusätzlich wirbt TGI mit Gold in hoher Qualität, teils unter Verweis auf Standards wie LBMA oder Good Delivery. Das Problem dabei: Laut den Recherchen des Handelsblatts tauchen die von TGI genannten Partnerfirmen nicht auf den einschlägigen Listen jener Raffinerien auf, die solche Standards überhaupt erfüllen können.
Theoretisch wäre es zwar denkbar, dass TGI bei Dritten zertifiziertes Gold kauft und extern einlagert. Doch dann stellt sich erneut die gleiche Frage: Wo entsteht der Gewinn, wenn das Kundenkapital bereits im physischen Gold gebunden ist?
Verbraucherschützer und Experten schlagen Alarm
Bei Fachleuten sorgt das Modell entsprechend für deutliche Skepsis. Verbraucherschützer warnen, dass kein seriöser Anbieter über Jahre hinweg derart hohe Rabatte garantieren könne. Auch Goldmarktexperten verweisen darauf, dass Gold eben gerade keine Zinsen oder laufenden Erträge liefert, sondern nur Wert aufbewahrt.
Dazu kommt: Sichere Goldlagerung kostet Geld. Vermittlungsprovisionen kosten ebenfalls Geld. Und wenn all das zusammenkommt, wirken die versprochenen Rabatte für viele Beobachter wirtschaftlich kaum nachvollziehbar.
Prominente Werbung, große Bühne, viele Fragezeichen
TGI tritt zugleich äußerst offensiv auf. Das Unternehmen ist auf TikTok, Instagram, YouTube, Facebook, LinkedIn und X präsent. Hinzu kommen ein starker Empfehlungsvertrieb und eine auffällige Selbstdarstellung der Unternehmerfamilie Kaltenegger – bis hin zu TV-Formaten, Rennsport-Sponsoring und einer Inszenierung als glamouröse Gold-Dynastie.
Gerade diese Mischung aus Lifestyle, Social-Media-Präsenz, Promi-Werbung und hohen Renditeversprechen weckt bei Kritikern zusätzliche Zweifel. Denn der Eindruck von Erfolg ersetzt keine belastbare Dokumentation.
Die BaFin ist eingeschaltet
Besonders brisant wurde der Fall, als die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einen Verbraucherschutzhinweis veröffentlichte. Darin heißt es, es gebe Anhaltspunkte dafür, dass TGI in Deutschland unter dem Titel „Goldkauf mit Rabatt“ möglicherweise Vermögensanlagen öffentlich anbiete.
Das wäre ein wichtiger Unterschied: Denn dann würde es sich nicht mehr nur um einen simplen Goldkauf handeln, sondern um ein Anlageprodukt, für das ein Prospekt erforderlich wäre. Einen solchen Prospekt gibt es nach Angaben der BaFin bislang nicht.
TGI selbst erklärt, man kooperiere mit der Aufsicht und nehme regulatorische Fragen ernst. Ob das Modell am Ende als normaler Goldhandel oder als prospektpflichtige Vermögensanlage einzustufen ist, ist damit allerdings noch nicht abschließend geklärt.
Neues Produkt, neue Fragen
Noch bevor die bestehenden Zweifel ausgeräumt waren, kündigte TGI bereits ein neues Modell an. Dabei soll Gold mit Sofortrabatt von zwei bis drei Prozent verkauft werden, bei gleichzeitig kurzer Lieferfrist. Alternativ bietet TGI dem Kunden an, das Gold später wieder zum ursprünglichen Preis zurückzukaufen.
Auch dieses Modell wirft sofort dieselben Fragen auf wie das erste:
- Woher kommen die laufenden Preisvorteile?
- Wo wird das Gold tatsächlich gelagert?
- Und wie nachhaltig ist ein Geschäft, das dem Kunden nahezu risikolos hohe Erträge suggeriert?
Fazit
Der Fall TGI zeigt, wie attraktiv Goldangebote in unsicheren Zeiten wirken können – gerade wenn sie mit hohen Rabatten, monatlichen Auszahlungen und prominenter Werbung verbunden werden. Gleichzeitig offenbart der Fall, wie wichtig es ist, Geschäftsmodell, Vertragsbedingungen und tatsächliche Sicherheiten genau zu prüfen.
Denn auch wenn ein solches Modell auf den ersten Blick glänzt, bleiben bislang viele wesentliche Fragen unbeantwortet:
- Wo liegt das Gold wirklich?
- Wie werden die Rabatte finanziert?
- Welche unabhängigen Nachweise gibt es?
- Und ist das Ganze am Ende Goldhandel – oder doch eher ein Anlageprodukt mit ganz anderen Risiken?
Solange darauf keine klaren und belastbaren Antworten vorliegen, gilt für Anleger vor allem eines:
Je verlockender das Versprechen, desto genauer sollte man hinschauen.
Ich verstehe nicht warum die TGI AG so schlecht gemacht wird. Ich kenne sehr viele die dort ihr Gold gekauft haben und auf dem Banken das Vermögen aufgelassen haben
Denn bei der Bank wird man nur abgezockt von Kontokosten Depotkosten und dann bekommt man mickrige 2% Zinsen für das ganze Jahr wo man noch die Steuer für den Start abliefern kann. Da bin ich mit der TGI AG 10 mal besser dran und ich habe sehr viele Bekannte die sagen das gleiche.
Ich denke viele sehen die Gefahr, dass die reine Auszahlung von Rabatten, nichts darüber aussagt, wie diese Rabatte tatsächlich finanziert werden. Desswegen auch Nachfrage nach belastbaren Nachweisen, Goldlagerung, Bilanzen, Schürfergebnissen, Überweisungsbelegen aus Afrika und Guyana, Börsen- oder Verkaufsprospekt.
Wer eine Antwort auf all die hier gestellten Fragen haben möchte, kann jederzeit einen Termin mit der TGI vereinbaren und Vaduz fahren.
Gibt es denn auch nur einen, dem diese Fragen dort beantwortrt wurden? Und warum beamtwortet die TGI diese Fragen nicht einfach den fragenden Journalisten?
P.S. Oder noch einfacher, in den FAQs.
Also, die FAQs kenne ich – die Frage, warum ein Milliardär 70% Zinsen im Jahr zahlen sollte, wird da nicht thematisiert. (Wenn 70% überhaupt reichen, die Empfehlungsgeber bekommen ja auch nochmal Länge mal Breite Provisionen. Eher 100%.).
Und warum die Goldbarren, die eh schon namentlich im Tresor liegen, dort noch Ertrag abwerfen statt Lagerkosten zu verursachen.
P.P.S. Aber wahrscheinlich sind es Reisen nach Liechtenstein die nötig sind für die wichtigen Informationen das, was Gläubige und Empfehlungsgeber unter der vielbeschworenen Transparenz verstehen.
Gerade wer dort investiert ist, sollte sich aus meiner Sicht nicht von Werbeversprechen beruhigen lassen, sondern nüchtern prüfen, ob er sein Gold beziehungsweise sein Kapital nicht umgehend sichern will. Denn die Kombination aus intransparentem Verwahrmodell, übernommenen Altverbindlichkeiten und einem schon auf dem Papier schwer nachvollziehbaren Rabattversprechen wirkt auf mich nicht wie ein tragfähiges Geschäftsmodell, sondern wie eines mit erheblichem Ausfallrisiko.
Das alte GGMT-Modell konnte juristisch offenbar noch mit der Behauptung verteidigt werden, es hätte zumindest theoretisch funktionieren können. Beim heutigen TGI-Modell sehe ich nicht einmal das. Denn TGI erklärt selbst, dass Kunden ab Kauf Eigentümer von physischem 24-Karat-Feingold sind und dieses Gold bis zur Auslieferung sicher eingelagert wird. Wenn dieses zertifizierte Feingold also sofort real beschafft werden muss, zerstört genau das jede noch so theoretische Wirtschaftlichkeit des Modells: Wo sollen dann gleichzeitig die versprochenen monatlichen Rabatte, die kostenlose Verwahrung und noch zusätzliche Erträge herkommen? Der Verweis auf angebliche Gewinnbeteiligungen beantwortet diese Frage für mich nicht, sondern verschärft sie. Und wenn man tatsächlich die ökonomische Wunderformel gefunden hätte, die all das problemlos trägt, warum sollte man dann private Kunden überhaupt beteiligen? Dass die BaFin das Modell prüft und TGI das Produkt ‚Sales Premium 4 %‘ in Deutschland vorsorglich vom Markt genommen hat, macht den Verweis auf frühere Freisprüche erst recht untauglich. Für mich wirkt das Modell damit neugelddabhängig und nicht aus sich heraus wirtschaftlich tragfähig. Herr Kaltenegger hat schon in der Vergangenheit nicht durch besondere ökonomische Plausibilität oder kommunikative Zurückhaltung überzeugt.
Nach meiner Meinung ein offentsichtlicher Scam.
Bemerkenswert, dass einige Berformance Vertriebspartner dort mitmischen.