Die Fußball-WM soll laut FIFA Menschen, Kulturen und Nationen zusammenbringen. In den USA scheint das Motto allerdings eher zu lauten: „Die Welt ist willkommen – manche müssen nur etwas länger warten als andere.“
Besonders eindrucksvoll erlebte das der somalische Schiedsrichter Omar Artan. Nachdem er als erster Somalier überhaupt für eine Weltmeisterschaft nominiert worden war, durfte er seinen historischen Einsatz gleich wieder von zu Hause aus verfolgen. Die US-Behörden verweigerten ihm die Einreise. Zur Begründung wurden nebulöse Sicherheitsbedenken ins Feld geführt. Artan selbst vermutet eine deutlich einfachere Erklärung: „Ich glaube, sie haben ein Problem mit meinem Land.“
Zurück in Mogadischu wurde der Schiedsrichter wie ein Nationalheld empfangen. Hunderte Menschen jubelten ihm zu – vermutlich mehr Begeisterung, als ihm manche WM-Partie eingebracht hätte.
Gleiche WM, unterschiedliche Warteschlangen
Somalia gehört zu den 39 Staaten, deren Bürger unter verschärften Einreiseregeln der Trump-Regierung leiden. Zufälligerweise befinden sich darunter zahlreiche afrikanische Länder. Ebenso zufällig fehlen nahezu alle westlichen Staaten auf der Liste.
US-Präsident Donald Trump hatte Somalia bereits im vergangenen Jahr als „miserables Land“ bezeichnet und erklärt, er wolle dessen Bürger nicht in den USA haben. Kritiker sehen daher einen Zusammenhang. Die Regierung sieht natürlich nur Sicherheitsfragen. Reiner Zufall also.
Fußballfans als Sicherheitsrisiko
Nicht nur Schiedsrichter geraten ins Visier. Medien berichten von langwierigen Verhören, Sonderkontrollen und kurzfristig verweigerten Einreisen für Spieler, Funktionäre und Fans aus Ländern wie Senegal, Marokko, Jordanien, Usbekistan oder der Elfenbeinküste.
Sogar schottische Fans sollen betroffen gewesen sein. Damit ist bewiesen, dass die US-Grenzbeamten wirklich jeden ernst nehmen, der mit Dudelsack, Kilt oder Fußballfahne auftaucht.
FIFA entdeckt ihre Machtlosigkeit
FIFA-Präsident Gianni Infantino reagierte gewohnt staatsmännisch. Man versuche stets Lösungen zu finden, erklärte er, sei aber nicht „König der Welt“. Kritiker könnten einwenden, dass die FIFA sonst gerne so auftritt. Doch bei Einreiseproblemen verweist der Weltverband plötzlich auf seine Rolle als einfache Sportorganisation ohne Einfluss auf Regierungen.
Kurz gesagt: Für Milliardenumsätze, gigantische Stadionprojekte und politische Fototermine reicht die Macht. Für Visa leider nicht.
UNO erinnert an Menschenrechte
UNO-Menschenrechtschef Volker Türk äußerte die vorsichtige Hoffnung, dass Menschenwürde und Einwanderungskontrollen vielleicht irgendwann gleichzeitig existieren könnten. Außerdem wies er auf Probleme wie Racial Profiling und Diskriminierung hin – Themen, die bei einer Veranstaltung unter dem Banner der globalen Einheit eigentlich keine Hauptrolle spielen sollten.
Der Iran reist lieber nach Mexiko
Besonders kompliziert gestaltet sich die Lage für den Iran. Obwohl sich die USA und der Iran militärisch bekämpfen, erhielten die Spieler Visa. Teile des Betreuerstabs hingegen nicht. Das Team verlegte sein Quartier vorsichtshalber von Arizona ins mexikanische Tijuana.
Für iranische Fans gibt es zusätzliche Hürden. Tickets wurden zunächst zugeteilt, dann wieder entzogen. Gleichzeitig droht der Verband mit Spielabbrüchen, falls Exil-Iraner in den Stadien gegen das Regime protestieren. Die WM schafft eben Begegnungen – manchmal unfreiwillige.
Fazit
Die Fußball-WM soll die Welt vereinen. In der Praxis scheint sie derzeit vor allem zu zeigen, welche Nationalitäten problemlos einreisen dürfen und welche erst einmal erklären müssen, warum sie überhaupt kommen wollen. Der Ball ist zwar rund, die Bedingungen für alle Beteiligten offenbar weniger.
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