Monatelang wurde verhandelt, diskutiert, geprüft, abgestimmt, verschoben, neu formuliert und vermutlich in mindestens 47 Arbeitsgruppen analysiert, ob man amerikanische Industriewaren vielleicht tatsächlich zollfrei nach Europa lassen könnte. Jetzt ist es endlich geschafft: Die EU hat sich mit sich selbst geeinigt.
Der Weg für die Umsetzung der Zollvereinbarung mit den USA ist frei. Oder anders gesagt:
Europa hat es nach nur gefühlten drei Legislaturperioden geschafft, auf Donald Trumps Drohungen zu reagieren.
Trump hatte zuvor vorsorglich schon einmal die Brechstange ausgepackt und der EU eine Frist bis zum 4. Juli gesetzt. Falls Brüssel bis dahin nicht aus dem bürokratischen Tiefschlaf erwachen sollte, drohte er mit neuen Strafzöllen und höheren Autozöllen.
Und plötzlich ging es dann doch.
Erstaunlich eigentlich:
Wenn deutsche Autobauer zittern, entwickelt die EU offenbar eine Geschwindigkeit, die man sonst nur von Notfallteams oder Pizzalieferdiensten kennt.
Die EU entdeckt das Konzept „Zeitdruck“
Der eigentliche Kern der Einigung:
Die EU schafft ihre Zölle auf US-Industriewaren wie Autos und Maschinen ab.
Das Ganze läuft allerdings nur bis Ende 2029.
Warum?
Weil in der Politik natürlich selbst bei einem Handelsabkommen immer ein kleines Hintertürchen eingebaut werden muss. Man weiß ja nie, wer in Washington nach der nächsten Wahl wieder durchs Oval Office läuft.
Interessant ist vor allem der zeitliche Ablauf:
Trump und Ursula von der Leyen hatten sich bereits im vergangenen August geeinigt, um einen Handelskrieg zu verhindern.
Die USA hielten sich weitgehend an die Vereinbarung.
Europa dagegen brauchte erst einmal:
- Abstimmungen,
- Übersetzungen,
- Ausschüsse,
- Unterausschüsse,
- Expertengruppen,
- Folgenabschätzungen
- und vermutlich mehrere Nachhaltigkeitsprüfungen für die Büroklammern im Verhandlungssaal.
In Washington nennt man so etwas vermutlich:
Dienstag.
Brüssel gegen die Realität
Man muss der EU allerdings eines lassen:
Kaum jemand schafft es so elegant, einfache Entscheidungen in epische Verwaltungsliteratur zu verwandeln.
Während Trump sinngemäß sagte:
„Macht endlich oder ich erhöhe die Zölle“,
antwortete Europa offenbar:
„Wir prüfen derzeit noch die Zuständigkeit der Arbeitsgruppe für transatlantische Zollharmonisierung.“
Dass Washington inzwischen leicht genervt war, überrascht deshalb wenig.
Deutsche Autobauer atmen auf
Besonders erleichtert dürften die deutschen Autobauer sein.
Denn 25 Prozent Strafzoll auf Autos hätten in Wolfsburg, Stuttgart und München vermutlich Schnappatmung ausgelöst.
Also bewegte sich Europa plötzlich doch noch.
Fast so, als hätte jemand entdeckt, dass wirtschaftliche Realität manchmal schneller ist als Verwaltungsprozesse.
Fazit
Die gute Nachricht:
Ein Handelskrieg wurde vorerst verhindert.
Die schlechte Nachricht:
Europa hat erneut bewiesen, dass selbst einfache wirtschaftliche Entscheidungen hier ungefähr so lange dauern wie der Bau eines Großflughafens.
Bleibt also nur die Frage:
Wie lange noch?
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