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Wie ein mutmaßlicher TGI-AG-Mann die BaFin-Warnung erklärt

MIH83 (CC0), Pixabay
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Die Finanzwelt hat ihre ganz eigenen Philosophen. Menschen, die selbst in einer BaFin-Warnung noch vor allem ein Kommunikationsproblem erkennen. Und genau so klingt aktuell auch die Verteidigung mancher TGI-AG-Unterstützer: Eigentlich sei das alles halb so wild — die Behörden hätten nur mal wieder etwas gegen kreative Finanzprodukte.

Sinngemäß lautet die Botschaft:
„Wenn keiner öffentlich Werbung macht, ist vieles möglich.“

Oder noch einfacher:
Solange niemand genau hinschaut, ist Regulierung offenbar eher eine optionale Empfehlung.

Besonders faszinierend wird es, wenn erklärt wird, warum manche Anbieter lieber keinen Prospekt veröffentlichen. Offiziell natürlich wegen des aufwendigen Zulassungsverfahrens. Man wolle schließlich nicht das komplette Geschäftsmodell offenlegen müssen.

Denn — und jetzt wird es herrlich ehrlich — entweder könnten andere das Modell kopieren…
…oder es könnte auffallen, dass es Betrug ist.

Immerhin:
So viel Transparenz über mögliche Risiken hört man selten.

Überhaupt klingt die Argumentation ungefähr so:
„Nur weil die BaFin etwas kritisch sieht, heißt das noch lange nicht, dass etwas problematisch ist. Vielleicht will man einfach nur nicht erklären müssen, wie das Ganze funktioniert.“

Das hat fast schon poetische Qualität.

Die BaFin als eigentliche Gefahr

Besonders kreativ wird es bei der Schuldfrage. Nicht das Geschäftsmodell könnte das Problem sein — nein, die eigentliche Gefahr seien verunsicherte Anleger und deren Anwälte.

Denn wenn Anleger plötzlich anfangen zu klagen, Fragen zu stellen oder ihr Geld zurückhaben zu wollen, dann könne das ein Unternehmen „lahmlegen“. Und genau dadurch entstünde erst der Schaden.

Mit anderen Worten:
Nicht mögliche Risiken ruinieren die Firma — sondern Menschen, die wissen wollen, wo ihr Geld geblieben ist.

Das ist ungefähr so, als würde ein Restaurant erklären:
„Nicht das verdorbene Essen ist das Problem. Die Gäste ruinieren nur durch ihre Beschwerden die Atmosphäre.“

„Ruhe bewahren“ — der Lieblingssatz der Finanzwelt

Der wichtigste Rat lautet deshalb natürlich:
„Erstmal Ruhe bewahren.“

Das klingt beruhigend. Ist in der Finanzbranche aber oft das akustische Äquivalent zu:
„Bitte laufen Sie geordnet weiter, während hinter Ihnen bereits Rauch aufsteigt.“

Denn natürlich könne sich alles noch „von alleine regeln“. Vielleicht komme ja noch ein Prospekt. Vielleicht würden Produkte angepasst. Vielleicht verschwinden die Fragen einfach irgendwann wieder.

Vielleicht kommt aber auch der Weihnachtsmann mit einer BaFin-Lizenz vorbei.

Der kleine Anleger darf nichts wissen — zu seinem Schutz natürlich

Besonders bemerkenswert ist die Erklärung, warum normale Anleger von solchen „Deals“ oft gar nichts erfahren:
Weil öffentliche Werbung zu viel Transparenz schaffen würde.

Das arme Publikum könnte sonst ja womöglich verstehen, worin investiert wird.

Deshalb bleiben viele Angebote lieber exklusiv unter sich — irgendwo zwischen Großinvestoren, komplizierten Konstruktionen und dem festen Glauben, dass Regulierung hauptsächlich andere betrifft.

Fazit: Alles legal, solange keiner nervt?

Am Ende bleibt der Eindruck einer Finanzwelt, in der manche offenbar glauben:
Wenn man Begriffe wie „Investmentmöglichkeit“, „Großinvestoren“ und „keine Panik“ oft genug wiederholt, verschwinden BaFin-Warnungen irgendwann von allein.

Die Realität ist allerdings etwas unangenehmer:
Sobald Aufsichtsbehörden einschreiten, Anleger nervös werden und plötzlich Fragen nach Prospekten, Genehmigungen und Geschäftsmodellen auftauchen, wird aus dem angeblich exklusiven Geheimtipp oft erstaunlich schnell ein sehr öffentliches Problem.

Aber keine Sorge:
Einfach Ruhe bewahren. Das sagen sie schließlich immer kurz bevor es interessant wird.

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