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Werder Bremen:Chuki zaubert im Testspiel – aber bitte noch keine Europapokal-Tapete bestellen

jorono (CC0), Pixabay
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Ja, ich gebe es zu: Auch ich habe kurz gezuckt.

Chuki, 22 Jahre jung, 1,70 Meter groß, Spanier, nennt sich selbst „Zauberer“ – und dann knallt er im Testspiel gegen Okayama den Ball aus knapp 20 Metern flach ins Eck. Schönes Ding. Sehr schönes Ding sogar. So ein Schuss, bei dem man als Werder-Fan sofort das gefährliche Kribbeln bekommt und innerlich schon anfängt, völlig unseriöse Vergleiche zu bemühen.

Aber genau deshalb: Stopp. Tief durchatmen. Hände weg von der Euphorie-Taste.

Wir sind Werder Bremen. Wir wissen, wie das läuft. Erst wird im Trainingslager einer zum neuen Hoffnungsträger ausgerufen, dann singen die Fans seinen Namen, dann kommt ein Traumtor im Testspiel – und plötzlich fragt halb Bremen, ob man nicht doch noch heimlich Richtung Europa schielen darf. Drei Wochen später steht es in Augsburg 0:2, der Rasen ist stumpf, der Gegner ekelig, und der Zauberer bekommt zum ersten Mal erklärt, was ein Bundesliga-Sechser mit Schulterkontakt unter „Willkommen“ versteht.

Chuki hat gegen Okayama gezeigt, dass er etwas kann. Keine Frage. Der linke Fuß sieht spannend aus. Der Mut zum Abschluss ist da. Bewegung in den Halbräumen, Engagement im Training, Selbstvertrauen – alles schön. Wenn ein Spieler neu kommt und direkt auffällt, ist das besser, als wenn man nach 60 Minuten googeln muss, welche Rückennummer er eigentlich hatte.

Aber Testspiel ist Testspiel. Punkte gibt es dort keine. Keine Tabelle. Kein Abstiegsdruck. Kein Regenabend in Mainz. Kein Innenverteidiger, der einem nach zehn Minuten mit dem Knie freundlich mitteilt, dass Künstlerfreiheit in Deutschland nur eingeschränkt gilt.

Deshalb gefällt mir, dass der Trainer bremst. Chuki soll Zeit bekommen. Richtig so. Nicht jeder, der im Juli gut aussieht, trägt im November automatisch die Mannschaft. Werder braucht keine Trainingslager-Legende, sondern Spieler, die funktionieren, wenn es weh tut, wenn Räume eng sind, wenn der Gegner presst und wenn die Tabelle unangenehm aussieht.

Und da liegt die Wahrheit nun einmal nicht im Hotelpool, nicht im Trainingslager, nicht im Fan-Gesang und auch nicht im ersten Traumtor. Die Wahrheit liegt auf dem Platz – dann, wenn es um Punkte geht.

Trotzdem darf man sich natürlich freuen. Wir sind ja keine Fußballbeamten. Es ist schön, wenn ein Neuzugang Fantasie auslöst. Werder braucht Spieler, die etwas Unerwartetes können. Einen, der aus 20 Metern einfach mal draufhält. Einen, der zwischen den Linien auftaucht. Einen, bei dem die Zuschauer nicht nur „sicherer Querpass“ denken, sondern vielleicht: Da passiert gleich was.

Aber genau diese Hoffnung muss man vorsichtig behandeln. Wie ein rohes Ei. Oder wie eine Werder-Führung in der 78. Minute.

Denn der Kader hat weiter Baustellen. Die Sechser-Frage ist nicht plötzlich gelöst, nur weil Chuki einen Ball schön trifft. Die defensive Stabilität muss sich erst beweisen. Und auch wenn gegen Okayama vieles ordentlich und konzentriert aussah: Die Bundesliga verzeiht keine Sommergefühle.

Gute Nachrichten aus dem Lazarett sind natürlich willkommen. Wenn angeschlagene Spieler zurückkommen, hilft das. Werder braucht Breite, Stabilität und möglichst wenig Drama in der medizinischen Abteilung. Davon hatten wir in Bremen traditionell genug, um eine eigene Dauerausstellung zu eröffnen.

Also: Willkommen, Chuki. Schönes Tor. Gute Ansätze. Spannender Spieler. Bitte weiter so.

Aber an uns Fans gerichtet: ruhig bleiben. Kein Hype-Tsunami. Keine Zauberer-Krone nach einem Testspiel. Keine Europapokal-Rechnung auf Bierdeckelbasis.

Wenn Chuki im Oktober gegen einen richtig unangenehmen Gegner den Ball fordert, Lücken findet, Zweikämpfe annimmt und vielleicht wieder so einen linken Hammer auspackt – dann reden wir weiter.

Bis dahin gilt die alte Werder-Weisheit: Im Sommer darf man träumen. Ab dem ersten Spieltag wird abgerechnet.

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