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Wer ist hier eigentlich der Boss? Teheran sucht noch.

qimono (CC0), Pixabay
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In Teheran läuft derzeit offenbar ein groß angelegtes Experiment:
Was passiert, wenn ein ganzes Land gleichzeitig entscheidet – oder eben nicht?

Während US-Präsident Donald Trump die Waffenruhe großzügig „auf unbestimmte Zeit“ verlängert (eine Formulierung, die ungefähr so präzise ist wie „irgendwann später vielleicht“), wartet man in Washington vor allem auf eines: eine Antwort aus Teheran.

Problem nur:
Teheran wartet offenbar selbst noch darauf, wer antworten darf.

Die Verhandlungen in Islamabad? Nach 21 Stunden beendet. Ergebnis: Man hat sich darauf geeinigt, sich nicht einig zu sein. Seitdem herrscht Funkstille – zumindest offiziell. Inoffiziell dürften mehrere Machtzentren gleichzeitig überlegen, ob sie zuständig sind oder lieber doch nicht.

Trump spricht bereits von einer „zersplitterten Führung“.
Diplomatischer ausgedrückt: Es gibt viele Chefs.
Und wie man weiß, bedeutet das meistens: keinen.

Ganz vorne im Rennen um den Titel „Wer entscheidet hier eigentlich?“ steht Modschtaba Chamenei, der neue oberste Führer. Theoretisch zumindest. Praktisch ist er seit Tagen nicht gesehen worden – was seine Autorität ungefähr so greifbar macht wie WLAN im Funkloch.

Manche sagen, er sei verletzt. Andere sagen, er sei vorsichtig.
Wieder andere vermuten: Er sucht selbst noch den Konferenzraum.

Währenddessen übernimmt die Revolutionsgarde immer mehr Aufgaben – vermutlich auch deshalb, weil sie zumindest weiß, wo sie ist. Zusammen mit Sicherheitsrat und diversen Hardlinern bildet sich ein Machtzentrum, das vor allem eines kann: entschlossen wirken.

Ob es auch entscheidet, ist eine andere Frage.

Ein weiterer Kandidat im Machtpoker: Parlamentspräsident Mohammed-Bagher Ghalibaf. Früher Militär, heute politisches Schwergewicht – und aktuell so etwas wie das sichtbarste Gesicht eines Systems, das gerade versucht, sich selbst zu sortieren.

Man könnte sagen:
Wenn jemand wie der Boss aussieht, ist er es vielleicht.
Oder er ist einfach nur der Einzige, der gerade ans Telefon geht.

Währenddessen stehen die USA mit einem fertigen Vorschlag bereit und warten. Und warten. Und warten. US-Vizepräsident JD Vance hatte angeblich schon den Koffer gepackt – nur um festzustellen, dass es schwierig ist zu verhandeln, wenn auf der anderen Seite niemand „Hallo“ sagt.

Die Straße von Hormus bleibt blockiert, Drohungen fliegen hin und her, und irgendwo zwischen Militär, Politik und religiöser Führung wird vermutlich gerade diskutiert, wer den nächsten Schritt machen darf.

Oder ob man dafür erst ein neues Gremium gründen sollte.

Am Ende bleibt vor allem eine Frage:
Wer ist hier eigentlich der Boss?

Die Antwort aus Teheran steht noch aus.

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