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Wen sucht man eigentlich bei GNTP?

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Fleischgewordene Kleiderständer gab es schon immer. Die Inhalte waren, je nach Modetrend, unterschiedlich. Zumeist bewegten sich die Figuren von dünn nach dick und dick nach dünn. Die Inhalte wechselten so schnell wie die Modetrends selber. Sie waren beliebig austauschbar.

Pervertiert wurden die Inhalte mit Beginn der Sechzigerjahre und Piggy. Rasant nahmen die Gewichtsverteilung am fleischgewordenen Kleiderständer, bis hin zur pathologischen Magersucht, ab.

Schönheitsoperationen, bis dato eigentlich nur in Massen bekannt aus Brasilien, schwappten über den Kontinent.

Sogar Jane Fonda konnte dem Reiz nicht vollkommen erliegen. In hohem Alter bereut auch sie sich jemals einer Schönheitsoperation unterzogen zu haben. Zum Glück habe sie früh genug aufgehört, sodass ihr Gesicht nicht vollkommen einer Maske gleich gekommen ist wie man es aus den frühen siebziger Jahren bei wiederholten Schönheitsoperationen hinlänglich gesehen hatte.

Es folgte die Epoche der sogenannten Supermodels. Die Verdienste waren ungeheuerlich. Pro Schritt am Laufsteg verdienten diese bis zu 5000 €. Außer durch ihre Körper bestachen sie kaum durch kognitive und intellektuelle Inhalte in ihren Interviews und Aussagen. Schon mehr durch kleine Skandälchen und inszenierte Entrüstungen.

Erst viel später setzte bei einigen das Erwachen ein. Nun endlich wurde auch kommuniziert. Jetzt ging es darum, wie schädlich diese Modebranche eigentlich ist. Sie zerstört Leben, Körper und Geist.

Das letzte Wort gibt schon wieder den Hinweis für die weitere Entwicklung. Das Schauen auf dem Laufsteg reicht nun nicht mehr aus.

Nunmehr müssen potentielle Kandidatinnen, für welche das Gehen auf dem Laufsteg alles bedeutet, sich nun in vollkommen sinnentleerten Fernsehshows entblöden wie auch einen seelischen Striptease hinlegen.

Zum Gaudium des Publikums, es zählen ja nur die Einschaltquoten, werden in regelmäßigen Abständen potentielle, weibliche Kleiderständer vorgeführt. Der Sinn dahinter bleibt dem nachdenklichen Beobachter nicht verschlossen.

Eilig zusammengewürfelte Jurys sollen beurteilen, welche nun die Schönste im Lande ist. Auf die Unabhängigkeit der Juroren ist natürlich Verlass. Auch gibt es sicherlich dabei keine monetären Interessen. Dies wäre ja gänzlich verwerflich.

Die Marke „Frau“ zieht immer noch. Gerade in einer Zeit wie „me too“ bzw. „men too“, welche durch angebliche Aufgeklärtheit bestechen sollte, sind derartige Veranstaltungen geradezu anachronistische Dinosaurierevents.

Im deutschen Sprachraum ist besonders die Sendung GNTP von einiger Popularität. Fasst man diese kurz skizzierten Gedanken zusammen, so stellt sich die Frage wen oder was sucht man eigentlich bei diesen Shows?

Das Fernsehen ist eigentlich schon seit Ende der Neunzigerjahre gestorben. Um das Publikum weiterhin zum „Narrenkastl“ hin zu locken, wurden die Shows immer einfallsloser und gleichzeitig im Niveau stetig sinkend. Es verwundert immer noch mit wie viel brachial inszenierter Primitivität sich das Publikum zufrieden gibt.

Um den Menschen kann es ja wohl kaum gehen. Um ein akzeptiertes Frauenbild wohl ebenso wenig. Sind es moderne, weibliche Gladiatorenspiele nach dem Motto der alten Römer „Brot und Spiele“ bzw. „Wein, Weib und Gesang“?

1 KOMMENTAR

  1. Salvatore, der viel zu früh verstorbene Roger Wiilemsen beschrieb Heidi Klum bei GNTM am 13.07.2015 so: „Eine unschöne Frau mit laubgesägtem Gouvernanten-Profil bringt kleine Mädchen zum Weinen, indem sie ihre orthodoxe, hochgerüstete Belanglosigkeit zum Maßstab humaner Seinserfüllung hochschwindelt, über ‚Persönlichkeit‘ redet, sich aber kaum mehr erinnern kann, was das ist, und sollte diese je zum Vorschein kommen, sie mit Rauswurf bestraft. Der Exzess der Nichtigkeit aber erreicht seinen Höhepunkt, wo Heidi Nationale mit Knallchargen-Pathos und einer Pause, in der man die Leere ihres Kopfes wabern hört, ihre gestrenge ‚Entscheidung‘ mitteilt und wertes von unwertem Leben scheidet. Da möchte man dann elegant und stilsicher, wie der Dichter sagt, sechs Sorten Scheiße aus ihr rausprügeln – wenn es bloß nicht so frauenfeindlich wäre.“

    ….!

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