Das Weiße Haus will sich nach eigenen Angaben nicht in das Auslieferungsverfahren gegen Andrew und Tristan Tate einmischen. Das erklärte Regierungssprecherin Karoline Leavitt am 23. Juli bei einer Pressekonferenz in Washington. Auf die Frage, ob Präsident Donald Trump oder seine Regierung in dem Fall intervenieren wollten, antwortete sie knapp: „Nein. Diese Frage haben wir bereits beantwortet.“
Die beiden umstrittenen Influencer waren am 18. Juli in Miami von U.S. Marshals festgenommen worden. Britische Behörden betreiben ihre Auslieferung in das Vereinigte Königreich. Dort sollen sie sich wegen zahlreicher schwerer Vorwürfe verantworten, darunter Vergewaltigung, Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung, Körperverletzung sowie weitere Delikte im Zusammenhang mit Missbrauchsdarstellungen und extremer Pornografie.
Andrew und Tristan Tate bestreiten die Vorwürfe.
Auch US-Außenminister Marco Rubio äußerte sich zurückhaltend. Er sagte am 22. Juli, solange der Fall vor Gericht laufe, gebe es „keine Rolle“ für die Regierung – möglicherweise auch später nicht. Sollte ein US-Gericht die Auslieferung für zulässig halten, müsste Rubio als Außenminister letztlich die Entscheidung über die Auslieferung unterzeichnen.
Der Anwalt der Brüder verwies genau auf diese Rolle des Außenministers. Ohne dessen Unterschrift gebe es keine Auslieferung, erklärte er gegenüber TMZ. Die Aussagen der Sprecherin seien daher aus seiner Sicht lediglich politische Kommentierung.
Die britische Strafverfolgungsbehörde hatte am Tag der Festnahme neue Anklagepunkte bekanntgegeben. Andrew Tate werden unter anderem sieben Fälle von Vergewaltigung, mehrere Vorwürfe der Förderung oder Ermöglichung von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung sowie Körperverletzung zur Last gelegt. Tristan Tate soll sich wegen eines Falls sexueller Nötigung, zweier Vergewaltigungsvorwürfe und mehrerer Vorwürfe im Zusammenhang mit Menschenhandel verantworten.
Nach Gerichtsunterlagen, die am 20. Juli veröffentlicht wurden, stammen die Vorwürfe mehrerer Frauen aus den Jahren 2012 bis 2015. Die Frauen werfen den Brüdern unter anderem sexuelle Gewalt und Würgen bis zur Bewusstlosigkeit vor. Die mutmaßlichen Opfer werden in den Unterlagen nicht namentlich genannt.
Zusätzlich zu den neuen Vorwürfen stehen weitere ältere Anklagepunkte im Raum. Insgesamt sollen sich die Tate-Brüder in Großbritannien nun mit 59 Anklagepunkten auseinandersetzen müssen. Zudem laufen gegen sie Verfahren in Rumänien; außerdem sind sie in mehreren zivilrechtlichen Klagen im Zusammenhang mit Vorwürfen sexueller Gewalt und Menschenhandel genannt.
Andrew und Tristan Tate gehören zu den bekanntesten Figuren der sogenannten „Manosphere“, einem Netzwerk aus Influencern, Webseiten und Online-Communitys, das Fitness-, Lifestyle- und Geschäftstipps mit antifeministischer und frauenfeindlicher Rhetorik verbindet. Beide verfügen über Millionen Follower in sozialen Netzwerken.
Der Fall ist auch politisch aufgeladen. Trump und sein Umfeld hatten in der Vergangenheit Kontakte zu Teilen dieser Online-Szene gepflegt. Berichte über angebliche Verbindungen zwischen den Tates und Personen aus dem Trump-Umfeld wurden von der Regierung jedoch als „Fake News“ zurückgewiesen.
Ob die Brüder tatsächlich an Großbritannien ausgeliefert werden, hängt nun zunächst von den US-Gerichten ab. Erst danach könnte das Außenministerium eine endgültige Entscheidung treffen.
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