Start Politik Gesellschaft Was wir  von „Maybrit Illner“ und der jungen Generation „Merkel“ lernen können

Was wir  von „Maybrit Illner“ und der jungen Generation „Merkel“ lernen können

0

Die Generation „Merkel“ war unlängst Thema in der Runde bei „Maybrit Illner“ – jene Menschen also, die nur Angela Merkel an der Spitze kennen. Dies wäre in Österreich beinahe vergleichbar mit Bürgern unter dem habsburgischen Kaiser Franz Joseph, welcher von 1848-1916 regierte oder gar mit Ramses II (1303-1213 v. Chr).

Nun stehen diese Menschen vor nicht unterschätzbaren Herausforderungen wie: Klimaneutralität, Mangel an digitaler Infrastruktur, das  Rentenproblem etc.:  „Grundsätzliches wurde während ihrer Amtszeit nicht angepackt, sagt Sarah-Lee Heinrich von der „Grünen Jugend“. Merkel als Krisenmanagerin? So könne man sie nicht wirklich betiteln, findet Heinrich. Jessica Rosenthal, Bundesvorsitzende der Jusos, stimmt zu: „Wir haben vieles verschlafen.“[1].

So kommt der Vorwurf etwa gerade die „Baby-Boomer“ (also die 60er Jahre Kinder) wären die sogenannten „Turbo-Umweltsünder“ und sind es angeblich noch. Schnell wird der „ökologische Fußabdruck“ eines Jeden zitiert. Geschlafen werde noch immer. Man habe jüngere Menschen lange vernachlässigt.

Vorab: Ja die Probleme sind real und betreffen die nächste Generation (dh unsere Kinder) im Besonderen. Zudem wäre jedes Aussage, dass die Pensionen in Zukunft gesichert wären, so auch der inzwischen em. Wirtschaftsprofessor Stephan Laske[2], eine falsche Aussage.

Jede Generation muss aber auch vor ihrem historischen Hintergrund gesehen werden. Dies gilt ebenso für die Vorwürfe an sie. Zudem, wer ist „die Baby-Boomer Generation“?

Allein die Geschichte des Vorwurfs wiederholt sich wohl in jeder Generation und in jedem Land. So warfen die „Baby-Boomer“ der vorhergehenden „Hippie-Generation“ vor, dass gerade sie es waren, welche aus den Prinzipien des „Harmony, Love and Peace“ eine kapitalorientierte  Gesellschaft machten und ihren Kindern gekürzte Pensionen hinterließen und den „Generationsvertrag“ überhaupt nicht einhielten. Seinerzeit erhielt ein Univ. Prof. noch in den 60er Jahren einige Monate vor der Pensionierung den doppelten Salär und ging damit in Pension. Einfache Handelsakademieabsolventen erhielten noch Pensionen von bis zu 4000€.- netto und mehr, wenn sie es im Betrieb zu etwas gebracht hatten. In Südtirol gab es eine Zeit, wo man als Lehrer für jedes Unterrichtsjahr drei Jahre angerechnet bekam. So konnte man mit knapp bis Mitte 40 regulär in Pension gehen, was für bestimmte Angestelltengruppen der staatlichen Betriebe bis in die 80er Jahre ohnehin so vorgesehen gewesen war.

Doch bereits die „Baby-Boomer“ wurden nach einigen, ersten Lehr-Arbeitsjahren mit 10 Jahren Mehrarbeit „belohnt“, wenn man nicht gleich nach einer Lehre wieder gekündigt oder in „Warteposition“ auf eine Stelle, für ein oder mehrere Jahre, im oft staatlichen Betrieb, putzen musste.

Das Ergebnis für die „Baby-Boomer“ ist heute, sofern man nicht vielleicht Politiker ist, gedeckelte bzw. stark eingeschränkte Rentenansprüche um bis zu minus 30% sowie ein ständig ansteigendes Pensionsalter ab dem Geburtsjahr 1963 (derzeit in Österreich nur für Frauen).

Ein kurzer Blick in die Zeit der „Baby-Boomer“ sei erlaubt:

Die „Baby-Boomer“ waren in der Schule die „zu instruierenden“ Kinder. Widerspruch wurde kaum geduldet und Schulwissen musste „gewusst“ und nicht „verstanden“ werden“.

Wer erinnert sich nicht an die ewigen „Ahnenlisten“ der französischen „Ludwig-Kaiser“, welche man ohnehin immer wieder verwechselte und irgendwann einmal, wohlverdient, vergessen durfte. Kritische Diskussionen und eigene Meinungen wurden selten gefördert. Die Diskussion um Mülltrennung und verwandte Themen kamen kaum vor. Aids wurde zum beherrschenden Thema. Besonders amüsant waren auch die Fragen „wieviel Kalorien die Sonne pro Sekunde verbrennt“.-natürlich musste man alle Stellen, inklusive den vielen Nachkommastellen, genau rezitieren können oder es hagelte ein „nicht genügend“ (abgesehen davon ist die genaue Zahl wohl heute auch unter Physikern noch nicht sicher bekannt).

Vereinzelt vorkommende Schulstreiks wurden von den Schuldirektoren kurzerhand auf „autonome Schultage“ gelegt, um sich ja nicht bei den Bildungsbehörden unbeliebt zu machen. Besonders „lustige“ Pädagogen prüften noch am Faschingsdienstag mit Masken verkleidete Schüler, zum allgemeinen aber wohl eher zum persönlichem Gaudium, auf ein „nicht genügend“.

Die Universitäten wurden „langweilige“ Bildungsorte in denen, im Vergleich zu den 60er Jahren, keine großen Revolutionen oder bemerkenswerte Änderungen mehr stattfanden.

Nicht völlig irrelevant ist die Tatsache, dass die „Baby-Boomer“ immer zahlreich und der Konkurrenzdruck allein schon deswegen enorm gewesen war. Ministrant wurde man nur als Junge und unter der Bedingung „Vorzugsschüler“ zu sein. Als ausgebildeter Lehrer war man ohnehin viele Jahre arbeitslos (außer man unterrichtete vielleicht Physik und Mathematik, aber das war auch keine Garantie). Ein abgeschlossenes Medizinstudium bedeutete etwa in den 80er Jahren, zumindest in Österreich, noch immer bis zu ca. 5 Jahre Wartezeit auf einen unter- oder oft noch gar nicht bezahlten Arbeitsplatz. In der Zwischenzeit wurde man Taxler, Kraftfahrer, Kellnerin oder ähnliches.

Vorbei sind die Zeiten in denen man in den 80er Jahren amerikanische Pensionisten noch bedauerte, da sie in ihrem Alter immer noch Regale in Supermärkten einräumen mussten oder mehrere Jobs hatten, um zu überleben.

Jedoch „die Baby-Boomer“ könnten, da eben auch sie mittlerweile „gebrannte Kinder“ der Vorgeneration sind, dazu beitragen, dass sich die „Fehler“ der Vergangenheit nicht wiederholen.

Es ist gut, dass die „Generation Merkel“ aufbegehrt. Sie gilt es zu fördern, auch wenn dies vielleicht für unsere Generation der „Baby-Boomer“ schmerzhaft sein mag. Wir sind nicht dazu verpflichtet den- oder dieselben Fehler an der nächsten Generation zu wiederholen. Hier hat, zumindest teilweise, ein Umdenken stattgefunden. Wir müssen noch mehr Partizipation unter den Generationen ermöglichen.

Noch ist es zu wenig war wir tun und die Probleme zu groß, als dass wir uns ausruhen könnten. Es kann nicht mehr so sein, dass man glaubt „Alles müsse besser werden, aber es dürfe sich nichts verändern“. Wir müssen die Veränderung werden, um etwas zu bewegen.

Tempora mutantur, nos et mutamur in illis (die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen).

[1] https://www.watson.de/unterhaltung/tv/558897487-illner-bitteres-zeugnis-fuer-angela-merkel-das-raecht-sich-jetzt

[2] TT vom 18.09.2021

Salvatore Giacomuzzi

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here