Inmitten der digitalen Dauerbeschallung warnt der Bundesinnenminister eindringlich vor einem besorgniserregenden Trend: Eine zunehmende Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen mit extremistischem Gedankengut. Besonders alarmierend sei die Entwicklung in rechtsextremen Kreisen – doch auch linksextreme und islamistische Strömungen würden immer stärker junge Menschen anziehen, so der Minister gegenüber den Funke-Medien.
Was früher in Kellerclubs oder versteckten Zirkeln keimte, gedeiht heute im öffentlichen Raum des Internets – befeuert von Algorithmen, die Wut und Polarisierung belohnen. TikTok-Videos mit verschwörungsideologischen Narrativen, Memes mit hasserfüllten Botschaften, radikale Influencer auf YouTube: Für viele Jugendliche verschmelzen Unterhaltung und ideologische Verführung. Der gemeinsame Nenner? Ein identitätsstiftender Feind. „Extremisten identifizieren einen gemeinsamen Gegner“, so der Minister. Daraus wachse Aggression – und der digitale Kampfgeist wird zur realen Gefahr.
Doch der Appell geht über das bloße Warnen hinaus. Es brauche mehr als nur Beobachtung durch Sicherheitsbehörden. Der Staat müsse aufklären, zuhören, ansprechbar sein – und das gerade dort, wo Jugendliche ihre Identität suchen: In Schulen, Vereinen, Jugendzentren und eben auch in den sozialen Netzwerken.
Auch Städte und Kommunen sieht der Innenminister in der Pflicht. Präventionsarbeit müsse sichtbar, niedrigschwellig und vor allem digital anschlussfähig sein. Denn wer Extremismus bekämpfen will, muss sich auch im virtuellen Raum behaupten – dort, wo Likes und Follower über Weltbilder entscheiden.
Der Verfassungsschutzbericht, den der Innenminister morgen vorstellen wird, dürfte deutlich machen: Die größte Bühne für Radikalisierung ist längst nicht mehr die Straße – es ist der Smartphone-Bildschirm.
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