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Vom Industrieland zum Insolvenzland

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Wir erzählen dann unseren Enkelkindern: Deutschland war einmal ein Industrieland

Früher war Deutschland mal berühmt für:

  • Autos,
  • Maschinen,
  • Ingenieure,
  • Textilien,
  • und Menschen, die tatsächlich noch Dinge hergestellt haben.

Heute sind wir offenbar Weltmeister in:

  • Insolvenzverfahren,
  • Standortdebatten,
  • Energiekosten
  • und Pressemitteilungen mit dem Satz:
    „Die Produktion wird eingestellt.“

Diesmal trifft es eine 120 Jahre alte Textilfirma aus Sachsen. Ein Unternehmen, das noch echtes Handwerk betrieb. Hochwertige Stoffe. Tischwäsche. Bettwäsche. Produkte für Hotels, Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge. Also Dinge, die man nicht mal eben mit einem TikTok-Tanz ersetzen kann.

Doch damit ist jetzt Schluss.

Willkommen im Industriemuseum Deutschland

81 Mitarbeiter verlieren ihren Job.
Wieder einmal.

Und langsam fragt man sich wirklich:
Was produzieren wir in Deutschland eigentlich bald überhaupt noch außer Vorschriften, Gutachten und Förderanträgen?

Die Geschichte klingt dabei fast schon tragikomisch deutsch:

  • Traditionsfirma,
  • Insolvenz,
  • Hoffnung auf Investor,
  • komplizierte Banken,
  • geplatzte Übernahme,
  • Ende.

Fehlt eigentlich nur noch ein Arbeitskreis zur Aufarbeitung des Scheiterns.

Deutschland kann alles – außer billig und schnell

Besonders bitter:
Die Firma stellte hochwertige Stoffe her. Also nicht irgendeinen Ramsch, sondern echte Qualitätsprodukte.

Aber Qualität allein reicht offenbar nicht mehr, wenn gleichzeitig:

  • Energiepreise explodieren,
  • Bürokratie wuchert,
  • und asiatische Konkurrenz zu Preisen produziert, bei denen deutsche Mittelständler vermutlich schon beim Öffnen der Stromrechnung ohnmächtig werden.

Man muss sich das mal vorstellen:
Da sitzt irgendwo in Asien jemand in einer Fabrikhalle, produziert Stoffe rund um die Uhr…
und in Deutschland diskutieren wir erstmal drei Monate über die korrekte Formulierung eines Nachhaltigkeitsberichts.

Der große deutsche Wirtschaftstraum: Dienstleistungen für Dienstleistungen

Natürlich wird jetzt wieder erklärt:
„Deutschland befindet sich im Wandel.“

Das klingt immer wunderbar modern.
In Wahrheit bedeutet es oft:
Die Industrie verschwindet…
und dafür entstehen:

  • Beratungsfirmen,
  • Nachhaltigkeitsmanager,
  • Prozesskoordinatoren
  • und Experten zur Begleitung struktureller Transformationsprozesse.

Früher webte man Stoffe.
Heute erstellt man PowerPoint-Präsentationen darüber, warum niemand mehr Stoffe webt.

Der Investor aus Zentralasien – und das große Bankentheater

Fast schon filmreif wird die Geschichte mit dem Investor aus Zentralasien.

Der wollte die Firma übernehmen.
Eine Anzahlung wurde geleistet.
Dann blieb der Rest des Geldes irgendwo im internationalen Bankensystem hängen.

Das klingt ein bisschen wie:
„Eigentlich wäre alles gut geworden…
wenn die Weltwirtschaft nicht beschlossen hätte, spontan Chaos zu spielen.“

360 Jahre Geschichte – einfach weg

Das eigentlich Traurige:
In der Region wurde seit 1666 Damast gewebt.

1666!

Damals ritten Menschen noch mit Pferden durch Europa, während in Sachsen bereits Stoffe produziert wurden.

Und 2026 endet diese Geschichte dann vermutlich an:

  • Energiekosten,
  • Standortnachteilen
  • und globalem Wettbewerbsdruck.

Das muss man auch erstmal schaffen.

Bald nur noch Erinnerungskultur statt Industrie

Irgendwann sitzen wir vermutlich wirklich mit unseren Enkelkindern da und sagen:

„Ja, früher hatten wir mal Fabriken.“
„Wir haben mal Dinge gebaut.“
„Es gab mal Industriearbeitsplätze.“
„Und irgendwo in Deutschland wurden tatsächlich hochwertige Stoffe hergestellt.“

Die Enkel schauen dann wahrscheinlich irritiert vom Tablet hoch und fragen:
„Und warum habt ihr damit aufgehört?“

Tja.

Wahrscheinlich weil es einfacher war,
Industrie langsam sterben zu lassen,
als rechtzeitig Bedingungen zu schaffen,
unter denen sie überhaupt noch überleben konnte.

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