George Zoley gilt als eine der einflussreichsten Figuren im US-Geschäft mit Einwanderungshaft. Der Gründer und Vorstandsvorsitzende der GEO Group, des größten privaten Betreibers von Abschiebe- und Haftzentren in den USA, kam selbst als Kind einer griechischen Einwandererfamilie nach Amerika. Heute sieht sich sein Unternehmen schweren Vorwürfen wegen angeblich unmenschlicher Bedingungen in einer Haftanstalt in New Jersey ausgesetzt.
Zoley wurde 1950 im nordgriechischen Florina geboren. Seine Familie wanderte 1953 in die Vereinigten Staaten aus und wurde nach ihrer Ankunft über Ellis Island registriert. In einer Anhörung vor dem US-Kongress erklärte er später, seine eigene Einwanderungsgeschichte habe sein gesamtes Leben geprägt und ihn gelehrt, Menschen niemals dem Profit unterzuordnen.
Kritiker werfen ihm nun jedoch genau das Gegenteil vor. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht das Delaney-Hall-Haftzentrum in Newark, das von der GEO Group betrieben wird. Ehemalige Insassen berichten von verdorbenem Essen, überfüllten Unterkünften, mangelhafter medizinischer Versorgung und unhygienischen Zuständen. Einige vergleichen die Behandlung der Häftlinge mit psychischer Misshandlung.
Ein ehemaliger südamerikanischer Häftling erklärte gegenüber CNN, er habe sich acht Männer mit vier Etagenbetten teilen müssen. Für nahezu 200 Insassen habe es nur wenige funktionierende Toiletten gegeben. Zudem habe er erst Tage nach Beschwerden über starke gesundheitliche Probleme medizinische Hilfe erhalten. Nach seiner Freilassung sei sogar eine Operation notwendig gewesen.
Auch Angehörige von Inhaftierten erheben schwere Vorwürfe. Die Ehefrau eines kolumbianischen Häftlings berichtete, ihr Mann habe Essen erhalten, in dem sich Würmer befunden hätten. Die Zustände seien „wie für Tiere“.
Die GEO Group weist die Anschuldigungen zurück. Das Unternehmen betont, alle Einrichtungen würden regelmäßig von Behörden kontrolliert und erfüllten die Vorgaben der US-Einwanderungsbehörde ICE. Zudem verweist die Firma auf medizinische Versorgung, Besuchsmöglichkeiten, spezielle Ernährungsangebote und weitere Dienstleistungen für die Insassen.
Dennoch hat der Bundesstaat New Jersey inzwischen Klage eingereicht, um umfassenden Zugang zur Einrichtung zu erhalten. Die Behörden wollen prüfen, ob von Delaney Hall Gesundheits- oder Sicherheitsrisiken für die Insassen oder die Öffentlichkeit ausgehen.
Die GEO Group profitiert derweil weiterhin von der verschärften Einwanderungspolitik. Das Unternehmen betreut nach eigenen Angaben rund 24.000 ICE-Häftlinge und erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von rund 2,63 Milliarden US-Dollar. Allein das Delaney-Hall-Zentrum wird im Rahmen eines 15-jährigen Vertrags mit der US-Regierung betrieben.
Für Historiker und Einwanderungsexperten zeigt der Fall einen bemerkenswerten Widerspruch: Ein Mann, dessen Familie einst selbst durch Ellis Island in die Vereinigten Staaten kam, verdient heute Milliarden mit der Unterbringung von Migranten – und sieht sich dabei mit Vorwürfen konfrontiert, genau jene Menschen schlecht zu behandeln, deren Schicksal einst seinem eigenen ähnelte.
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