Berlin. Koalitionsausschuss, Villa Borsig, eigentlich ein Ort für große Politik – offenbar aber auch für große Emotionen. Bundeskanzler Friedrich Merz soll seinen Vize Lars Klingbeil lautstark in die politische Mangel genommen haben. Worte flogen, Nerven lagen blank, und irgendwo zwischen Haushaltsstreit und Übergewinnsteuer ging dann wohl die diplomatische Lautstärkeregelung verloren.
Man kennt das ja: Der eine erinnert sich an Zusagen, der andere an gar nichts – und zack, wird aus einem Gespräch ein Schlagabtausch. Am Ende: Unterbrechung, Rückzug ins Vier-Augen-Gespräch, und der Rest der Runde schaut vermutlich so, als hätte jemand das WLAN abgeschaltet.
Stundenlang drehte sich alles im Kreis. Jeder hatte Bedenken, Einwände oder einfach keine Lust, sich zu bewegen. Große Reformen? Vertagt. Große Einigkeit? Ebenfalls.
Und während man sich das so anschaut, drängt sich ganz leise – oder je nach Temperament auch ziemlich laut – eine Frage auf: Wie qualifiziert muss man in Deutschland eigentlich sein, um Minister zu werden? Reicht Fachkenntnis, Erfahrung… oder tut’s am Ende doch das richtige Parteibuch und ein stabiles Stimmband für Krisensitzungen?
Denn wenn politische Führung aussieht wie ein hitziges Vereinsmeeting kurz vor der Jahreshauptversammlung, dann fragt man sich schon, ob im Lebenslauf irgendwo „Konfliktmanagement“ stand – oder eher „laut werden, wenn’s schwierig wird“.
Immerhin: Langweilig wird’s nicht in Berlin. Und vielleicht ist das ja auch die heimliche Kernkompetenz.
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