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Vier Minuten VAR-Wahnsinn – und plötzlich steht eine ganze Saison Kopf

964424 (CC0), Pixabay
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Es waren exakt vier Minuten und elf Sekunden, die den englischen Fußball möglicherweise komplett verändert haben. Vier Minuten, in denen in London nicht nur über ein Tor entschieden wurde – sondern womöglich über Meisterschaft, Abstieg und die Zukunft zweier Vereine.

Arsenal führte im London Stadium spät mit 1:0, als West Hams Callum Wilson in der Nachspielzeit nach einer Ecke das vermeintliche 1:1 erzielte. Das Stadion explodierte, die Hammers feierten den vielleicht wichtigsten Treffer der Saison, Mikel Arteta sank an der Seitenlinie bereits verzweifelt zusammen.

Doch dann begann das große Zittern.

VAR-Schiedsrichter Darren England prüfte minutenlang eine mögliche Behinderung von Arsenal-Keeper David Raya. Während Spieler diskutierten, Trainer verzweifelten und Fans kollektiv den Atem anhielten, lief im Hintergrund vermutlich die bedeutendste VAR-Überprüfung seit Einführung des Systems im Jahr 2019.

Dann die Entscheidung: Foul an Raya. Kein Tor. Arsenal gewinnt.

Und plötzlich könnte genau dieser Moment die gesamte Premier-League-Saison definieren.

Denn mit dem Sieg baut Arsenal den Vorsprung auf Manchester City auf fünf Punkte aus und steht näher an der ersten Meisterschaft seit 22 Jahren als jemals zuvor. West Ham dagegen taumelt Richtung Championship und steckt nach dem aberkannten Ausgleich tief im Abstiegsdrama fest.

Entsprechend explosiv waren die Reaktionen.

Während Arsenal-Spieler jubelten, herrschte bei West Ham blanke Wut. Trainer Nuno Espirito Santo sprach von fehlender Konsequenz bei der Bewertung von Zweikämpfen im Strafraum. Seit Jahren werde bei Ecken geschoben, gehalten und blockiert – niemand wisse mehr, was überhaupt noch als Foul gelte.

Arteta dagegen lobte die „Mutigkeit“ der Schiedsrichter. Die Entscheidung habe den Verlauf der Saison verändert, sagte der Arsenal-Coach – und genau das macht diese Szene so außergewöhnlich.

Denn selten hing an einer einzigen VAR-Entscheidung so viel.

Besonders brisant: Arsenal selbst gilt in dieser Saison als Meister der Standardsituationen und des gezielten „Bearbeitens“ gegnerischer Torhüter bei Ecken. Dass nun ausgerechnet die Gunners von einer solchen Auslegung profitieren, sorgt bei vielen Fans zusätzlich für Diskussionen.

Schiedsrichterexperten halten die Entscheidung dennoch für korrekt. Pablo habe Raya klar behindert und dessen linken Arm festgehalten. Ohne diesen Kontakt hätte der Arsenal-Keeper den Ball wohl problemlos gefangen.

Bemerkenswert ist auch die Geschichte des VAR-Offiziellen Darren England. Ausgerechnet jener Schiedsrichter, der 2023 nach dem falsch aberkannten Liverpool-Tor gegen Tottenham massiv in die Kritik geraten war, musste nun über eine Entscheidung urteilen, die womöglich Titel und Abstieg beeinflusst.

Diesmal nahm er sich Zeit. Sehr viel Zeit.

Vier Minuten und elf Sekunden, die in England vermutlich noch jahrelang diskutiert werden. Denn genau dafür wurde der VAR einst eingeführt: um große Fehler in großen Momenten zu verhindern.

Nur bleibt die Frage, die nach solchen Szenen immer im Raum steht: Wenn eine Entscheidung erst nach über vier Minuten gefunden wird – wie „klar und offensichtlich“ war sie dann wirklich?

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