Startseite Allgemeines Verbraucherschützer schlagen Alarm: Doctolib zeigt Kassenpatienten trotz Filter kostenpflichtige Arzttermine
Allgemeines

Verbraucherschützer schlagen Alarm: Doctolib zeigt Kassenpatienten trotz Filter kostenpflichtige Arzttermine

FiveFlowersForFamilyFirst (CC0), Pixabay
Teilen

Wer auf dem Arztterminportal Doctolib gezielt nach Terminen für gesetzlich Versicherte sucht, kann dennoch bei kostenpflichtigen Angeboten landen. Das geht aus einem aktuellen Marktcheck des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) hervor. Trotz aktivierter Filterfunktion „Nur Termine mit gesetzlicher Versicherung anzeigen“ wurden Kassenpatienten weiterhin Privatsprechstunden und Selbstzahlerleistungen angezeigt. Verbraucherschützer kritisieren diese Praxis als irreführend und fordern gesetzliche Mindeststandards für digitale Arztterminportale.

Filter verspricht Kassenleistungen – zeigt aber kostenpflichtige Angebote

Eigentlich soll die Filterfunktion gesetzlich Versicherten ausschließlich Termine anzeigen, die über die Krankenkasse abgerechnet werden können. Nach den Ergebnissen des Marktchecks ist dies jedoch vielfach nicht der Fall.

Die Verbraucherzentrale untersuchte 37 gynäkologische und dermatologische Praxen mit insgesamt 349 verschiedenen Terminarten. Das Ergebnis fiel deutlich aus: 144 der 349 angebotenen Termine waren mit einer Selbstzahlung verbunden – obwohl zuvor ausdrücklich nach Terminen für gesetzlich Versicherte gefiltert worden war.

Besonders problematisch: Häufig wurde erst sehr spät im Buchungsprozess sichtbar, dass zusätzliche Kosten entstehen. Teilweise mussten Nutzer zunächst Praxis und Termin auswählen, bevor Hinweise auf Selbstzahlerleistungen erschienen.

Gericht sieht Vorgehen als irreführend

Bereits im Januar hatte das Landgericht Berlin entschieden, dass diese Darstellung irreführend ist. Anlass war eine Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands.

Nach Auffassung des Gerichts dürfen Nutzer, die gezielt nach Kassenarztterminen suchen, erwarten, ausschließlich entsprechende Angebote angezeigt zu bekommen. Doctolib hat gegen das Urteil allerdings Berufung eingelegt. Es ist daher noch nicht rechtskräftig.

Selbstzahlerleistungen häufig erst auf den zweiten Blick erkennbar

Neben Privatsprechstunden fanden die Tester zahlreiche Angebote für Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) sowie ästhetische Behandlungen ohne medizinische Notwendigkeit.

Gerade bei Hautarztpraxen fiel auf, dass viele grundsätzlich von den gesetzlichen Krankenkassen übernommene Leistungen ausschließlich als Selbstzahlertermine angeboten wurden.

Nach Einschätzung der Verbraucherschützer erschwert dies gesetzlich Versicherten die Suche nach einer regulären medizinischen Versorgung erheblich.

Hinweise auf Ausfallhonorare

Ein weiteres Ergebnis des Marktchecks betrifft mögliche Gebühren bei Terminabsagen.

Bei 20 der 37 untersuchten Praxen wurde im Buchungsprozess zumindest bei einzelnen Terminarten auf ein mögliches Ausfallhonorar hingewiesen. Auch diese Informationen erschienen teilweise erst nach mehreren Buchungsschritten.

Verbraucherzentrale fordert klare gesetzliche Regeln

Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht deshalb politischen Handlungsbedarf.

Nach Ansicht der Organisation müssen digitale Arztterminportale künftig verbindliche Mindeststandards erfüllen. Dazu gehören insbesondere:

  • eine diskriminierungsfreie Terminvergabe ausschließlich nach medizinischem Bedarf und Dringlichkeit,
  • eine eindeutige Kennzeichnung von Privatsprechstunden und Selbstzahlerangeboten,
  • die Anzeige kostenpflichtiger Termine nur auf ausdrücklichen Wunsch der Nutzer,
  • der Erhalt der telefonischen und persönlichen Terminvergabe als gleichwertige Alternative zu kommerziellen Online-Plattformen.

Politik arbeitet an neuen Vorgaben

Mit dem geplanten Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) sollen künftig verbindliche Regeln für digitale Terminbuchungsplattformen geschaffen werden.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung sollen dafür gemeinsame Mindeststandards entwickeln. Verbraucherschützer sehen darin eine wichtige Chance, mehr Transparenz und Fairness bei der Vergabe von Arztterminen zu schaffen.

Fazit

Der aktuelle Marktcheck zeigt, dass gesetzlich Versicherte auf Arztterminportalen trotz entsprechender Filtereinstellungen nicht immer ausschließlich kostenfreie Kassenleistungen angezeigt bekommen. Nach Auffassung der Verbraucherzentrale kann dies Patienten in die Irre führen und den Zugang zur medizinischen Versorgung erschweren. Deshalb fordern die Verbraucherschützer klare gesetzliche Vorgaben, damit digitale Terminportale künftig transparenter arbeiten und Kassenpatienten zuverlässig zwischen regulären Kassenleistungen und kostenpflichtigen Angeboten unterscheiden können.

Stellungnahme des Unternehmens dazu:

Folgendes dürfen Sie zitieren. Gerne mit Verweis auf Unternehmenssprecher oder Pressestelle.
Die Suchfunktion wurde optimiert, um diese für Patient:innen noch transparenter und eindeutiger  zu gestalten. Die neue Suchfunktion wurde so konfiguriert, dass die Suchergebnisliste bei der Suche nach kassenärztlichen Terminen ausschließlich Leistungen anzeigt, die von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen  werden.

In einigen Fällen hätte die Konfiguration von Terminarten durch die Praxen für Patient:innen noch eindeutiger sein können. Doctolib hat das proaktiv erkannt und über mehrere Monate hinweg aktiv strukturelle Lösungen entwickelt, die aktuell schrittweise eingeführt werden.

Solche Prozesse sind komplex und berühren direkt die Rechte der Patient:innen und der Ärztinn:en – genau deshalb optimieren wir sie kontinuierlich.

 

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

BaFin schlägt erneut Alarm: Warnungen vor LumenAI und Ironvex Group

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am 7. Juli 2026 gleich mehrere...

Allgemeines

El Paraíso Verde: Das grüne Versprechen und die offenen Fragen

In Paraguay wirbt El Paraíso Verde seit Jahren mit Freiheit, Autarkie und...

Allgemeines

15 Millionen Gewinn – klasse! Aber wer schießt jetzt die Tore?

Ein launischer Kommentar aus Sicht eines FC-Fans Respekt, Thomas Kessler! Wenn der...

Allgemeines

BaFin warnt vor mutmaßlichem Identitätsmissbrauch: Was Anleger jetzt wissen sollten

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt aktuell vor den Festgeldangeboten auf der...