Ein satirischer Blick auf das neue Kapitel im Tourismus-Tollhaus Italien
Wer dachte, Eintritt zahlt man nur fürs Museum oder Konzert, hat Venedig wohl noch nie besucht. Dort ist jetzt auch die Stadt selbst ein Erlebnis mit Preisetikett: Fünf Euro Tagesgebühr für alle, die sich zwischen Karfreitag und Juli in die Lagunenstadt wagen – pardon, einbuchen. Wer spontan kommt, zahlt zehn. Für diesen Preis bekommt man: Menschenmassen, ein paar Tauben, Selfie-Staus auf der Rialtobrücke – und als besonderes Extra: einen QR-Code fürs Handy, ohne den’s bis zu 300 Euro kostet, durch die Stadt zu laufen. Romantisch, oder?
Willkommen im Ticket-Paradies
Bereits 33.000 Menschen haben sich dieses Jahr freiwillig das digitale Eintrittsbändchen geholt. Klar, man will ja nicht den Nervenkitzel verpassen, kontrolliert zu werden, als wäre man bei der Zollfahndung und nicht auf dem Markusplatz. Wer Glück hat, wird von echten Ticketverweigerern begleitet, die auf Facebook und Instagram zum digitalen Widerstand aufrufen – mit gefälschten QR-Codes. Revolution 2.0.
Stadtkämmerer Michele Zuin ist außer sich. Nicht etwa wegen überteuerter Gondelfahrten oder der täglichen Kreuzfahrtinvasion, sondern weil „Leute gegen die Stadt arbeiten“. Die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft läuft – vermutlich schneller als so mancher Vaporetto bei Hochwasser.
Touristensteuer – Italiens neues Lieblingswort
Venedig ist natürlich nur die Speerspitze einer nationalen Gebühren-Offensive. Insgesamt 1.389 italienische Gemeinden schlagen heuer beim Urlaubsvergnügen mit einer „Kurtaxe“ zu. Macht fast 1,2 Milliarden Euro Einnahmen. Rom kassiert dabei am meisten, was bei 20-Euro-Cappuccinos und 100-Meter-Schlangen vor dem Kolosseum auch kein Wunder ist.
In Sardinien geht man einen Schritt weiter: Dort wird der Strandzugang per App geregelt. Für bis zu zwei Euro darf man Tuerredda betreten – vorausgesetzt, man war schnell genug, sich einen der limitierten 1.100 Plätze zu reservieren. Wer zu spät kommt, geht leer aus – oder badet in der App-Store-Rezension.
Infrastruktur-Update gegen Sonnenbrand?
Die Bürgermeister geben sich optimistisch. In Teulada soll mit den Einnahmen aus der Strand-Gebühr der Parkplatz verschönert und die Fußdusche modernisiert werden. Schließlich geht’s hier nicht nur um Kontrolle, sondern auch um „Wohlfühlurlaub mit Verwaltungsflair“.
Und als wäre das noch nicht genug, bekommt auch der Kaninchenstrand auf Lampedusa jetzt ein Personenlimit: Maximal 550 Gäste täglich. Wer zu viel ist, darf auf der Nachbarinsel schwitzen oder gleich wieder heimfahren. Ob die Kaninchen gefragt wurden, ist unklar.
Fazit: Dolce Vita mit Drehkreuz
Italien entdeckt den digitalen Kapitalismus des Massentourismus – und nennt es Nachhaltigkeit. Venedig, Sardinien, Lampedusa: Wer nicht vorher bucht, zahlt drauf. Wer zahlt, darf sich ärgern. Und wer nichts zahlt, ist entweder Anwohner – oder bald vor Gericht.
Aber hey, immerhin gibt’s dafür keinen Platz mehr auf dem Strand – und endlich freie Sicht auf die Zukunft: eine Urlaubswelt mit QR-Code, App-Zugang und digitalem Strafzettel. Bella Italia, aber bitte nur mit Ticket.
Kommentar hinterlassen