Wer schon einmal eine Gruppenreise organisiert hat, kennt das Problem: Das Reiseziel steht fest, die Vorfreude ist groß, doch mindestens eine Person kann sich nicht zur Buchung durchringen. Im Fall von Manuel Baralt führte diese Unentschlossenheit zu einer ungewöhnlichen und äußerst öffentlichen Erinnerung.
Seine Partnerin Georgia ließ sich mit der Buchung einer gemeinsamen Bali-Reise besonders viel Zeit. Baralt entschied sich deshalb für eine humorvolle Maßnahme: Er ließ eine Nachricht an sie auf einer digitalen Werbetafel am New Yorker Times Square veröffentlichen.
Darauf stand sinngemäß: „Hey Georgia, die ‚Silly Billies‘ brauchen dich wirklich, damit du Bali endlich buchst. Das ist kein Spaß mehr.“
Die Aktion war Teil einer Werbekampagne der Reiseplattform KAYAK. Unter dem Namen „BookBoards“ konnten Reisende jene Freunde öffentlich ansprechen, deren Unentschlossenheit eine geplante Gruppenreise verzögerte. Die digitalen Botschaften erschienen im August auf Werbetafeln in New York, Chicago und Los Angeles.
Baralt, der im australischen Sydney lebt, entdeckte die Aktion in den sozialen Medien. Er fand die Idee so lustig, dass er seine Partnerin und den gesamten Freundeskreis damit überraschen wollte.
Die ungewöhnliche Erinnerung zeigte Wirkung: Kurz nach der Veröffentlichung der Botschaft buchte Georgia ihre Reise. Damit schaffte es die Urlaubsplanung endlich aus dem Gruppenchat in die Realität. Ende August reisten die Freunde gemeinsam nach Bali. Dort wollten sie unter anderem die kulturellen Sehenswürdigkeiten und die Landschaft rund um Ubud erkunden.
Baralt erklärte, die Werbetafel habe dafür gesorgt, dass die Gruppe wieder intensiver über die Reise sprach und die noch offenen Planungen tatsächlich abschloss.
Warum Gruppenreisen häufig an einer Person scheitern
Eine Reise mit mehreren Freunden zu organisieren, kann komplizierter sein als erwartet. Unterschiedliche Arbeitszeiten, Urlaubstage, Budgets und Vorstellungen müssen miteinander vereinbart werden. Selbst wenn sich alle grundsätzlich auf die Reise freuen, kann sich die Buchung deshalb über Wochen oder Monate hinziehen.
Nach Angaben von KAYAK verzögert sich die Planung einer Gruppenreise durchschnittlich um einen bis drei Monate. Rund 90 Prozent der befragten Reisenden gaben an, dass häufig eine einzelne Person die Buchung aufhalte, weil sie sich nicht endgültig entscheiden könne.
Baralt kennt diese Situation gut. Wer zu lange über eine Reise nachdenke, finde schließlich immer neue Gründe, sie noch einmal zu verschieben. In seinem Freundeskreis sei allerdings nicht immer dieselbe Person unentschlossen. Diese Rolle wechsle von Reise zu Reise.
Gemeinsame Reisen können Freundschaften stärken
Obwohl Gruppenreisen organisatorisch anstrengend sein können, bieten sie die Gelegenheit, Freundschaften zu vertiefen. Gemeinsame Erlebnisse schaffen Erinnerungen, über die man noch viele Jahre später spricht.
Bei einer Befragung des Reiseveranstalters Exodus Travels aus dem Jahr 2022 erklärten 71 Prozent von 2.000 befragten US-Amerikanern, dass gemeinsames Reisen die Beziehung zwischen den Mitreisenden stärken könne.
Gerade mit zunehmendem Alter wird es jedoch schwieriger, gemeinsame Zeit zu finden. Beruf, Familie und andere Verpflichtungen sorgen dafür, dass Treffen und Reisen frühzeitig abgestimmt werden müssen. Baralt findet deshalb, dass selbst eine auffällige Erinnerung auf einer Werbetafel gerechtfertigt sein kann, wenn die Reise dadurch tatsächlich stattfindet.
Humorvolle Botschaften mit ernstem Hintergrund
Die New Yorker Komikerin Grace Reiter, die als Sprecherin der KAYAK-Kampagne auftrat, kennt das Problem ebenfalls. Seit mehreren Monaten versuchte sie, mit einer Gruppe von sieben Freunden einen gemeinsamen Aufenthalt in einer Hütte außerhalb New Yorks zu organisieren.
Nach ihrer Erfahrung sind vor allem die Terminfindung und die unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten schwierig. Hinzu kommen verschiedene Vorstellungen darüber, wohin die Reise gehen und was vor Ort unternommen werden soll.
Die veröffentlichten Reisebotschaften anderer Freundesgruppen zeigten ihr, dass viele Menschen vor denselben Herausforderungen stehen. Sie bezeichnete die Aktion als humorvoll und sympathisch. Gleichzeitig vermittelte sie den Angesprochenen eine klare Botschaft: Die Freunde warten auf eine Entscheidung.
Praktische Tipps für die Planung einer Gruppenreise
Zuerst einen verbindlichen Termin festlegen
Bevor über Hotels, Ausflüge oder Restaurants gesprochen wird, sollte sich die Gruppe auf einen Reisezeitraum einigen. Alle Beteiligten tragen den Termin verbindlich in ihre Kalender ein. Sobald die Reisetage feststehen, lassen sich die weiteren Entscheidungen leichter treffen.
Nicht jede Entscheidung gemeinsam treffen
Eine Gruppenreise bedeutet nicht zwangsläufig, dass alle Reisenden im selben Hotel oder Ferienhaus wohnen müssen. Baralts Freundeskreis entschied sich auf Bali für unterschiedliche Unterkünfte. Dadurch musste sich die gesamte Gruppe nicht auf ein gemeinsames Hotel und ein einheitliches Budget einigen.
Verantwortlichkeiten verteilen
Eine Person kann sich um die Flüge kümmern, eine andere um Unterkünfte und eine dritte um mögliche Aktivitäten. So bleibt die Arbeit nicht an einem einzigen Mitglied der Gruppe hängen.
Klare Preisgrenzen vereinbaren
Noch vor der Buchung sollte offen darüber gesprochen werden, wie viel die einzelnen Teilnehmer ausgeben können und möchten. Ein vorher festgelegter finanzieller Rahmen verhindert unangenehme Situationen und endlose Diskussionen.
Digitale Planungshilfen verwenden
Gemeinsame Kalender, Abstimmungswerkzeuge und Reiseplattformen können bei der Suche nach geeigneten Terminen, Flügen und Unterkünften helfen. KAYAK bietet beispielsweise eine Funktion für Gruppenreisen an, mit der sich beliebte Reiseziele sowie passende Flug- und Hotelangebote vergleichen lassen.
Die Geschichte von Manuel Baralt und Georgia zeigt jedenfalls: Manchmal braucht eine Gruppenreise nur einen kleinen Anstoß. Und wenn eine gewöhnliche Nachricht im Gruppenchat nicht mehr ausreicht, hilft offenbar gelegentlich auch eine riesige Werbetafel mitten auf dem Times Square.
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