Ein Rave soll ein Ort sein, an dem Menschen für ein paar Stunden den Alltag vergessen. Musik, Lichter, Begegnungen – und das Gefühl, einfach frei sein zu können.
In Aarau endete eine solche Nacht mit Schüssen.
Eine 22-jährige Frau kam ums Leben, fünf weitere Menschen im Alter zwischen 24 und 27 Jahren wurden teils schwer verletzt. Ein oder mehrere Täter eröffneten am frühen Sonntagmorgen das Feuer auf dem Gelände einer Pferderennbahn. Wer geschossen hat und warum, ist weiterhin unklar.
Die Polizei steht damit vor einem schwierigen Rätsel. Die Spurensicherung läuft, die Fahndung ebenso. Nach Angaben der Kantonspolizei Aargau ist bislang weder bekannt, wie viele Täter beteiligt waren, noch wohin sie flüchteten. Auch über ein mögliches Motiv gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse.
Fest steht lediglich, dass eine größere Zahl von Schüssen gefallen sein muss.
Besonders bedrückend sind die Schilderungen der Menschen, die dabei waren. Einige hielten die ersten Schüsse offenbar noch für Feuerwerk. Erst als jemand „Alle runter!“ rief, wurde klar, dass etwas Schreckliches geschah. Besucher versteckten sich unter anderem unter einem DJ-Pult.
Noch wenige Minuten zuvor hatten dort Menschen getanzt.
Dann ging es plötzlich nicht mehr darum, den nächsten Beat zu hören, sondern irgendwo Deckung zu finden.
Die Veranstaltung war zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend beendet. Gerade deshalb prüfen die Ermittler auch, ob möglicherweise eine Auseinandersetzung eskaliert sein könnte. Für einen gezielten Anschlag gebe es nach dem derzeitigen Ermittlungsstand keine eindeutigen Hinweise. Vieles bleibt offen.
Auch über die Schweiz hinaus ist die Anteilnahme groß. Bei der getöteten jungen Frau handelt es sich nach Angaben der italienischen Regierung um eine Italienerin mit Wohnsitz in der Schweiz. Zwei weitere italienische Staatsbürger wurden leicht verletzt. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sprach der Familie ihr Beileid aus.
Vielleicht bringt der Satz eines DJs der Veranstaltung am deutlichsten zum Ausdruck, was nach dieser Nacht zurückbleibt.
Techno und Raves sollten Orte der Freiheit und der Sicherheit sein.
Genau deshalb erschüttert das Geschehene so sehr.
Wo eigentlich gemeinsam getanzt werden sollte, liegen nun Blumen. Wo Musik war, suchen Ermittler nach Patronenhülsen, Bildern und Videos. Und während die Polizei versucht herauszufinden, wer verantwortlich ist, versuchen andere Menschen vermutlich erst einmal zu begreifen, was sie erlebt haben.
Eine Antwort auf das „Warum?“ gibt es noch nicht.
Für die Familie der jungen Frau, die nicht mehr nach Hause kommen wird, dürfte selbst eine spätere Antwort kaum ausreichen.
Denn manche Nächte enden – und für die Menschen, die sie erlebt haben, sind sie trotzdem noch lange nicht vorbei.
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