Früher stellte man sich die Nachwuchssuche beim Bundesnachrichtendienst ungefähr so vor: dunkler Raum, noch dunklerer Anzug, geheimnisvoller Herr mit Aktenkoffer und der Frage: „Können Sie schweigen?“
Heute steht der BND auf der Gamescom in Köln.
Zwischen Gaming-PCs, Cosplay und Menschen, die seit acht Stunden von Energydrinks leben, sucht Deutschlands Auslandsgeheimdienst nach den Spionen von morgen.
Und irgendwie ergibt das sogar Sinn.
Der BND hat sein eigenes Computerspiel mitgebracht, bei dem Besucher ihre Fähigkeiten beim Hacken und Programmieren ausprobieren können. Anschließend darf man sogar mit echten BND-Mitarbeitern sprechen.
Wobei vermutlich schon hier die erste Geheimdienstregel gilt:
Wenn jemand sagt: „Ich arbeite beim BND“, lautet die korrekte Antwort wahrscheinlich nicht: „Cool! Was genau machst du da?“
Gamer und Geheimagenten – offenbar gar nicht so verschieden
Die Begründung des BND für den Gamescom-Auftritt ist herrlich logisch: Gamer seien technikbegeistert, schlüpften gerne in andere Rollen und lösten Missionen.
Und genau das mache schließlich auch der Bundesnachrichtendienst.
Na dann.
Wer also jahrelang um drei Uhr morgens virtuelle Festungen infiltriert, kryptische Rätsel gelöst und seinem Team über das Headset zugerufen hat: „Links! LINKS! DER KOMMT VON LINKS!“, besitzt offenbar zumindest erste berufliche Grundlagen.
Natürlich besteht der BND-Alltag vermutlich nicht daraus, mit Nachtsichtgerät über Dächer zu springen.
Bei rund 6.800 Beschäftigten braucht der Nachrichtendienst schließlich nicht nur Agenten, sondern auch IT-Spezialisten, Analysten und zahlreiche andere Fachkräfte. Die großen Standorte befinden sich in Berlin und Pullach bei München.
Aber „Komm zum BND und analysiere acht Stunden Daten“ klingt auf der Gamescom vermutlich etwas weniger aufregend als:
„Deine nächste Mission beginnt jetzt.“
Berufsbild: BND-Agent – James Bond mit Reisekostenabrechnung
Berufsbezeichnung:
Mitarbeiter beim Bundesnachrichtendienst. „Geheimagent“ darf man vermutlich privat sagen, solange die Mutter nicht anschließend jedem beim Bäcker davon erzählt.
Arbeitsort:
Berlin, Pullach – oder irgendwo, über das man besser nicht redet.
Typische Aufgaben:
Informationen sammeln, Daten analysieren, Cyberangriffe erkennen, internationale Entwicklungen beobachten und anschließend Berichte verfassen, die hoffentlich jemand liest, bevor etwas passiert.
Wichtige Fähigkeiten:
Man sollte technisch fit sein, analytisch denken können und Geheimnisse für sich behalten. Wer bereits beim Weihnachtsessen nach zehn Minuten verrät, wer wen beim Wichteln gezogen hat, könnte ungeeignet sein.
Dresscode:
Entgegen aller Filme vermutlich nicht zwingend schwarzer Anzug, Sonnenbrille und Knopf im Ohr. Im IT-Bereich könnte auch der Kapuzenpulli durchgehen.
Arbeitsmittel:
Computer, Datenbanken, Kommunikationstechnik und vermutlich sehr viele Passwörter. „Passwort123“ dürfte eher kritisch gesehen werden.
Karrierevorteil für Gamer:
Geduld, taktisches Denken, technisches Verständnis und die Bereitschaft, eine Mission auch nach dem 17. Fehlversuch noch einmal zu starten.
Größter Nachteil des Berufs:
Auf die Frage „Und, was war heute auf Arbeit?“ lautet die Antwort möglicherweise regelmäßig:
„Kann ich dir nicht sagen.“
Größter Vorteil:
Wenn auf einer Familienfeier jemand fragt, was man beruflich macht, reicht ein leicht geheimnisvoller Blick.
Fazit: Der BND sucht Nachwuchs dort, wo Menschen ohnehin gerne Missionen erfüllen, Codes knacken und virtuelle Welten retten.
Eigentlich fehlt auf der Gamescom nur noch ein Schild:
„Bundesnachrichtendienst – Bewerbung bitte. Lebenslauf optional. Highscore hilfreich.“
Kommentar hinterlassen