Wenn aus einer „harten Konfrontation“ plötzlich ein Comedy-Duo wird
Es gibt politische Krisen. Es gibt Kommunikationspannen. Und dann gibt es die besondere Disziplin, ein Foto zu erklären, bevor jemand das Video gesehen hat.
Genau das scheint CDU-Fraktionschef Guido Heuer in Sachsen-Anhalt passiert zu sein.
Ausgangspunkt war ein Foto, auf dem Heuer und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund verdächtig entspannt nebeneinander stehen. Für viele CDU-Strategen offenbar ungefähr so angenehm wie ein Grillfest bei den Grünen mit Dieselgenerator.
Also musste eine Erklärung her.
Die Szene sei keineswegs freundschaftlich gewesen, hieß es. Keine Verbrüderung. Keine Harmonie. Keine Gemeinsamkeit. Stattdessen habe eine harte politische Auseinandersetzung stattgefunden. Praktisch ein demokratisches Duell auf höchstem Niveau.
Blöd nur, dass anschließend ein Video auftauchte.
Und das zeigt ungefähr die gleiche Dynamik wie zwei Kollegen auf einer Weihnachtsfeier, die sich gerade gegenseitig die Pointe eines Witzes zuspielen.
Da wird gelacht.
Da wird gemeinsam ein Mikrofon gehalten.
Da werden Scherze gemacht.
Und vor allem sieht niemand so aus, als würde er gerade eine politische Feindschaft ausleben.
Im Gegenteil.
Wer das Video ohne Ton sieht, könnte denken, die beiden diskutieren darüber, wer die nächste Runde bezahlt.
Besonders unglücklich wird die Geschichte dadurch, dass einige der später geschilderten Aussagen in den Aufnahmen gar nicht zu hören sind. Das macht die Sache kommunikativ ungefähr so elegant wie einen Rückpass direkt ins eigene Tor.
Für die CDU ist das alles deshalb unerquicklich, weil sie seit Jahren versucht, jede Nähe zur AfD möglichst glaubwürdig auszuschließen.
Und dann kommt ein Video daher, das aussieht wie die Pilotfolge von „Zwei Politiker, ein Mikrofon“.
Der eigentliche Gewinner des Tages ist deshalb nicht die CDU.
Auch nicht die AfD.
Sondern das Internet.
Denn dort gilt bekanntlich die eiserne Regel:
Fotos kann man erklären.
Videos sind deutlich nachtragender.
Und so dürfte man sich in manchen CDU-Kreisverbänden erneut fragen, warum man politische Eigentore inzwischen offenbar in Serie produziert.
Die AfD muss in solchen Fällen oft gar nichts tun.
Manchmal reicht es völlig, wenn der politische Gegner erklärt, was angeblich passiert ist – und anschließend die Videoaufzeichnung auftaucht.
Ergebnis des Tages:
CDU 0,
Video 1.
Und in den sozialen Medien rechnet man bereits wieder:
„Und wieder 2 Prozent für die AfD.“
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