Erst große Ankündigung, dann große Geste, dann große Absage:
US-Präsident Donald Trump hat die geplante Pakistan-Reise seiner Chef-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner kurzerhand gestoppt. Oder, diplomatisch formuliert: Der Mann im Weißen Haus hat festgestellt, dass 18 Stunden Flugzeit zu viel sind, wenn am Ende womöglich tatsächlich geredet werden müsste.
Währenddessen hat Irans Außenminister Abbas Araghtschi nach Gesprächen in Islamabad bereits wieder den Rückflug angetreten. Die Friedensmission wirkte damit ungefähr so nachhaltig wie ein Gratis-WLAN im Flughafenterminal.
Trump spart Kerosin – und vielleicht auch Nerven
Laut einem Bericht von Fox News soll Trump persönlich durchgegeben haben, dass Witkoff und Schwiegersohn Kushner zwar quasi schon mit gepackten Koffern dastanden – aber dann doch lieber zu Hause bleiben dürfen.
Sein sinngemäßes Motto:
Warum 18 Stunden fliegen, wenn man sich auch einfach aus Washington wichtig machen kann?
Trump soll erklärt haben, die USA hätten „alle Trümpfe in der Hand“ – was bei ihm traditionell bedeutet:
Man reist nicht an, man wartet darauf, dass die anderen anrufen.
Am besten mit gesenktem Kopf.
Und bitte pünktlich.
Kushner wieder außen vor – Nahost 2.0 vertagt
Besonders pikant: Mit Jared Kushner wäre ausgerechnet wieder der Schwiegersohn auf Mission gegangen – jenes familieninterne Universalwerkzeug, das in Trumps Welt wahlweise Immobilien, Diplomatie oder Weltfrieden erledigen soll.
Diesmal allerdings offenbar nicht.
Stattdessen hieß es aus dem Trump-Lager sinngemäß:
„Ihr fliegt nirgendwo hin, nur um dort rumzusitzen und über Belanglosigkeiten zu reden.“
Das muss man erst mal schaffen:
Eine internationale Krisendiplomatie als Zeitverschwendung abzutun – und dabei trotzdem so klingen, als sei man der Einzige im Raum mit einem Plan.
Iranischer Außenminister: Kommt, redet, fliegt wieder heim
Auch auf iranischer Seite lief es nicht gerade nach dem Motto „historischer Durchbruch“.
Außenminister Abbas Araghtschi traf sich in Islamabad mit Pakistans Premier Shehbaz Sharif und Armeechef Asim Munir – also mit den Vermittlern, nicht mit den Amerikanern.
Danach: Abreise.
Das Ergebnis lässt sich ungefähr so zusammenfassen:
- Der Iran redet mit Pakistan.
- Die USA reden über eine Reise.
- Trump sagt die Reise ab.
- Alle reden trotzdem weiter von Gesprächen.
Wer jetzt noch durchblickt, ist entweder Diplomat oder fabuliert.
„Niemand weiß, wer das Sagen hat“ – sagt ausgerechnet Trump
Kurz nach der Absage meldete sich Trump noch auf Truth Social zu Wort und erklärte, im iranischen Regime herrschten „enorme interne Streitigkeiten und Verwirrung“.
Sein Fazit:
„Niemand weiß, wer das Sagen hat – nicht einmal sie selbst.“
Ein bemerkenswerter Satz.
Vor allem, wenn er von einem Präsidenten kommt, der morgens Verhandler losschickt, mittags zurückpfeift und abends erklärt, genau das sei Teil eines genialen Plans gewesen.
Pakistan vermittelt – und darf dabei zusehen
Pakistan versucht derweil weiterhin, im Hintergrund zwischen Washington und Teheran zu vermitteln.
Das Land hat damit aktuell die undankbare Rolle des internationalen Krisen-Callcenters:
- Iran bringt Forderungen vorbei,
- die USA schicken erst Delegierte,
- dann doch nicht,
- und am Ende fliegt einer nach Hause, bevor der andere überhaupt losgeflogen ist.
Wenn das Diplomatie sein soll, dann war der Check-in vermutlich der konstruktivste Teil des Tages.
Keine Maximalforderungen – aber maximal viel Theater
Der Iran ließ über Diplomaten immerhin wissen, man werde „keine Maximalforderungen“ akzeptieren.
Das klingt vernünftig – solange man übersieht, dass aktuell offenbar schon die Organisation eines Treffens an maximalen politischen Egos scheitert.
Auch die gegenseitigen Darstellungen bleiben wie gewohnt widersprüchlich:
- Das Weiße Haus spricht von Chancen.
- Teheran dementiert direkte Gespräche.
- Trump sagt alles ab.
- Fox News vermeldet den großen Führungsentscheid.
- Und am Ende sitzt Islamabad da wie ein Gastgeber, dessen Gäste sich im Flur beleidigt verabschieden.
Fazit: Viel Lärm um sehr wenig Landung
Unterm Strich bleibt von diesem diplomatischen Wochenende vor allem eines übrig:
ein abgesagter Langstreckenflug, ein abgereister Außenminister und ein weiterer Beweis, dass Krisendiplomatie im Trump-Stil oft wie Reality-TV mit Jetlag wirkt.
Oder anders gesagt:
- Kushner durfte nicht fliegen.
- Witkoff durfte nicht fliegen.
- Araghtschi ist schon wieder weg.
- Und der Frieden? Der hat offenbar auch seinen Anschlussflug verpasst.
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