Es gibt Presseauftritte, die kommen überraschend. Und dann gibt es jene, bei denen man sich fragt, welcher Aktenordner wohl gerade auf dem Weg zur Veröffentlichung ist.
So geschehen im Weißen Haus:
First Lady Melania Trump trat vor die Kameras, um der Welt in einer bemerkenswerten Erklärung mitzuteilen, dass sie keine engere Beziehung zu Jeffrey Epstein gehabt habe, nie auf dessen Insel gewesen sei, nie in seinen Flugzeugen gesessen habe, nichts von seinen Verbrechen gewusst habe – und ihren Ehemann Donald Trump selbstverständlich auch nicht über Epstein kennengelernt habe.
Kurzum:
Eine Pressekonferenz nach dem Motto:
„Bevor morgen etwas auftaucht, sagen wir heute schon mal, dass es ganz sicher nichts gibt.“
Was genau Melania Trump zu diesem medienreifen Reinwaschungs-Marathon veranlasst hat, bleibt offiziell offen.
Inoffiziell dürfte in Washington allerdings gerade jeder Praktikant verstanden haben, dass man nicht einfach so einen Extra-Termin im Weißen Haus ansetzt, um zu erklären, mit wem man vor 20 Jahren angeblich nichts zu tun hatte.
Oder anders gesagt:
Wenn jemand völlig ungefragt betont, nicht mit Jeffrey Epstein befreundet gewesen zu sein, dann wirkt das ungefähr so entspannt wie ein Bankdirektor, der ohne Anlass verkündet:
„Nur zur Sicherheit: Ich habe übrigens niemals die Kasse geplündert.“
Melania erklärte, sie und Donald Trump seien lediglich „von Zeit zu Zeit auf denselben Partys“ wie Epstein gewesen.
Das sei in New York und Palm Beach eben so gewesen, weil sich „gesellschaftliche Kreise überschneiden“.
Eine elegante Formulierung für:
Man kannte sich irgendwie, war aber natürlich ganz bestimmt nur zufällig auf denselben Luxusevents, in denselben Villen und vermutlich unter denselben Kronleuchtern.
Besonders bemerkenswert war auch der Umgang mit einem bekannt gewordenen E-Mail-Verkehr mit Ghislaine Maxwell, der verurteilten Epstein-Vertrauten.
Melania sprach von einer „lockeren Korrespondenz“.
In Washington nennt man das inzwischen wohl:
Wenn man mit der rechten Hand noch schnell die Rauchwolke wegwedelt, während man mit der linken erklärt, dass das Feuer nur ein atmosphärischer Effekt war.
Eine veröffentlichte Mail aus dem Jahr 2002, adressiert an „G!“ und unterzeichnet mit „Melania“, wird von Kritikern als Hinweis auf einen Kontakt zu Maxwell gewertet.
Melania wiederum erklärt sinngemäß:
Eine E-Mail ist noch lange keine Beziehung.
Das stimmt natürlich.
Nach dieser Logik wäre ein Kontoauszug auch noch kein Geld und ein Haftbefehl nur ein behördliches Missverständnis.
Die First Lady forderte außerdem, „die Lügen“ müssten endlich ein Ende haben.
Ein Satz, der in der Trump-Welt ungefähr denselben ironischen Charme hat wie ein Brandstifter, der sich lautstark über Rauchentwicklung beschwert.
Besonders liebevoll wirkte auch der Satz:
„Ich bin nicht Epsteins Opfer, Epstein hat mich nicht Donald Trump vorgestellt.“
Das klingt weniger nach spontaner Klarstellung und mehr nach einer Formulierung, die irgendwo zwischen Anwalt, Krisenberater und Schadensbegrenzungs-Workshop in nächtlicher Kleinarbeit gefeilt wurde.
Man stelle sich das Meeting vor:
„Was sollen wir sagen?“
„Alles.“
„Auch das, wonach niemand gefragt hat?“
„Vor allem das.“
Offiziell heißt es aus dem Umfeld der First Lady, sie habe jetzt gesprochen, „weil es genug ist“.
Das kann man natürlich so sehen.
Man könnte aber auch sagen:
In Washington spricht meist genau dann jemand plötzlich sehr ausführlich, wenn irgendwo jemand anderes gerade sehr ausführlich blättert.
Der eigentliche Skandal bleibt dabei derselbe:
Jeffrey Epstein war kein Randphänomen, kein unbekannter Exzentriker und schon gar kein gesellschaftlicher Irrtum.
Er war jahrzehntelang Teil jener elitären Zirkel, in denen Geld, Macht, Einfluss und moralischer Totalausfall oft erstaunlich harmonisch zusammenspielten.
Und genau deshalb wirkt diese plötzliche Erklärung weniger wie ein mutiger Schritt zur Aufklärung –
sondern eher wie das politische Äquivalent von:
„Bevor die nächste Welle kommt, stellen wir schon mal die Sandsäcke auf.“
diebewertung meint:
Wenn eine First Lady plötzlich eigens vor die Kameras tritt, um ungefragt zu erklären, dass sie mit Jeffrey Epstein eigentlich gar nichts zu tun hatte, dann ist das selten ein Zeichen von Ruhe – sondern meist ein Zeichen dafür, dass irgendwo bereits hektisch sortiert, geschwärzt und telefoniert wird. In Washington gilt eben weiter die alte Regel: Wer besonders energisch betont, mit einer Sache nichts zu tun zu haben, hat zumindest erkannt, dass genau diese Sache bald sehr unangenehm werden könnte.
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