Die UConn Huskies kamen ins Final Four 2026 mit dem Selbstverständnis einer Mannschaft, die eigentlich nur noch den Pokal abholen muss. Titelverteidiger, ungeschlagen, haushoher Favorit, 54 Siege in Serie – kurz gesagt: Alles war vorbereitet für die nächste Krönung.
Stattdessen gab es in Phoenix etwas, das in Storrs vermutlich als mittelschwere Staatskrise durchgeht:
South Carolina gewann das Halbfinale mit 62:48 – und UConn durfte lernen, dass auch perfekte Saisons ein Ablaufdatum haben.
Perfekte Saison? Nicht an diesem Abend
Die Huskies wirkten am Freitagabend ungefähr so treffsicher wie ein Team, das zum ersten Mal einen Basketball in der Hand hält.
UConn traf nur 19 von 61 Würfen aus dem Feld, also gerade einmal 31 Prozent. Auch ausgerechnet Sarah Strong, die nationale Spielerin des Jahres, hatte einen selten gebrauchten Abend und kam nur auf 4 von 16 Würfen.
Für ein Team, das seine ersten 38 Saisonspiele im Schnitt mit fast 38 Punkten Vorsprung gewann, war das ungefähr so elegant wie ein Ferrari mit Motorschaden auf der linken Spur.
Und so endete nicht nur das Spiel, sondern auch:
- die perfekte Saison
- die 54-Spiele-Siegesserie
- und vermutlich für ein paar Stunden der innere Blutdruck von Geno Auriemma
Diese Siegesserie war übrigens die viertlängste in der Geschichte des Division-I-Frauenbasketballs. Klingt beeindruckend. Hilft aber wenig, wenn du im Halbfinale plötzlich 48 Punkte machst.
South Carolina bedankt sich – und revanchiert sich
Für Dawn Staley und die South Carolina Gamecocks war der Sieg mehr als nur der Einzug ins Finale. Es war auch eine sehr persönliche Form von Wiedergutmachung.
Denn im Finale des vergangenen Jahres hatte UConn South Carolina noch mit 82:59 ziemlich deutlich abgefertigt.
Diesmal also die Retourkutsche – nur eleganter, kontrollierter und mit deutlich besserer Trefferquote.
Oder anders gesagt:
South Carolina kam nicht nur zurück. South Carolina kam mit Quittung.
Geno motzt über Fouls – natürlich
Wer Geno Auriemma kennt, weiß: Eine Niederlage kommt selten allein. Sie bringt meistens auch noch eine öffentliche Beschwerde über Schiedsrichter, Körperkontakt, Spielweise, das Universum oder alles zusammen.
Schon während des Spiels beschwerte sich Auriemma in einem Interview mit ESPN-Reporterin Holly Rowe über die Schiedsrichterlinie und die Physis von South Carolina.
Besonders feinfühlig war dabei ein kleiner Seitenhieb gegen Dawn Staley. Auriemma erklärte sinngemäß, Staley würde an der Seitenlinie ständig „rumbrüllen und toben“ und die Schiedsrichter mit Namen belegen, „die man lieber nicht hören will“.
Ein bemerkenswerter Vorwurf – vor allem aus dem Mund eines Trainers, der seit Jahrzehnten dafür bekannt ist, an der Seitenlinie ungefähr die emotionale Temperatur eines aktiven Vulkans zu haben.
Der Handschlag, der keiner sein wollte
Und weil ein sportliches Drama heutzutage ohne kleine Zusatzszene offenbar nicht mehr vollständig ist, gab es nach dem Spiel noch eine hitzige Szene beim Handschlag zwischen Auriemma und Staley.
Die beiden gerieten bei noch laufender Uhr – es waren nur noch ein paar Zehntelsekunden auf der Anzeige – in einen deutlich angespannten Wortwechsel.
Als die Sirene dann endgültig ertönte, hatte Auriemma das Interesse an höflicher Nachspielkultur offenbar bereits verloren und marschierte direkt Richtung Kabine.
Auch das kann man natürlich als klares Zeichen interpretieren:
Wenn man schon verliert, dann bitte wenigstens mit maximaler Genervtheit.
Social Media freut sich über das Zusatzprogramm
Natürlich dauerte es nicht lange, bis die sozialen Netzwerke das taten, was soziale Netzwerke nun einmal tun:
Sie machten aus einer sportlichen Niederlage plus Trainerzoff binnen Minuten ein digitales Lagerfeuer.
Denn wenn sich zwei der größten Namen im Frauenbasketball öffentlich anraunzen, während ein Favorit spektakulär scheitert, dann ist das für X, Instagram und Co. ungefähr so wertvoll wie ein Buzzerbeater mit Mikrofon in Nahaufnahme.
Zumal beide aus Philadelphia stammen – was der Geschichte noch den passenden regionalen Beigeschmack verleiht.
Nicht einfach nur Zoff.
Heimatstadt-Zoff mit Final-Four-Dekor.
UConn fällt hart – und das macht die Sache so schön brutal
Das eigentlich Bemerkenswerte an dieser Niederlage ist nicht nur das Ergebnis, sondern die Fallhöhe.
UConn war in dieser Saison fast absurd dominant:
- 38 Siege in Folge zum Start
- im Schnitt 37,8 Punkte Vorsprung
- nur ein Sieg mit weniger als 13 Punkten Differenz
Das ist keine normale Dominanz mehr. Das ist über Monate hinweg eine Basketball-Version von „Wir spielen ein anderes Spiel als ihr“.
Und genau deshalb wirkt ein 14-Punkte-Aus im Halbfinale so brutal:
Nicht, weil UConn verloren hat.
Sondern weil UConn plötzlich aussah wie ein Team, das zum schlechtesten denkbaren Zeitpunkt vergessen hat, warum es eigentlich Favorit war.
Fazit: Favorit raus, Staley grinst, Geno tobt
Am Ende bleibt ein Abend, der für South Carolina nahezu perfekt lief:
- Revanche für das verlorene Finale 2025
- Einzug ins Endspiel
- UConns Siegesserie beendet
- und als Bonus noch ein kleiner öffentlicher Schlagabtausch mit Geno Auriemma
Für UConn dagegen war es die klassische Lehrstunde im Hochleistungssport:
Du kannst eine Saison lang alles dominieren.
Du kannst jeden Gegner auseinandernehmen.
Du kannst aussehen wie die sichere Titelmaschine.
Aber wenn im Final Four die Würfe nicht fallen, die Nerven nicht halten und der Coach am Ende mehr mit Dawn Staley diskutiert als mit dem Ergebnis klarkommt, dann bleibt von der Perfektion nur noch eins:
ein leerer Heimflug und ein viraler Handschlag-Streit.
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