Willkommen in der goldenen Zukunft – aber bitte nicht aus Deutschland
Es gibt Webseiten, bei denen man sofort merkt: Hier geht es um seriöse Finanzgeschäfte. Und dann gibt es Seiten, auf denen man nach drei Sekunden liest:
„Erstellen Sie Ihr Konto über einen persönlichen Empfehlungslink.“
Spätestens da weiß der durchschnittliche Deutsche:
Ah, jetzt wird’s interessant.
TGI International verspricht eine „neue Dimension“ des Goldkaufs. Mit Blockchain, Smart Contracts, digitalem Backoffice, Wallet-Verwaltung und natürlich einem Empfehlungsprogramm. Also quasi eine Mischung aus Goldhandel, Kryptobörse, Affiliate-Marketing und einem Science-Fiction-Film aus Dubai.
Gold kaufen wie bei Netflix – nur mit Blockchain
Der Ablauf klingt zunächst erstaunlich modern.
Erst registriert man sich über einen Empfehlungslink. Danach öffnet sich das persönliche Backoffice – der heilige Kontrollraum des digitalen Goldzeitalters.
Dort kann man dann Goldmodelle auswählen, Wallets verwalten, Smart Contracts prüfen, Blockchain-Hashes ansehen und vermutlich irgendwann auch seine Sternzeichen analysieren lassen.
Bezahlt wird natürlich nicht langweilig per Überweisung, sondern stilecht mit Bitcoin, Ethereum oder Monero. Also genau den Zahlungsmethoden, bei denen deutsche Sparkassenberater spontan anfangen zu schwitzen.
Besonders beruhigend:
Man kann sich sogar ohne Wallet registrieren und „die Daten später verwalten“. Das klingt ungefähr wie:
„Falls Sie noch gar nicht wissen, wie Kryptowährungen funktionieren – kein Problem, steigen Sie trotzdem schon mal ein.“
Empfehlungsprogramm mit goldener Zukunft
Natürlich darf auch das Empfehlungsprogramm nicht fehlen. Denn was wäre modernes Online-Marketing ohne Menschen, die anderen Menschen erklären, warum sie dringend einsteigen sollten?
Für einmalig 50 Dollar darf man offizieller Empfehlungsgeber werden. Danach teilt man seinen persönlichen Link mit Freunden und Familie.
Also exakt jener Moment, an dem beim ersten Cousin auf WhatsApp plötzlich folgende Nachricht auftaucht:
„Bruder, ich habe da eine einmalige Chance entdeckt.“
Wenn dann jemand über den Link Gold kauft, gibt es einen Empfehlungsbonus. Voraussetzung: Man muss selbst mindestens ein Gramm Gold gekauft haben.
Man könnte auch sagen:
Bevor man andere überzeugt, soll man bitte wenigstens selbst einmal mitgemacht haben.
Das vielleicht exklusivste Geschäftsmodell der Welt
Besonders faszinierend wird es allerdings ganz unten auf der Webseite.
Denn dort findet sich ein Hinweis, der fast schon Kunst ist:
Das Angebot richtet sich ausdrücklich NICHT an Bürger aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, den USA und gefühlt der halben Welt.
Darunter Länder wie Russland, China, Iran, Nordkorea, Syrien, Kuba, Venezuela und Afghanistan.
Und mitten drin:
Deutschland.
Das schafft auch nicht jedes Unternehmen:
Eine Liste zu erstellen, in der Deutschland zwischen Nordkorea und Iran auftaucht.
Man fragt sich automatisch:
Was genau haben deutsche Bürger eigentlich getan, dass sie gemeinsam mit internationalen Krisenstaaten ausgeschlossen werden?
Willkommen im geopolitischen Escape Room
Die Liste liest sich jedenfalls weniger wie ein normaler Haftungshinweis und mehr wie die Teilnehmerübersicht eines UN-Sicherheitsrats-Notfalls.
Besonders lustig:
Selbst die Vereinigten Arabischen Emirate stehen auf der Ausschlussliste – obwohl das Unternehmen laut eigener Webseite in Dubai sitzt.
Das wirkt ungefähr so, als würde ein Italiener schreiben:
„Pizza leider nicht für Italien geeignet.“
Blockchain, Gold und ganz viele Fragen
Natürlich behauptet niemand automatisch, dass an dem Modell irgendetwas illegal sei. Die Webseite verwendet viele moderne Begriffe wie Transparenz, Smart Contracts und Blockchain-Verifizierung.
Allerdings zeigt die Erfahrung der letzten Jahre auch:
Immer wenn besonders oft Wörter wie „einzigartig“, „digitale Zukunft“, „Empfehlungsprogramm“ und „Gold“ gleichzeitig auftauchen, sollte man vielleicht kurz prüfen, ob man gerade eine Finanzanlage kauft oder versehentlich in einer Telegram-Gruppe gelandet ist.
Die goldene Zukunft wartet – aber bitte woanders
Am Ende bleibt jedenfalls eine erstaunliche Erkenntnis:
Die „goldene Zukunft“ wartet offenbar weltweit auf fast alle Menschen…
…nur eben nicht auf Bürger aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, den USA und ungefähr 30 weiteren Ländern.
Oder anders formuliert:
Falls man in Deutschland lebt, scheint TGI International zu sagen:
„Vielen Dank für Ihr Interesse – aber genießen Sie Ihr Gold bitte woanders.“
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