US-Präsident Donald Trump setzt bei politischen Konflikten und Verhandlungen häufig auf ein bekanntes Muster: Er beginnt mit maximalen Forderungen, drastischen Drohungen und öffentlichkeitswirksamen Angriffen. Später akzeptiert er jedoch oft Vereinbarungen, die deutlich hinter seinen ursprünglichen Ansprüchen zurückbleiben.
Diese Strategie zieht sich durch Trumps Außen-, Handels- und Rechtspolitik. Ob im Konflikt mit dem Iran, bei den Verhandlungen mit China oder in milliardenschweren Klagen gegen Medienunternehmen – der Präsident erhöht zunächst den Druck, bevor er seine Position abschwächt und selbst begrenzte Ergebnisse als großen Erfolg präsentiert.
Trump beschrieb diese Methode bereits 1987 in seinem Buch „The Art of the Deal“. Darin erklärte er, bei Verhandlungen bewusst möglichst viel zu verlangen. Selbst wenn seine Forderungen später reduziert würden, könne das Ergebnis noch immer vorteilhaft sein. Er verglich dieses Vorgehen mit einem Pokerspiel, bei dem beide Seiten bluffen müssten.
Vom Vernichtungsversprechen zum Lob für den Iran
Besonders deutlich zeigt sich Trumps wechselnde Rhetorik im Umgang mit dem Iran. Zu Beginn des Konflikts forderte er eine bedingungslose Kapitulation und drohte, das Land militärisch zu vernichten. In sozialen Medien schrieb er unter anderem, Iran werde in die „Steinzeit“ zurückgebombt.
Nach wochenlangen Angriffen unterzeichneten Vertreter der USA und des Iran Mitte Juni jedoch eine vorläufige Vereinbarung. Diese sollte die Bombardierungen und die amerikanische Blockade iranischer Häfen beenden sowie die Straße von Hormus wieder für die Handelsschifffahrt öffnen. Im Gegenzug verpflichtete sich Teheran, keine Atomwaffen zu entwickeln.
Nach der Einigung bezeichnete Trump die iranische Führung plötzlich als sehr intelligent und lobte ihre Verhandlungskompetenz. Als Iran später erneut Handelsschiffe in der Meerenge angriff, wechselte der Präsident wieder zu scharfen Beschimpfungen und neuen Drohungen.
Die widersprüchlichen Aussagen zeigen Trumps Versuch, seine Gegner zugleich einzuschüchtern und zu Verhandlungen zu bewegen. Kritiker warnen jedoch, dass diese Unberechenbarkeit das Vertrauen in mögliche Vereinbarungen schwächen könne.
Auch gegenüber China zunächst maximale Härte
Ein ähnliches Vorgehen war bei den Handelsverhandlungen mit China zu beobachten. Trump drohte zeitweise mit Zöllen von bis zu 157 Prozent auf chinesische Waren und bezeichnete Pekings Verhalten als außergewöhnlich aggressiv und feindselig.
Während der anschließenden Gespräche wurden die geplanten Zölle jedoch mehrfach verschoben, reduziert oder zurückgenommen. Nach einem Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping sprach Trump von einer sehr freundlichen Begegnung und einem guten Abkommen zwischen zwei mächtigen Staaten.
Trotz der späteren Abschwächung blieb die Belastung durch die Zölle deutlich höher als vor Trumps zweiter Amtszeit. Nach Angaben von Wirtschaftsexperten liegt der durchschnittliche US-Zollsatz inzwischen bei rund neun Prozent. Im Jahr 2024 hatte er noch etwa 2,5 Prozent betragen.
Damit erzielt Trumps Strategie trotz der Rückzüge konkrete Ergebnisse. Der Präsident setzt zunächst eine extreme Forderung in den Raum, wodurch eine spätere, weniger drastische Maßnahme vergleichsweise moderat erscheint.
Wirtschaftsexperten sehen darin eine bewusst inszenierte Verhandlungstaktik. Trump bringe andere Beteiligte zunächst dazu, mit dem Schlimmsten zu rechnen. Wenn dieses Szenario anschließend nicht eintrete, entstehe Erleichterung – selbst wenn die tatsächliche Vereinbarung für die Betroffenen noch immer nachteilig sei.
Vorwürfe gegen China später relativiert
Auch beim Thema Wahlbeeinflussung änderte Trump innerhalb weniger Tage seine Tonlage. Mitte Juli veröffentlichte seine Regierung freigegebene Geheimdienstdokumente und warf China vor, die US-Präsidentschaftswahl 2020 beeinflusst zu haben.
Trump behauptete, China habe Millionen von Wählerdaten gestohlen und amerikanische Wirtschaftsvertreter sowie Journalisten gegen ihn mobilisiert. Wahlfachleute wiesen allerdings darauf hin, dass viele der genannten Daten von den Bundesstaaten regulär verkauft würden.
Wenige Tage später relativierte Trump die Vorwürfe. Auf mögliche Konsequenzen für China angesprochen, erklärte er, beide Länder würden sich gegenseitig beeinflussen. Es handle sich nicht um eine einseitige Angelegenheit.
Niederlagen vor dem Obersten Gericht heruntergespielt
Das Muster zeigt sich auch bei juristischen Auseinandersetzungen. Vor wichtigen Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs stellte Trump mögliche Niederlagen regelmäßig als existenzielle Bedrohung für die Vereinigten Staaten dar.
Im Verfahren um seine Zollpolitik warnte er, eine Entscheidung gegen ihn könne die größte Gefahr für die nationale Sicherheit in der Geschichte des Landes darstellen. Nachdem das Gericht seine Position zurückgewiesen hatte, erklärte Trump jedoch, es gebe andere rechtliche Möglichkeiten zur Einführung von Zöllen.
Ähnlich reagierte er beim Streit über das automatische Geburtsrecht auf die US-Staatsbürgerschaft. Vor dem Urteil bezeichnete Trump die geltende Regelung als untragbar. Nach seiner Niederlage erklärte er, der Kongress könne das Problem durch ein neues Gesetz lösen. Gleichzeitig hob er eine andere Gerichtsentscheidung hervor, die aus seiner Sicht bedeutender gewesen sei.
Milliardenforderungen enden mit Millionenvergleichen
Auch bei Klagen gegen Medienunternehmen verlangt Trump zunächst oft Milliardenbeträge. Die späteren Vergleiche liegen allerdings regelmäßig bei einem Bruchteil der geforderten Summe.
Nach einer Klage gegen den Sender ABC wegen einer ungenauen Äußerung über das Zivilverfahren der Autorin E. Jean Carroll erhielt Trumps geplante Präsidentenbibliothek 15 Millionen Dollar. Eine weitere Million Dollar wurde für Anwaltskosten gezahlt.
In einem Verfahren gegen den CBS-Mutterkonzern Paramount hatte Trump zehn Milliarden Dollar verlangt. Der Streit endete mit einem Vergleich über 16 Millionen Dollar.
Gemessen an den ursprünglichen Forderungen sind diese Summen gering. Dennoch bewerten Rechtsexperten die Einigungen als bemerkenswerte Erfolge für Trump. Die Medienunternehmen hätten die Verfahren beendet, bevor die Vorwürfe vollständig gerichtlich geprüft worden seien. Dahinter könne auch die Sorge stehen, sich mit einem amtierenden Präsidenten anzulegen.
Weitere Milliardenklagen gegen das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“ sind noch nicht entschieden.
Streit um Trumps Steuerdaten
Trump und seine Familie verklagten außerdem die US-Steuerbehörde IRS auf zehn Milliarden Dollar. Hintergrund war die Weitergabe ihrer Steuererklärungen durch einen früheren Auftragnehmer an Medien.
Im Mai wurde eine Vereinbarung erzielt, nach der die Steuerbehörde Trump wegen früherer Steuerverpflichtungen nicht mehr prüfen sollte. Ursprünglich war außerdem ein milliardenschwerer Fonds für Menschen vorgesehen, gegen die das Justizministerium ermittelt hatte. Dieser Teil wurde nach öffentlicher Kritik zurückgezogen.
Eine Bundesrichterin kritisierte das Verfahren scharf. Ihrer Einschätzung nach diente die Klage nicht in erster Linie dem Schutz von Rechten, sondern der Beeinflussung des Justizsystems.
Risiko für die Verlässlichkeit der USA
Trumps Vorgehen kann kurzfristig erfolgreich sein. Hohe Drohungen schaffen Verhandlungsspielraum, während kleinere Zugeständnisse anschließend als Sieg verkauft werden können. Gleichzeitig bleibt der Präsident flexibel und vermeidet es, sich vollständig auf eine einzige Position festzulegen.
In der Außenpolitik birgt diese Strategie jedoch besondere Risiken. Trumps Bereitschaft, überraschend von Drohungen zu Verhandlungen zu wechseln, kann Gegner verunsichern. Sie kann aber auch Zweifel daran wecken, ob die Vereinigten Staaten geschlossene Vereinbarungen dauerhaft einhalten werden.
Trita Parsi vom Quincy Institute for Responsible Statecraft sieht in Trumps Offenheit für direkte Gespräche mit Gegnern durchaus eine Chance. Gleichzeitig mache seine Unberechenbarkeit andere Regierungen vorsichtig. Verhandlungspartner könnten fürchten, dass Trump nach einer Einigung erneut seine Haltung ändere.
Trump selbst warnte in seinem Buch davor, bei jeder Verhandlung ausschließlich auf den größtmöglichen Erfolg zu setzen. Wer bei jedem Versuch einen „Home Run“ erzielen wolle, riskiere häufig zu scheitern. Manchmal müsse man sich mit einem kleineren Ergebnis zufriedengeben.
Genau diese Haltung prägt offenbar weiterhin seine Politik: zuerst maximale Forderungen, dann ein begrenzter Abschluss – der anschließend als außergewöhnlicher Erfolg präsentiert wird.
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