Die Aussicht auf ein mögliches Abkommen zwischen den USA und dem Iran hat die Märkte kurzzeitig beruhigt und Hoffnungen auf ein Ende des Kriegs im Golf geweckt. Doch nur wenige Stunden nach optimistischen Signalen aus Washington sorgte US-Präsident Donald Trump selbst erneut für Zweifel.
Zunächst hatte Trump erklärt, die Marineoperation „Project Freedom“ in der Straße von Hormus vorübergehend auszusetzen, um den laufenden Verhandlungen mit Teheran Raum zu geben. Auf seiner Plattform Truth Social sprach er von Fortschritten hin zu einem „vollständigen und endgültigen Abkommen“. Medienberichte über ein mögliches Einigungspapier zwischen beiden Staaten ließen daraufhin die Ölpreise sinken und die Börsen steigen.
Doch schon am nächsten Morgen änderte Trump seinen Ton deutlich. Ein Abkommen sei „eine große Annahme“, erklärte er. Sollte der Iran nicht zustimmen, würden die Bombardierungen „mit deutlich höherer Intensität“ wieder aufgenommen.
Zuvor hatten US-Medien berichtet, Washington und Teheran näherten sich einem einseitigen Memorandum mit 14 Punkten an. Dieses solle die Kampfhandlungen beenden und eine 30-tägige Verhandlungsphase über die Wiederöffnung der Straße von Hormus, Sanktionserleichterungen und das iranische Atomprogramm einleiten.
Der Iran bestätigte lediglich, den Vorschlag zu prüfen. Gleichzeitig bezeichnete der iranische Parlamentarier Ebrahim Rezaei die veröffentlichten Inhalte als amerikanische „Wunschliste“. Teheran sei weiterhin „abzugsbereit“, falls Washington keine ausreichenden Zugeständnisse mache.
Auch innerhalb der US-Regierung scheint Skepsis zu herrschen. Laut dem Nachrichtenportal Axios bezweifeln mehrere Beamte, ob die verschiedenen Machtzentren im Iran einem solchen Abkommen überhaupt zustimmen würden.
Außenpolitische Experten mahnen ebenfalls zur Vorsicht. Grant Rumley vom Washington Institute erklärte, man habe ähnliche Hoffnungen bereits mehrfach erlebt – oft seien Verhandlungen erst in letzter Minute gescheitert. Tatsächlich hatte Trump schon im April behauptet, der Iran habe praktisch allen Forderungen zugestimmt. Teheran wies dies damals umgehend zurück.
Hinzu kommt die unklare Lage rund um „Project Freedom“. Die US-Mission zur Eskorte von Schiffen durch die Straße von Hormus zeigte offenbar kaum Wirkung. Nur wenige Schiffe nutzten den militärischen Schutz, viele Reedereien hielten ihre Tanker weiterhin zurück. Gleichzeitig reagierte der Iran mit Angriffen auf Schiffe und Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Experten sehen darin ein weiteres Zeichen für die erratische Politik der Trump-Regierung. Entscheidungen würden häufig spontan getroffen, ohne klaren strategischen Prozess. Selbst im Fall eines kurzfristigen Memorandums dürfte ein umfassendes Abkommen daher noch in weiter Ferne liegen.
Kommentar hinterlassen