Magdeburg – Sachsen-Anhalt entwickelt sich langsam zur größten Selbsthilfegruppe frustrierter Altparteienstrategen. Vier Monate vor der Landtagswahl liegt die AfD laut neuer Umfrage bei stolzen 41 Prozent – und irgendwo in den Parteizentralen von CDU, SPD, Grünen und FDP wird vermutlich bereits hektisch die nächste „Brandmauer-Konferenz“ vorbereitet.
Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze kommt nur noch auf 26 Prozent. Ein Wert, mit dem man früher in der Union den Kreisvorsitz freiwillig abgegeben hätte. Heute reicht es immerhin noch für betretene Gesichter in den Talkshows und den Satz: „Wir müssen die Menschen besser erreichen.“
Besonders bitter: Die AfD legt sogar weiter zu. Offenbar hat die jahrelange Strategie, Millionen Wähler pauschal moralisch zu therapieren, nicht ganz den gewünschten Effekt gehabt. Wer hätte das ahnen können?
Die Grünen landen bei vier Prozent und kämpfen damit ungefähr auf Augenhöhe mit einem durchschnittlichen Kleingartenverein um den Wiedereinzug in den Landtag. Die FDP wiederum wird gar nicht mehr ausgewiesen – vermutlich aus Rücksicht auf den Datenschutz.
Regierungsbildung? Ein demokratisches Escape-Room-Spiel. Mit der AfD will offiziell niemand koalieren, mit der Linken auch nicht, also bleibt als Königsdisziplin vermutlich wieder eine Minderheitsregierung, die sich durchs Parlament tastet wie ein WLAN-Signal im Funkloch.
Besonders faszinierend ist allerdings die politische Kommunikation: Während 82 Prozent der Bürger angeben, kaum noch Vertrauen in den Staat zu haben, reagieren große Teile der etablierten Parteien weiterhin mit Geschäftsordnungsdebatten, Empörungsschablonen und der Hoffnung, dass sich die Realität irgendwann den Pressemitteilungen anpasst.
Migration bleibt laut Umfrage das wichtigste Thema. Direkt dahinter folgen Bildung und Wirtschaft. Überraschend ist das nicht. Überraschend ist eher, dass man in Berlin noch immer so tut, als hätten die Menschen hauptsächlich Sorgen wegen zu wenig Gendersternchen im Amtsblatt.
31 Prozent der Befragten trauen inzwischen ausgerechnet der AfD am ehesten zu, die Probleme zu lösen. Für die übrigen Parteien dürfte das ungefähr so angenehm sein wie ein Veganer-Grillfest neben einer Steakmeisterschaft.
Und so blickt die Republik gespannt nach Sachsen-Anhalt. Vielleicht wird dort bald Geschichte geschrieben. Oder zumindest die nächste große Runde politischer Schnappatmung eröffnet.
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