Mit PR-Aktionen und Wahlkampfauftritten trommelt Präsident Donald Trump für neue Steuererleichterungen, die er im vergangenen Jahr durch den Kongress gebracht hat. Doch Umfragen zeigen: Ein großer Teil der Bevölkerung nimmt die Entlastungen kaum als Verbesserung wahr – oder findet trotz der Reform weiterhin, die Steuerlast sei zu hoch. Der Streit um die politische Deutung der Maßnahmen dürfte damit zu einem Schlüsselthema der Zwischenwahlen 2026 werden, bei denen Trumps Republikaner ihre knappen Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat verteidigen müssen.
Trump stellte die Reform zuletzt als spürbares Plus für „jeden Amerikaner“ dar und warnte, ein Machtwechsel im Kongress könne die Steuerregeln wieder kippen. Um Aufmerksamkeit zu erzeugen, setzte das Weiße Haus auf symbolträchtige Bilder: Unter anderem ließ Trump eine Essenslieferung ins Oval Office inszenieren, um die neue Absetzbarkeit von Trinkgeldern zu bewerben.
Finanzminister Scott Bessent spricht von einem „fantastischen Steuerjahr“ und „Rekord-Rückerstattungen“. Nach Angaben des Ministeriums hätten bis Mitte April rund 53 Millionen Steuerzahler – etwa 45% der bisherigen Einreicher – mindestens einen von vier neuen Abzügen genutzt. Dazu gehören: steuerfreie Trinkgelder bis zu 25.000 Dollar im Jahr, steuerlich begünstigte Überstunden bis zu 12.500 Dollar, der Abzug von Kreditzinsen für Autokäufe (bei US-gefertigten Fahrzeugen) sowie eine erweiterte Begünstigung bei Sozialversicherungsleistungen.
Bessent bezifferte den durchschnittlichen Vorteil aus diesen vier Bausteinen auf rund 800 Dollar; die durchschnittliche Rückerstattung habe bei über 3.400 Dollar gelegen. Besonders groß sei der Effekt bei Senioren gewesen: Rund 30 Millionen ältere Steuerzahler hätten die Sozialversicherungs-Entlastung genutzt – im Schnitt im Wert von 7.500 Dollar. Etwa 25 Millionen hätten Überstunden abgesetzt (durchschnittlich 3.100 Dollar), knapp 6 Millionen Trinkgelder (durchschnittlich 7.100 Dollar) und mehr als 1 Million den Autokredit-Zinsabzug (durchschnittlich 1.800 Dollar).
Trotz dieser Zahlen ist die Stimmung laut Umfragen kühl. In einer Fox-News-Erhebung sagten Ende März 70% der registrierten Wähler, ihre Steuern seien zu hoch – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Gallup fand Anfang März 59% mit derselben Einschätzung, Pew Research berichtete im Januar, 60% zahlten „mehr als ihren fairen Anteil“. Eine Zusammenfassung mehrerer Umfragen zeigte zudem zuletzt mehr Ablehnung als Zustimmung zum Gesamtpaket.
Politikwissenschaftler verweisen auf einen einfachen Grund: Hohe Lebenshaltungskosten und Inflation überlagern kleine bis mittlere Steuerentlastungen. Demokraten greifen genau das auf. Sie argumentieren, Preissteigerungen bei Benzin, Lebensmitteln und Energie hätten mögliche Vorteile „aufgefressen“, und kritisieren, das Paket entlaste zugleich große Unternehmen erheblich. Für die Republikaner ist das Risiko klar: Wenn die Reform nicht als Entlastung „ankommt“, könnte sie 2026 zum politischen Ballast werden.
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