Ein Familienausflug nach New York sollte den Schulabschluss des 18-jährigen Romanch Mahajan feiern. Stattdessen endete die Reise in einer Tragödie, die in den USA eine neue Debatte über die umstrittenen Pferdekutschen im Central Park ausgelöst hat.
Nach Angaben der Behörden und Berichten der „New York Times“ kam der junge Tourist aus Indien am 17. Juni ums Leben, nachdem eine Pferdekutsche außer Kontrolle geraten war. Der Teenager soll versucht haben, seiner Mutter zu helfen, als diese aus der fahrenden Kutsche stürzte.
Pferd ging plötzlich durch
Der Vorfall ereignete sich in der Nähe von Cherry Hill, einem beliebten Aussichtspunkt im Central Park. Nach Angaben des Vaters hatte der Kutscher die Kutsche kurz verlassen, um ein Foto der Familie aufzunehmen. In diesem Moment soll das Pferd aus bislang ungeklärten Gründen durchgegangen sein.
Während die Kutsche beschleunigte, stürzte die Mutter des Jugendlichen aus dem Fahrzeug. Romanch Mahajan sprang offenbar hinterher, um ihr zu helfen. Beide wurden auf die Fahrbahn geschleudert.
Der Vater schilderte die dramatischen Sekunden später gegenüber US-Medien. Die Familie habe verzweifelt um Hilfe gerufen, während die Kutsche unkontrolliert weiterfuhr.
Der 18-Jährige erlitt bei dem Sturz schwere Kopfverletzungen. Wenig später prallte die außer Kontrolle geratene Kutsche gegen eine weitere Pferdekutsche. Beide Pferde gingen zu Boden, die Kutsche kippte um.
Während Vater, Mutter und der jüngere Bruder mit vergleichsweise leichten Verletzungen davonkamen, starb Romanch Mahajan an den Folgen des Unfalls.
Branche unter Schock
Die Gewerkschaft der Kutscher sprach von einem beispiellosen Ereignis. Nach ihren Angaben handelt es sich vermutlich um den ersten tödlichen Unfall dieser Art in der Geschichte der Pferdekutschen im Central Park.
Der Fahrer habe gegen bestehende Sicherheitsregeln verstoßen, indem er die Kutsche verlassen habe. Kutscher dürften ihre Pferde nicht unbeaufsichtigt zurücklassen.
Die Betreiber reagierten unmittelbar. Der Fahrer wurde suspendiert, das beteiligte Pferd soll aus dem Dienst genommen werden. Zudem wurden die Ställe vorübergehend geschlossen.
„Wir sind erschüttert und fassungslos“, erklärte die Gewerkschaft. Man wolle sämtliche Sicherheitsvorschriften überprüfen und mögliche Verbesserungen diskutieren.
Neue Debatte über Pferdekutschen
Der tödliche Unfall hat die seit Jahren schwelende Diskussion über Pferdekutschen im Central Park erneut angeheizt.
Tierschutzorganisationen, Parkverantwortliche und mehrere Kommunalpolitiker fordern seit Langem ein Ende der traditionellen Kutschfahrten. Sie verweisen auf Sicherheitsrisiken für Menschen und Tiere.
Erst wenige Tage vor dem Unglück war ein 16 Jahre altes Kutschpferd namens Deniz gestorben. Nach Angaben der Central Park Conservancy war dies bereits der achte pferdebezogene Zwischenfall innerhalb von 13 Monaten.
Die Organisation erneuerte nach dem Tod des Jugendlichen ihre Forderung nach einem Verbot der Pferdekutschen.
„Ein junger Mensch kam in unseren Park, um ihn zu genießen, und verlor dabei sein Leben“, erklärte die Parkverwaltung. „Das darf nicht der Preis für eine überholte Touristenattraktion sein.“
Stadtrat will handeln
Der Fall erhöht nun den politischen Druck auf die Stadt New York. Im Juli soll sich der Stadtrat mit dem sogenannten „Ryder’s Law“ befassen. Das Gesetzesvorhaben sieht ein Verbot von Pferdekutschen im Central Park vor und soll zugleich alternative Beschäftigungsmöglichkeiten für betroffene Kutscher schaffen.
Für die Familie Mahajan kommt jede politische Debatte zu spät.
Was als Feier eines erreichten Lebensziels begann, endete mit einem Verlust, der weit über die Grenzen New Yorks hinaus betroffen macht. Der Vater brachte seine Trauer in einem Satz auf den Punkt:
„Dieser Vorfall hat meinem Sohn seinen Traum genommen.“
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