Manchmal gibt es Bauprojekte, bei denen man sich fragt, ob die Verantwortlichen vorher einen Eimer Farbe oder einen Eimer Optimismus geöffnet haben.
In Washington sorgt derzeit ausgerechnet das berühmte Wasserbecken vor dem Lincoln Memorial für Schlagzeilen. Jenes ikonische Spiegelbecken, in dem sich seit Jahrzehnten Denkmäler, Touristen und gelegentlich auch die amerikanische Politik spiegeln, wurde für rund 16 Millionen Dollar saniert. Das Ergebnis erinnert aktuell allerdings eher an ein misslungenes Heimwerkerprojekt am verlängerten Wochenende.
US-Präsident Donald Trump hatte im Frühjahr angekündigt, den Reflecting Pool auf Hochglanz bringen zu wollen. Beschwerden über Algen, Undichtigkeiten und jährlich 60 Millionen Liter Wasserverlust sollten endlich der Vergangenheit angehören.
Der Plan klang einfach: Sandstrahlen, abdichten, neu beschichten und alles in einem patriotischen Farbton namens „American Flag Blue“ erstrahlen lassen.
Was sollte da schon schiefgehen?
Nun, offenbar einiges.
Denn nur kurze Zeit nach Abschluss der Arbeiten zeigen neue Fotos bereits abblätternde Farbe. Teile der dunkelblauen Beschichtung lösen sich vom Beckenboden und treiben gemütlich an die Wasseroberfläche. Die Algen, die eigentlich verschwinden sollten, feiern derweil offenbar eine Wiedereröffnungsparty und färben große Teile des Wassers weiterhin grün.
Arbeiter wurden sogar dabei beobachtet, Wasserstoffperoxid in das Becken zu kippen – ein Vorgang, der normalerweise eher bei Friseuren als bei Nationaldenkmälern üblich ist.
Die zuständige Parkverwaltung schweigt bislang zu den Bildern. Vielleicht sucht man noch nach einer Erklärung, warum ein frisch renoviertes Denkmal aussieht, als hätte jemand einen Farbeimer in einen Gartenteich geworfen.
Besonders pikant: Von den 16 Millionen Dollar entfielen über 14 Millionen allein auf die neue Beschichtung. Für diesen Preis hätten vermutlich einige Amerikaner erwartet, dass sich Abraham Lincoln künftig in kristallklarem Wasser spiegelt und nicht in einer Mischung aus Algensuppe und abblätterndem Marineblau.
Die ursprüngliche Begründung für die neue Farbe war übrigens, dass dunkles Blau die Spiegelwirkung verbessern sollte.
Das funktioniert offenbar hervorragend. Der Pool spiegelt derzeit vor allem die Risiken wider, wenn Politiker zu viel Wert auf Optik und zu wenig auf Physik legen.
Immerhin hat das Projekt bereits einen Erfolg erzielt: Ganz Amerika spricht wieder über den Reflecting Pool.
Allerdings vermutlich anders, als die Planer es sich vorgestellt hatten. Lincoln dürfte von seinem Denkmal aus jedenfalls mit stoischer Gelassenheit auf das Geschehen blicken und denken:
„Vier Punkte für die Idee. Minus zwölf für die Umsetzung.“
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