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TGI wirbt trotz Ermittlungen weiter um Kundengelder

geralt (CC0), Pixabay
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Nach Ermittlungen wegen des Verdachts auf schweren gewerbsmäßigen Betrug und Geldwäsche präsentiert der Liechtensteiner Goldhändler neue Produkte und internationale Geschäftsmodelle. Die Angebote bleiben jedoch erklärungsbedürftig – während Aufsichtsbehörden die Rückzahlung bereits angenommener Gelder angeordnet haben.

Der Goldhändler TGI AG steht weiterhin unter erheblichem Druck. Rund einen Monat vor Erscheinen des zugrunde liegenden Berichts hatte die liechtensteinische Staatsanwaltschaft die Geschäftsräume des Unternehmens in Vaduz durchsucht. Ermittelt wurde wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen schweren Betrug sowie wegen eines möglichen Geldwäscheverstoßes. Eine strafrechtliche Verurteilung lag dem Artikel zufolge nicht vor. Zugleich meldeten sich erste Kundinnen und Kunden beim „Liechtensteiner Vaterland“ und erklärten, sie fühlten sich durch die Geschäfte des Unternehmens geschädigt.

Trotz der Ermittlungen versucht TGI offenbar, den Geschäftsbetrieb fortzuführen und neue Einnahmen zu erzielen. Im Mittelpunkt steht ein Goldangebot mit einem sogenannten Sofortrabatt von sieben Prozent. Kundinnen und Kunden sollen das Edelmetall zu einem entsprechend reduzierten Preis erwerben können. Die Auslieferung werde innerhalb von acht Wochen versprochen. Alternativ könne das Gold dem Unternehmen monatlich zum Rückkauf angeboten werden.

Nach Einschätzung des „Vaterland“ könnte die Gestaltung des Angebots darauf abzielen, eine Einstufung als erlaubnispflichtiges Einlagengeschäft zu vermeiden. Sowohl die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein als auch die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hatten zuvor einen Großteil der TGI-Angebote untersagt. Die BaFin ordnete demnach an, das ohne Erlaubnis betriebene Einlagengeschäft einzustellen, abzuwickeln und bereits angenommene Gelder unverzüglich zurückzuzahlen.

Groß angelegte Onlinewerbung

Gleichzeitig bewirbt TGI sein Goldmodell weiterhin intensiv. Zweimal pro Woche sollen Videokonferenzen mit zeitweise bis zu 1.000 Teilnehmern stattfinden. Um Interessenten außerhalb des bisherigen Kernmarkts zu erreichen, würden die Veranstaltungen mittlerweile in zahlreiche europäische Sprachen übersetzt.

In wöchentlichen Livestreams treten Unternehmensinhaber Helmut Kaltenegger und Marketingmanager Manuel Ried auf. Nach Darstellung des Berichts wurden ihre Erklärungen zu den wirtschaftlichen Aktivitäten des Unternehmens zuletzt jedoch zunehmend schwer nachvollziehbar.

Besonders häufig war dabei von einer großvolumigen Anleihe die Rede. Je nach Darstellung soll sie einen Umfang von 430 oder 750 Millionen haben und gemeinsam mit einer malaysischen Investmentbank aufgelegt werden. Konkrete Angaben zu Laufzeit, Verzinsung, rechtlicher Struktur oder möglichen Sicherheiten seien in den Präsentationen allerdings nicht nachvollziehbar erläutert worden. Kaltenegger habe zudem selbst eingeräumt, die Funktionsweise eines Bonds nicht vollständig erklären zu können.

TGI stellt die angebliche Anleihe als zusätzliche Absicherung für Kunden dar. Ihr Wert soll sich aus Goldbeständen, Minenbeteiligungen und weiteren Vermögenswerten zusammensetzen. Nach den wiedergegebenen Aussagen könne dieses Vermögen bei Liquiditätsbedarf monetarisiert und über Investoren finanziert werden. Welche Gesellschaften oder Vermögenswerte konkret eingebracht werden sollen und wie deren Bewertung zustande kommt, bleibt im Artikel jedoch offen.

Neues Modell über Dubai

Parallel zu den Aktivitäten in Liechtenstein tritt das Unternehmen unter der Bezeichnung „TGI International“ auch von Dubai aus auf. Über deutschsprachige Videokonferenzen sollen neue Kunden und Vermittler angeworben werden.

TGI weist demnach formal darauf hin, dass sich die Angebote nicht an Personen aus der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum richten. Nach Angaben des „Vaterland“ wurden deutschsprachige Interessenten dennoch von Vermittlern kontaktiert. Dabei sei erklärt worden, ein Kauf aus dem EU-Raum sei offiziell zwar nicht erlaubt, lasse sich praktisch jedoch kaum kontrollieren.

Die Bezahlung soll ausschließlich mit der Kryptowährung USDT auf der BNB-Smart-Chain erfolgen. Eine solche Zahlungsweise kann grenzüberschreitende Geldströme ermöglichen, erschwert für Kunden aber auch die Rückabwicklung und die rechtliche Durchsetzung von Ansprüchen. Der Artikel beschreibt das Dubai-Modell deshalb als weiteren Versuch, neue Einnahmequellen außerhalb der bisherigen regulatorischen Beschränkungen zu erschließen.

Gewinne durch schnellen Goldhandel versprochen

Das Unternehmen begründet den angebotenen Rabatt mit angeblichen Gewinnen aus dem physischen Goldhandel. Kaltenegger schilderte demnach ein Modell, bei dem sogenannte Doré-Barren unterhalb des Londoner Referenzpreises eingekauft und anschließend mit Gewinn weiterverkauft würden.

Durch die mehrfache Wiederholung solcher Geschäfte innerhalb eines Monats sollen Renditen entstehen, aus denen sowohl Kundenrabatte als auch Vermittlungsprovisionen finanziert werden könnten. TGI stellte dabei beispielhafte monatliche Gewinne von bis zu 15 Prozent in Aussicht. Nachweise über tatsächlich abgeschlossene Lieferverträge, konkrete Handelspartner oder realisierte Margen werden in dem Bericht jedoch nicht genannt.

Auch Beteiligungen an Goldminen sollen Teil des Modells sein. TGI erklärt, Minenbetreibern durch größere Abnahmemengen die Finanzierung zusätzlicher Maschinen und einer höheren Produktion zu ermöglichen. Im Gegenzug soll das Unternehmen Beteiligungen oder monatliche Vergütungen erhalten.

Dabei beruft sich TGI auf die Differenz zwischen den angeblichen Produktionskosten einer Mine und dem aktuellen Goldpreis. Wie die Beteiligungen rechtlich ausgestaltet sind, welche Minen konkret betroffen sind und ob unabhängige Bewertungen vorliegen, geht aus dem Artikel nicht hervor.

Viele Versprechen, wenig überprüfbare Details

Der zentrale Widerspruch bleibt bestehen: Während Ermittlungsbehörden und Finanzaufsichten das bisherige Geschäftsmodell untersuchen beziehungsweise dessen Abwicklung angeordnet haben, wirbt TGI weiter mit Rabatten, Goldgeschäften, Minenbeteiligungen, Kryptowährungszahlungen und einer angeblich mehrere hundert Millionen schweren Anleihe.

Die wirtschaftlichen Erklärungen des Unternehmens enthalten zahlreiche große Zahlen und weitreichende Versprechen. Belastbare Einzelheiten zu Vertragspartnern, Zahlungsströmen, Sicherheiten und tatsächlichen Vermögenswerten bleiben nach Darstellung des „Liechtensteiner Vaterland“ jedoch weitgehend aus.

Für bestehende und potenzielle Kunden entsteht damit eine schwierige Situation: Einerseits präsentiert TGI seine neuen Angebote als sicher und durch reale Goldwerte gedeckt. Andererseits laufen strafrechtliche Ermittlungen, und die zuständigen Aufsichtsbehörden haben bereits die Einstellung und Rückabwicklung wesentlicher Geschäfte verlangt.

Bis zur Klärung der Vorwürfe und zur Vorlage nachvollziehbarer Nachweise bleiben die neuen Modelle deshalb mit erheblichen rechtlichen und wirtschaftlichen Unsicherheiten verbunden.

11 Kommentare

  • Die reale Deckung des Kunden durch Goldwerte ist in der Vertragsnovation und den neuen Geschäftsmodellen definitiv Geschichte. Die entsprechenden Punkte wurden aus den Verträgen sowie den AGB gestrichen.

    Kundenaussagen zufolge gibt es vermehrt Probleme beim ansprechen neuer Interessenten. No na

    Und die Interessenten sowie die Fragen an den Referenten (Q&A) in den Calls haben sich vorige Woche bereits um 50- 70% verringert. Mit dem Neukundengeschäft wird die TGI mE. nicht (über)leben können.

    • Werden wir sehen lieber Stefan….

      Die Calls finden wöchentlich mehrfach statt, es gab auch vorher nicht mehr Leute in den Calls. Punkto, neue Partner muss ich Dich enttäuschen. Dies sieht man beim eröffnen der Partnernummer (TGI ID) wie auch Bestellnummern. Alles halb so tragisch, aber lassen wir dich in deinem Glauben und deinem ganzen Aufwand. 👌

      • Lieber Özi,

        sorry, aber deine Aussagen stimmen so schlicht nicht.

        Die Calls waren montags regelmäßig mit rund 700 bis über 1.000 Personen besucht, donnerstags – mittlerweile freitags – mit etwa 500 bis 700 Teilnehmern. Auch die Fragerunden waren durchgehend sehr gut besucht und keineswegs nur mit ein bis acht Personen.

        Und nein: Ein normal denkender Mensch investiert nicht einfach in ein Geschäftsmodell, vor dem Aufsichtsbehörden warnen und zu dem staatsanwaltschaftliche Ermittlungen laufen. Heute googelt praktisch jeder vorher oder lässt sich die Unterlagen von einer KI analysieren. Wenn im Raum steht, dass im schlimmsten Fall ein Totalverlust droht, sind einem die versprochenen 2 % monatlich ziemlich schnell egal.

        Aber lebt ruhig weiter in eurer Bubble – fernab von nachvollziehbarer Logik, belastbaren Zahlen und einfachen wirtschaftlichen Berechnungen.

        • Aussage gegen Aussage….
          Lassen wir Mal so, weil nicht gross relevant.

          Klar, kann man Googeln. Aber eine 1:1 Empfelung hat mehr Gewicht, auch wenn du mir dies natürlich nicht glaubst oder nicht hören willst.

          Leben, und leben lassen. Schönen Abend.

          • Nix „Aussage gegen Aussage“. Ich habe es selbst gesehen und festgehalten. Das ist kein „wäre“, „wenn“ oder „vielleicht“, sondern eine jederzeit belegbare Tatsache.

            Und nein, ein persönliches 1:1-Gespräch hat in diesem Zusammenhang überhaupt keine Relevanz. Ich würde meiner Familie oder meinen Freunden niemals ein Modell empfehlen, vor dem Aufsichtsbehörden derart deutlich warnen und zu dem Ermittlungen laufen. Dafür müsste man sich eher schämen, als es anderen auch noch schmackhaft zu machen.

            Und ja: Eure „Empfehlungsgeber“ haben aktuell genau dieses Problem. Das geht aus den Fragen an Rehbein ganz klar hervor.

            Auch das ist keine Vermutung, sondern eine jederzeit belegbare Tatsache.

          • Das sind diese Art von 1:1 Gesprächen wie sie auch die Verkäufer von Quacksalberei und Scharlatanerieptodukten führen. Aber da kennt Helmut sich ja aus.

          • Zum 1:1-Empfehlungsgeschäft der Kalteneggers noch ein Zitat aus der Zeitschrift „Datum“:
            „Um zu verstehen, wie der eben beschriebene Millionenschaden entstehen kon­­nte, hilft ein Blick in die Ver­trieb­s­karriere von Helmut Kaltenegger, dem Mann hinter GGMT. Sie begann nicht mit Gold, sondern mit Staub­saugern. 20 Jahre lang verkaufte er sie. In den 2010er-Jahren folgten überteuerte­ Kaffeemaschinen, eine hammerfeste Oberflächenbeschichtung für Smartphones und ein Herztrank, der nebenbei potenzfördernd wirken sollte. Die Verträge der Kaffeemaschinen-Käufe wurden von einem Gericht als ­sittenwidrig eingestuft. Das Unternehmen für die Oberflächenbeschichtung endete in einem Konkursverfahren. Der Vertrieb des potenzfördernden Herzmittels findet nur noch in den ­vir­t­uellen Regalen einer Online-Apotheke statt.

            Trotz mehrerer Fehlschläge gründete Kaltenegger gemeinsam mit seiner heutigen Frau im Jahr 2018 schließlich die GGMT.“

      • @Özi
        Du bist herzlich eingeladen jede einzelne meiner Berechnungen zu widerlegen. Aber bitte nur mit Belegen nicht mit weiteren Luftnummern. Rückt halt man eure Lagerstättengutachten raus, sofern welche existieren. Komisch die gibts ja bei anderen Minen auch um die Ertragslage einschätzen zu können.

        Und AISC (All-in Substaining Costs) sind aus der Präsentation wieder zu entfernen. Denn die gelten nur für an der Börse gelistete INDUSTRIEMINEN, also die Giganten der Branche und nicht für Bagger/Waschanlage oder Handbetrieb. Aber schau dir einfach mal im Detail an was Industrieminen von euren Partnern unterscheidet, du wirst staunen.

    • Die deutsche Stiftung Warentest hat ihre Warnung vor der TGI auch erneuert und ergänzt.

      „Gold­kauf mit Rabatt
      Razzia bei Gold­händler TGI“

      „TGI steht seit 2025 auf unserer Warn­liste.“

      „Durch den hohen Bekanntheitsgrad hat die Stiftung mit ihren Bewertungen einen signifikanten Einfluss auf das Kaufverhalten der Verbraucher. Gute Bewertungen der Stiftung Warentest nehmen oft einen prominenten Platz in der Werbung oder auf Verpackungen ein. Andererseits führen schlechte Bewertungen immer wieder zu Absatzeinbrüchen und Schadensersatzklagen durch die Hersteller – nach Angaben der Stiftung durchschnittlich zehnmal jährlich, wobei sie die meisten davon gewonnen hat.“

      https://de.wikipedia.org/wiki/Stiftung_Warentest

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