Weniger als ein Jahr nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe im texanischen Camp Mystic mit 28 Todesopfern sorgt die Regierung des Bundesstaates erneut für Diskussionen: Eine zentrale Sicherheitsvorgabe für Jugend-Ferienlager wird vorerst wieder aufgehoben.
Das texanische Gesundheitsministerium teilte mit, dass die Pflicht zum Einbau durchgehender Glasfaser-Internetverbindungen („end-to-end fiber optic facilities“) vorläufig ausgesetzt wird. Hintergrund ist eine Klage von 19 Camp-Betreibern, die argumentierten, die technischen Anforderungen seien bis zum Beginn der Sommersaison praktisch nicht umsetzbar.
Sicherheitsgesetz nach tödlicher Flut
Die Regelung war erst nach der Flutkatastrophe vom 4. Juli 2025 eingeführt worden. Damals kamen im Camp Mystic und in der Region Kerr County mehr als 130 Menschen ums Leben.
Als Reaktion verabschiedete Texas mehrere neue Sicherheitsgesetze:
- verpflichtende Evakuierungspläne,
- strengere Kontrollen,
- Verbot von Unterkünften in Überschwemmungsgebieten
- sowie redundante Kommunikationssysteme für Notfälle.
Gerade die Glasfaserpflicht galt dabei als zentrales Element, um Camps auch bei Katastrophen erreichbar zu halten.
Wirtschaftliche Interessen gegen Sicherheitsstandards
Nun rudert Texas jedoch zurück. Statt Glasfaserleitungen sollen alternative Internetlösungen ausreichen, sofern Camps „redundante Konnektivität“ gewährleisten.
Kritiker dürften darin vor allem einen Sieg wirtschaftlicher Interessen über konsequenten Katastrophenschutz sehen.
Denn die Betreiber argumentierten offen, dass die neuen Vorgaben ihre Sommersaison gefährden würden. Politiker wie Vizegouverneur Dan Patrick und Parlamentspräsident Dustin Burrows stellten sich demonstrativ hinter die Camp-Industrie.
Die Botschaft wirkt problematisch:
Nur Monate nach einer der tödlichsten Camp-Katastrophen der jüngeren US-Geschichte werden Sicherheitsauflagen bereits wieder aufgeweicht, weil deren Umsetzung unbequem oder teuer erscheint.
Behörden sprechen von „Übergangslösung“
Die texanischen Behörden verteidigen die Entscheidung als pragmatische Zwischenlösung. Familien und Camps sollten ihre Sommerpläne fortsetzen können, während langfristig an einer „realistischen Lösung“ gearbeitet werde.
Doch genau diese Argumentation erinnert Kritiker an frühere Fälle in den USA, in denen Sicherheitsstandards erst nach Katastrophen verschärft – und kurze Zeit später unter politischem oder wirtschaftlichem Druck wieder verwässert wurden.
Die zentrale Frage bleibt:
Wie ernst meint Texas den Schutz von Kindern in Feriencamps wirklich, wenn zentrale Notfall-Infrastruktur bereits ein Jahr nach einer tödlichen Flut wieder zur Verhandlungssache wird?
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