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Teppich von Bayeux erstmals seit fast 1000 Jahren wieder in England

Semevent (CC0), Pixabay
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Der Teppich von Bayeux ist in Großbritannien eingetroffen – zum ersten Mal seit seiner mutmaßlichen Entstehung in England vor beinahe 1000 Jahren. In den frühen Morgenstunden wurde das weltberühmte Kunstwerk unter Polizeischutz aus einem geheimen Ort in Nordfrankreich zum British Museum nach London gebracht.

Um 2.50 Uhr britischer Zeit fuhr der Transporter in eine Ladezone des Museums. Dort wurde die schwere Transportkiste vor ausgewählten Gästen entladen, darunter der französische Botschafter in Großbritannien und der Direktor des British Museum. Ab September soll das Werk dort öffentlich gezeigt werden.

Der rund 70 Meter lange Wandbehang aus dem 11. Jahrhundert zeigt in 58 Szenen die Ereignisse vor der Schlacht von Hastings und der normannischen Eroberung Englands im Jahr 1066. Es war ein historischer Einschnitt, der England dauerhaft veränderte.

Nick Cullinan, Direktor des British Museum, sprach von einem außergewöhnlichen Moment. Der Teppich kehre nach fast einem Jahrtausend erstmals nach England zurück, sagte er. Es sei bemerkenswert, Zeuge dieses Ereignisses zu sein – und noch wichtiger, das Werk nun möglichst vielen Menschen zugänglich machen zu können.

Auch Kuratorin Millie Horton-Insch zeigte sich bewegt. Es möge seltsam klingen, sich über einen rückwärts in eine Laderampe fahrenden Lastwagen und eine Kiste zu freuen, sagte sie. Doch wenn man bedenke, welches Objekt darin liege, wie alt es sei und wie nah seine Entstehung an den dargestellten Ereignissen liege, sei der Augenblick tief berührend.

Die Leihgabe ist auch ein politisches Signal. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete sie als Geste des Vertrauens und als Ausdruck der langjährigen Freundschaft zwischen Frankreich und Großbritannien. Das British Museum projizierte zum Dank das Wort »merci« zusammen mit Motiven des Teppichs auf die weißen Klippen von Dover.

In Frankreich war der Transport allerdings umstritten. Seit der Ankündigung gab es Bedenken, ein so empfindliches und bedeutendes Kulturgut über mehr als 300 Meilen zu bewegen. Eine Petition gegen die Ausleihe sprach sogar von einem »Verbrechen am Kulturerbe«. Auch der Künstler David Hockney hatte vor seinem Tod gewarnt, manche Werke seien zu kostbar, um ein Risiko einzugehen.

Die Verantwortlichen betonen, dass beim Transport nichts dem Zufall überlassen worden sei. Der Teppich befand sich auf einem klappbaren Träger, auf dem er bereits seit seiner Abnahme in Bayeux im vergangenen Jahr gelagert wird. Dieser Träger wurde in eine klimatisierte Kiste gesetzt, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit reguliert. Die Kiste wiederum wurde in einen äußeren Schutzrahmen eingefasst, dessen Metallfedern Stöße abfangen sollten.

Der Weg führte durch den Eurotunnel und anschließend nachts weiter nach Zentral-London. Zuvor hatten die Teams zwei Testfahrten mit einer Textilkopie unternommen, um Route, Kiste und Erschütterungen zu überprüfen. Dabei wurden Vibrationen gemessen und mögliche Risiken minimiert.

Museumsdirektor Cullinan sagte, das Werk wäre nicht transportiert worden, wenn die französischen Leihgeber oder Fachleute das Vorhaben für zu riskant gehalten hätten. Kein Museum würde ein Objekt gefährden, das es betreut. Ziel sei, keinerlei Schäden zu verursachen, und man sei zuversichtlich, dass die umfangreichen Vorbereitungen genau dazu dienten.

Auch Peter Ricketts, britischer Sondergesandter für die Leihgabe, zeigte sich erleichtert. Alles Mögliche sei getan worden, um Schäden zu vermeiden. Niemand hätte den Teppich nach Großbritannien bringen wollen, wenn eine Gefahr für dieses außergewöhnliche Objekt bestanden hätte. Die Leihgabe sei ein Moment, in dem zwei alte Nationen gemeinsam auf ihre geteilte Geschichte blickten.

Streng genommen ist der Teppich von Bayeux kein Teppich, sondern eine Stickerei: Auf Leinen wurden mit farbigen Wollfäden Szenen aus dem Machtkampf zwischen Wilhelm, dem Herzog der Normandie und späteren Eroberer Englands, und dem englischen König Harold II. dargestellt.

Das Werk umfasst 58 Szenen, 626 Figuren, 202 Pferde, Schiffe, Schwerter und Pfeile. Besonders berühmt ist die Darstellung eines Soldaten, der als Harold II. gedeutet wird und von einem Pfeil getroffen wird – auch wenn Historiker darüber streiten, ob dieses Detail später hinzugefügt wurde.

Für Horton-Insch ist es ein Wunder, dass das Werk mehr als 900 Jahre überstanden hat. Motten, Mäuse, Feuchtigkeit, Schimmel oder Feuer hätten es jederzeit zerstören können. Gerade deshalb sei sein Erhalt außergewöhnlich. Es erzähle einen der folgenreichsten Momente der englischen Geschichte so anschaulich, wie es schriftliche Quellen allein nicht könnten.

Die normannische Eroberung beendete das angelsächsische England. Ländereien gingen an normannische Adlige, Hunderte Burgen wurden gebaut, um die neue Herrschaft zu sichern, und auch Kirche und Verwaltung wurden umgestaltet. Zahlreiche französische Wörter gelangten in die englische Sprache – von Begriffen aus Recht und Politik bis hin zu Bezeichnungen für Speisen.

Der Teppich bietet zugleich einen einzigartigen Blick auf das mittelalterliche Leben in der Normandie und in England. Er zeigt Architektur, Rüstungen, Seefahrt, Waffen und Alltagsszenen. Vor 1066 war England kulturell und politisch stark auf Skandinavien und die Nordsee ausgerichtet. Nach der Eroberung wurde es Teil eines normannischen Herrschaftsraums über den Ärmelkanal hinweg.

Die neunmonatige Leihgabe wurde von der französischen Regierung unterstützt und im vergangenen Jahr zwischen Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer vereinbart. Das Museum in Bayeux, in dem der Teppich seit 1983 ausgestellt wurde, ist wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

Im Gegenzug leiht das British Museum französischen Einrichtungen bedeutende Objekte, darunter Stücke aus dem Schatz von Sutton Hoo und die Lewis-Schachfiguren aus Walrosselfenbein.

Das Interesse ist enorm. Bereits am ersten Verkaufstag setzte das British Museum nach eigenen Angaben 100.000 Tickets ab – ein Rekord. In London wird der Teppich flach präsentiert, wie es die Bedingungen der Leihgabe verlangen. Eine erhöhte Ebene soll Besuchern erstmals ermöglichen, das Werk beim Betreten der Galerie in seiner gesamten Länge zu überblicken.

Bevor die Ausstellung eröffnet, steht jedoch eine sorgfältige Prüfung an. Restauratoren und Fachleute werden den Teppich nach der Reise wochenlang untersuchen, um sicherzustellen, dass das historische Kunstwerk den Transport unbeschadet überstanden hat.

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