Wer in diesen Tagen an die Zapfsäule fährt, braucht starke Nerven, ein gut gefülltes Konto – und offenbar vor allem viel Geduld. Sehr viel Geduld.
Denn laut US-Energieminister Chris Wright könnten die Benzinpreise möglicherweise erst 2027 wieder so aussehen, dass man beim Tanken nicht automatisch an einen Kleinkredit denken muss.
Oder in Regierungssprache:
„Ganz bald. Vielleicht. Irgendwann. Spätestens übernächstes Jahr. Aber sicher.“
Die gute Nachricht: Es wird billiger.
Die schlechte Nachricht: Nicht für Sie. Nicht jetzt. Vielleicht nie.
Noch vor wenigen Wochen hieß es aus Washington sinngemäß:
Keine Sorge, liebe Autofahrer, die hohen Spritpreise seien nur ein kurzes Missverständnis. Eine kleine Delle. Ein paar Wochen maximal.
Jetzt, mitten in der Reisesaison und mit knapp 4,04 Dollar pro Gallone, klingt das plötzlich eher nach:
„Unter 3 Dollar? Klar. Absolut realistisch.
Nur halt… eventuell nächstes Jahr. Oder 2027. Aber hey – wir glauben fest daran.“
Das ist ungefähr so, als würde dir der Handwerker sagen:
„Die Heizung ist in Kürze repariert.“
Und dann meint er mit „Kürze“: zwei Winter und eine Legislaturperiode.
Aus „Wochen, nicht Monate“ wurde:
„Vielleicht später. Vielleicht nächstes Jahr. Vielleicht das Universum regelt das“
Besonders charmant ist der Rückblick:
- Am 8. März sagte Wright noch: hohe Ölpreise seien ein Problem von „Wochen, nicht Monaten“.
- Jetzt, acht Wochen später, ist das Narrativ:
„Die Preise haben wahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht.“
Wahrscheinlich.
Dieses Wort ist in Krisenzeiten immer herrlich beruhigend.
Fast so beruhigend wie:
- „vorübergehend“
- „unter Kontrolle“
- „wir beobachten die Lage“
- und natürlich der Klassiker:
„Es gibt keinen Grund zur Panik.“
Straße von Hormus dicht, Weltmarkt nervös – aber Hauptsache Optimismus
Der eigentliche Grund für den Tankstellen-Schock ist bekannt:
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist die Straße von Hormus de facto zum geopolitischen Nadelöhr mit Staugarantie geworden.
Vor dem Konflikt liefen dort rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gasflusses durch.
Jetzt hängen Tanker fest, Märkte drehen frei, Energiepreise steigen – und Washington erklärt sinngemäß:
„Sobald sich der Konflikt irgendwie auflöst, wird alles besser.“
Das klingt ein bisschen wie:
„Sobald der Hurrikan vorbei ist, wird das Wetter trockener.“
Unter 3 Dollar? Laut Minister „tremendous“
Besonders liebevoll wird es, wenn Chris Wright Benzinpreise unter 3 Dollar als „pretty tremendous“ bezeichnet.
Also nicht einfach nur günstig.
Nicht normal.
Nicht erreichbar.
Nein:
„Tremendous.“
Mit anderen Worten:
Ein Preis unter 3 Dollar ist inzwischen offenbar kein Marktwert mehr, sondern ein mythisches Wesen, über das man in Regierungskreisen nur noch ehrfürchtig flüstert.
So in etwa:
„Es heißt, einst – in grauer Vorzeit – tankte man für unter 3 Dollar.
Manche sagen, es war während der ersten Trump-Regierung.
Andere halten es für eine Legende.“
Die wahre Botschaft der Regierung
Was bleibt also hängen?
- Die Preise sind hoch.
- Sie sollten längst fallen.
- Sie fallen nicht schnell genug.
- Aber sie könnten fallen.
- Irgendwann.
- Vielleicht.
- Hoffentlich.
- Nach „Lösung des Konflikts“, der zufällig selbst mit ausgelöst wurde.
Kurz gesagt:
Die Regierung verkauft derzeit keine günstigen Spritpreise – sie verkauft Zuversicht in Kanistern.
Fazit:
Tanken bleibt vorerst ein Luxusgut mit Pistole
Amerikaner fahren in den Sommerurlaub, als hätten sie drei Optionen:
- Tanken und weinen
- Zu Hause bleiben
- Auf die nächste Pressekonferenz hoffen
Und falls jemand fragt, wann der Schmerz endet, lautet die offizielle Antwort ungefähr:
„Spätestens 2027. Vielleicht. Wenn alles gut läuft. Und wenn nicht, dann sagen wir einfach wieder: Es sind nur noch ein paar Wochen.“
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