Donald Trump schafft derzeit etwas, das man fast für unmöglich hielt:
Er bringt Demokraten, Republikaner, Ex-Fox-Helden, Verschwörungsgurus und Marjorie Taylor Greene zumindest in einer Frage zusammen –
Ist der Mann eigentlich noch ganz dicht?
Ja, genau: Ausgerechnet in Trumps eigenem Lager wächst plötzlich der Verdacht, dass der Präsident nicht nur politisch eskaliert, sondern womöglich auch mental zunehmend entgleist. Und wenn selbst Leute wie Tucker Carlson, Megyn Kelly, Alex Jones, Candace Owens und Marjorie Taylor Greene anfangen, an der geistigen Verfassung ihres Lieblings-Volkstribuns zu zweifeln, dann ist das ungefähr so, als würde ein Kettenraucher die Luftqualität bemängeln.
Wenn sogar Alex Jones sagt: „Der klingt nicht mehr ganz frisch“
Lange war die Erzählung simpel:
Trump pöbelt, droht, fabuliert, übertreibt, beleidigt – und seine Anhänger nennen das „Stärke“, „Authentizität“ oder „4D-Schach“.
Doch inzwischen kippt die Stimmung selbst im MAGA-Mikrokosmos.
Alex Jones, sonst eher bekannt für Sandkastenverschwörungen auf Weltuntergangsniveau, meint plötzlich, Trump klinge, als sei „das Gehirn nicht mehr so richtig dabei“.
Candace Owens nennt ihn einen „genozidalen Irren“ und bringt gleich die 25. Verfassungsänderung ins Spiel.
Marjorie Taylor Greene – man muss diesen Satz zweimal lesen – sagt öffentlich, Trumps „geistige Kapazität“ müsse untersucht werden.
Wenn also selbst die Truppe aus der rechten Parallelwelt nervös wird, dann lautet die neue politische Diagnose offenbar:
Nicht mehr nur exzentrisch – jetzt vielleicht exzentrisch mit Eskalationsgarantie.
Trump bleibt Trump – nur lauter, wütender und größenwahnsinniger
Natürlich war Trump schon immer eine Mischung aus Dauerwerbesendung, Wutbürger, Selbstdarsteller und politischem Vorschlaghammer.
Neu ist weniger dass er entgleist – sondern wie oft, wie wild und wie gefährlich.
Beispiele gefällig?
- Er droht dem Iran damit, dass „eine ganze Zivilisation sterben“ werde.
- Er fabuliert davon, dass der Iran „in der Hölle leben“ werde.
- Er kündigt an, notfalls jedes Kraftwerk und jede Brücke im Iran zu zerstören – also Dinge, die Völkerrechtler eher unter „schwierige Idee“ verbuchen würden.
- Er behauptet im Fernsehen ernsthaft, kein US-Präsident habe je einen Krieg beendet.
- Er erklärt, Senator Thom Tillis sei nicht mehr im Senat, obwohl Tillis – Überraschung – noch im Senat sitzt.
Man kann das alles natürlich als „Trump being Trump“ verkaufen.
Oder man nennt es beim Namen:
Ein Präsident, der mit Atommacht, Krieg und Welthandel hantiert, sollte vielleicht wissen, wer noch Senator ist.
Die Sharpie-Phase der Weltpolitik
Besonders schön – oder erschreckend, je nach Blutdruck – ist der Kontrast zwischen globaler Krise und Trumps Prioritäten.
Während die Welt über Krieg, Ölpreise und den Nahen Osten spricht, hält Trump bei einem Kabinettstreffen offenbar einen Mini-Vortrag über seine Liebe zu 5-Dollar-Sharpies.
Bei einem anderen Termin unterbricht er ein Update zum Iran-Krieg, um über Vorhänge im Weißen Haus zu schwärmen.
Kurz gesagt:
Der Mann diskutiert im Krisenmodus wie ein Inneneinrichter auf Koffein.
Es fehlt eigentlich nur noch, dass er bei einer Atomwarnung sagt:
„Bevor wir über Raketen sprechen – haben Sie diese fantastischen Gardinen gesehen? Meine Auswahl. Wunderschön. Vielleicht die besten Gardinen, die je ein Präsident hatte.“
Vom „stabilen Genie“ zum goldenen Selbstporträt
Trump selbst hält sich natürlich weiterhin für das, was er schon 2019 war:
ein „very stable genius“.
Und weil Selbstbescheidenheit nicht zu seinem Markenkern gehört, hat er in seiner zweiten Amtszeit die Eigenwerbung noch einmal aufgedreht:
- Banner mit seinem Gesicht am Justizministerium
- seine Unterschrift auf US-Banknoten
- das Kennedy Center umbenannt in „Trump-Kennedy Center“
- KI-Bilder von sich mit Jesus-Vibes
- Posts, in denen er sich quasi als Heilsfigur inszeniert
Mit anderen Worten:
Narzissmus hat im Weißen Haus inzwischen einen eigenen Budgetposten.
Demokraten wittern ihre Chance – aber das Thema ist heikler als bei Biden
Die Demokraten nutzen das natürlich sofort.
Jamie Raskin fordert ein Gremium zur Prüfung von Trumps Amtsfähigkeit.
Der Ruf nach der 25. Verfassungsänderung wird lauter.
Selbst die NAACP fordert sie inzwischen – erstmals in ihrer 117-jährigen Geschichte.
Das Problem:
Der Vergleich mit Joe Biden liegt auf der Hand, aber er ist nicht derselbe.
Bei Biden lautete die Sorge:
Ist er körperlich und altersbedingt noch belastbar genug?
Bei Trump lautet die Sorge eher:
Ist er körperlich topfit genug, um im Vollbesitz seiner Energie maximalen Schaden anzurichten?
Ein Historiker bringt es ziemlich brutal auf den Punkt:
Bei Biden sei die Frage gewesen, ob er dem Amt noch gewachsen sei.
Bei Trump gehe es eher darum, dass er eben „vigorous and crazy“ wirke – also: nicht schwach und alt, sondern energiegeladen und irre.
Das ist politisch ein Unterschied mit Sprengkraft.
Und die Umfragen? Auch die Amerikaner merken es
Laut Reuters/Ipsos sagen 61 Prozent der Amerikaner, Trump sei mit dem Alter erratischer geworden.
Darunter:
- 64 Prozent der Unabhängigen
- sogar 30 Prozent der Republikaner
Das ist kein kleines Alarmsignal.
Das ist eher ein politischer Rauchmelder, der längst schrillt, während im Nebenzimmer noch jemand ruft:
„Nein, nein, das ist nur starke Führung!“
Das Weiße Haus macht, was es immer macht: Vollgas in die Verleugnung
Die Reaktion aus dem Weißen Haus?
Natürlich kein bisschen Selbstzweifel. Stattdessen der bekannte Abwehrreflex:
Trump sei geistig scharf, voller Energie, historisch zugänglich, überhaupt das pure Gegenteil von Biden.
Kritiker wie Jamie Raskin seien bloß „die dumme Version eines klugen Menschen“.
Also alles wie immer:
Wenn die Fakten unangenehm werden, wird einfach der Lautstärkeregler hochgedreht.
Das eigentliche Problem
Die Frage ist am Ende nicht, ob Trump schon immer exzentrisch war.
Das war er.
Die Frage ist, ob die Mischung aus Alter, Größenwahn, Dauerwut, Selbstvergötterung und Kriegsrhetorik inzwischen eine neue Stufe erreicht hat.
Und wenn sogar seine früheren Cheerleader plötzlich nervös werden, dann ist das vielleicht der deutlichste Hinweis überhaupt.
Denn mal ehrlich:
Wenn Alex Jones dich für zu verrückt hält, dann bist du politisch nicht mehr auf dünnem Eis – du bist längst durchs Eis gebrochen und hältst darunter noch eine Pressekonferenz.
Kurz gesagt:
Trump ist nicht plötzlich anders geworden.
Er ist einfach noch mehr Trump geworden.
Und genau das macht inzwischen selbst den eigenen Leuten Angst.
Kommentar hinterlassen