Die finanzielle Belastung vieler US-Haushalte nimmt weiter zu. Nach aktuellen Daten der Federal Reserve Bank of New York geraten immer mehr Amerikaner bei der Rückzahlung ihrer Kreditkartenschulden in Verzug. Experten sehen darin zwar noch keine Wiederholung der Finanzkrise von 2008, warnen jedoch vor einer wachsenden finanziellen Schieflage bei Millionen Verbrauchern.
Im ersten Quartal 2026 waren rund 13 Prozent aller Kreditkartenschulden in den USA mindestens 90 Tage überfällig. Damit wurde der höchste Wert seit der Zeit nach der Finanzkrise erreicht. Zuletzt lagen die Ausfallquoten im Jahr 2011 auf einem ähnlich hohen Niveau.
Gleichzeitig befindet sich die gesamte Kreditkartenverschuldung der Amerikaner mit rund 1,25 Billionen US-Dollar nahe ihres historischen Höchststandes.
Inflation und hohe Zinsen setzen Verbraucher unter Druck
Während der Corona-Pandemie hatten viele Amerikaner ihre Kreditkartenschulden sogar reduziert. Staatliche Hilfszahlungen und eingeschränkte Konsummöglichkeiten sorgten damals für eine Entspannung der privaten Haushaltsfinanzen.
Doch seit 2022 hat sich die Lage grundlegend verändert. Die hohe Inflation verteuerte den Alltag erheblich, während die Notenbank die Zinsen massiv anhob. In der Folge stiegen auch die Kreditkartenzinsen auf Rekordniveaus.
Der durchschnittliche Zinssatz für Kreditkarten lag Anfang 2026 weiterhin bei rund 21 Prozent. Für Verbraucher, die ihre Schulden nicht vollständig begleichen können, wird die Rückzahlung dadurch immer schwieriger.
Ökonomen beobachten deshalb eine zunehmende Spaltung unter den Kreditkartenkunden. Während etwa die Hälfte aller Karteninhaber ihre Rechnungen jeden Monat vollständig bezahlt und von Bonusprogrammen profitiert, wächst gleichzeitig die Zahl jener Verbraucher, die dauerhaft in der Schuldenfalle feststecken.
Nicht alle Amerikaner sind betroffen
Trotz der alarmierenden Zahlen sehen Fachleute derzeit keine unmittelbare Gefahr für das gesamte Finanzsystem.
Anders als vor der Immobilienkrise 2008 konzentrieren sich die Probleme auf bestimmte Bevölkerungsgruppen. Viele Haushalte verfügen weiterhin über stabile Einkommen und bedienen ihre Kredite problemlos.
Sorgen bereitet Experten jedoch die Entwicklung bei besonders stark verschuldeten Verbrauchern. Wer bereits in Zahlungsrückstand geraten ist, fällt häufig immer tiefer in die Verschuldung. Die Zahl neuer Problemfälle steigt zwar nicht dramatisch, doch bestehende Schuldner haben zunehmend Schwierigkeiten, wieder auf die Beine zu kommen.
Auch Autokredite bereiten Sorgen
Nicht nur bei Kreditkarten verschärft sich die Situation. Auch die Ausfallraten bei Autokrediten erreichen neue Höchststände. Hohe Fahrzeugpreise und gestiegene Finanzierungskosten belasten viele Haushalte zusätzlich.
Die Quote der Autokredite mit mehr als 90 Tagen Zahlungsverzug liegt inzwischen auf dem höchsten jemals gemessenen Niveau.
Bei Immobilienkrediten zeigt sich dagegen weiterhin ein deutlich stabileres Bild. Die Hypothekenausfälle liegen weit unter den Werten der Finanzkrise von 2008.
Experten sehen keine Wiederholung der Finanzkrise
Trotz der besorgniserregenden Zahlen ziehen die meisten Analysten keine direkten Parallelen zur großen Finanzkrise vor knapp zwei Jahrzehnten.
Damals stand ein gesamtes Finanzsystem auf wackeligen Beinen. Heute konzentrieren sich die Probleme vor allem auf Verbraucher mit hohen Kreditkartenschulden und geringer finanzieller Reserve.
Dennoch bleibt die Entwicklung ein Warnsignal. Sollte die Inflation hoch bleiben und die Zinsen nicht deutlich sinken, könnte sich die finanzielle Lage vieler US-Haushalte weiter verschlechtern.
Die steigenden Ausfallquoten zeigen bereits jetzt, dass ein wachsender Teil der Verbraucher Schwierigkeiten hat, die steigenden Lebenshaltungskosten und Finanzierungsausgaben zu bewältigen.
Kommentar hinterlassen