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Starmer, Mandelson und die hohe Kunst des „Das konnte ja keiner wissen“

aitoff (CC0), Pixabay
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Man fragt sich ja manchmal, ob politische Krisen heutzutage geplant werden oder ob sie einfach entstehen, wenn jemand sagt: „Ach komm, der ist schon seit 40 Jahren dabei, was soll da schon schiefgehen?“
Willkommen im neuesten Kapitel der britischen Politikserie „Labour & Error“.

Premierminister Keir Starmer hat es geschafft, sich selbst ein Eigentor zu schießen, das sogar erfahrene Westminster‑Beobachter kurz sprachlos machte: Er ernannte Peter Mandelson – Parteiveteran, EU‑Grandseigneur und nachweislich gut vernetzter Freund von Jeffrey Epstein – zum britischen Botschafter in den USA.

„Wenn ich das damals gewusst hätte …“

Nun, knapp ein Jahr später, weiß Starmer plötzlich sehr viel mehr. Und bereut. Sehr. Wirklich.
Hätte er damals gewusst, was er heute weiß, wäre Mandelson „nicht einmal in die Nähe der Regierung gekommen“, beteuert der Premier.

Klingt überzeugend – wäre da nicht dieses kleine Detail:
👉 Die Kontakte Mandelsons zu Epstein waren der Regierung bekannt.
Auch nach dessen Verurteilung.
Aber offenbar hielt man sie für … sagen wir … charakterbildend.

Ein Mann, viele Wahrheiten

Jetzt die große Wendung: Mandelson habe ihn angelogen. Nicht einmal.
Nicht zweimal.
Sondern – Originalzitat Starmer – „gelogen, gelogen und nochmals gelogen“.

Das ist politisches Hochreck am sprachlichen Barren:
Ja, wir wussten davon. Aber wir wussten nicht, wie sehr wir davon wussten. Und darüber hat er uns belogen.

Man darf gespannt sein, ob diese Argumentationslinie künftig als offizielles Verteidigungsinstrument in Westminster eingeführt wird.

Parlament beschließt kollektives Augenrollen

Das Unterhaus reagierte pragmatisch: Alle Fraktionen stimmten dafür, die Dokumente zum Ernennungsverfahren offenzulegen. Ohne Gegenstimme.
Wenn selbst Regierung und Opposition gemeinsam sagen „Lasst uns mal nachschauen, was da eigentlich passiert ist“, dann weiß man: Das Vertrauen ist auf Urlaub – vermutlich mit Epstein auf einer Jacht.

Timing? Hervorragend. Für niemanden.

Besonders unglücklich: Starmer steckt ohnehin in einer Umfragekrise. Seine Beliebtheitswerte sind so niedrig, dass sie inzwischen fast als Untergrundbahn gelten. Und dann diese Affäre – eine Mischung aus schlechter Personalentscheidung, schlechter Aufarbeitung und schlechtem Gedächtnis.

Fazit

Keir Starmer wollte Seriosität, Erfahrung und internationale Gravitas.
Bekommen hat er:

  • einen diplomatischen Super‑GAU,

  • eine einstimmige Parlamentarsohrfeige

  • und einen Parteifreund, der jetzt offiziell als dreifacher Lügner gilt.

Oder, um es britisch-höflich zu sagen:
This could have been handled better.

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