In Sri Lanka gehört eine besondere Tradition seit Jahrhunderten fest zum gesellschaftlichen Leben: sogenannte „Dansal“. Dabei handelt es sich um kleine Straßenstände, an denen Menschen kostenlos Essen, Getränke oder andere Hilfen an Fremde verteilen – ohne Gegenleistung und ohne Erwartungen. Die Wurzeln dieser Tradition liegen im buddhistischen Prinzip des „Dana“, also des selbstlosen Gebens.
Besonders während der buddhistischen Feiertage zwischen Mai und Juli entstehen überall im Land improvisierte Stände entlang der Straßen, an Tempeln oder Bahnhöfen. Dort werden Reisgerichte, Getränke, Snacks oder sogar ganze Mahlzeiten kostenlos an Passanten verteilt. Manche verteilen Wasser oder Eis bei extremer Hitze, andere geben kostenlose Zugtickets, Schulhefte oder Lebensmittelpakete aus.
Gerade in diesem Jahr hat die Tradition für viele Menschen eine besondere Bedeutung bekommen. Sri Lanka leidet unter extremer Hitze, steigenden Lebenshaltungskosten und wirtschaftlichen Problemen. Temperaturen von bis zu 39 Grad sowie hohe Energie- und Lebensmittelpreise belasten viele Familien stark. Umso wichtiger werden kleine Gesten der gegenseitigen Hilfe.
Besonders bemerkenswert:
Die Hilfe kommt oft direkt aus der Bevölkerung selbst — nicht über große Organisationen oder Behörden. Unternehmen, Privatpersonen, Tempelgemeinschaften oder kleine Geschäfte organisieren spontan Unterstützung für Menschen im Alltag. Während der Wirtschaftskrise 2022 verteilten Bürger sogar Snacks und Getränke an Menschen, die stundenlang an Tankstellen warten mussten.
Die Tradition reicht laut historischen Überlieferungen bis ins erste Jahrhundert vor Christus zurück. Über die Jahre entwickelte sich daraus eine Art öffentliche Kultur der Hilfsbereitschaft, die heute weit über religiöse Grenzen hinausgeht. Auch Christen, Muslime und Hindus beteiligen sich vielerorts an solchen Aktionen.
Für viele Besucher ist genau das einer der eindrucksvollsten Aspekte Sri Lankas:
Eine Gesellschaft, in der selbst kleine Gesten der Großzügigkeit selbstverständlich wirken.
Oder wie eine Expertin es formuliert:
„Der Geist hinter Dansal bedeutet, dass niemand hungrig bleiben soll.“
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