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Wenn die Schulmedizin abwinkt, kommt jetzt der Joint fürs Wohlbefinden

PrimeShot (CC0), Pixabay
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Jahrzehntelang wurden Frauen in der Medizin gern mit den immer gleichen Standardfloskeln abgespeist: „Das ist Stress.“„Das ist hormonell.“„Das ist sicher psychisch.“
Und weil dieses hochmoderne Konzept namens „Frauen einfach nicht ernst nehmen“ so hervorragend funktioniert hat, greifen in den USA jetzt immer mehr Frauen zu Cannabis.

Mit anderen Worten:
Erst wurden sie ignoriert, jetzt therapieren sie sich selbst – mit Gras.

In seinem neuesten „Weed“-Beitrag beschreibt CNN-Arzt Sanjay Gupta das Ganze fast schon wie eine stille Revolution. Frauen mit Endometriose, Wechseljahresbeschwerden, Schlafproblemen, chronischen Schmerzen oder Nebenwirkungen von Krebstherapien berichten immer wieder dasselbe: Sie hätten „alles probiert“ – und am Ende sei ausgerechnet Cannabis das Einzige gewesen, das geholfen habe.

Ein vernichtendes Zeugnis. Nicht für Cannabis. Sondern für ein Gesundheitssystem, das Frauen seit Jahrzehnten zuverlässig erklärt, dass ihre Beschwerden zwar sehr unangenehm, aber leider gerade nicht so wichtig seien.

Besonders hübsch ist das Kapitel rund um die Wechseljahre. Da versprach die klassische Hormontherapie einst Erlösung, dann kamen Warnungen, Unsicherheit und Verunsicherung – und übrig blieb bei vielen Frauen vor allem eins: die Erkenntnis, dass sie nachts nicht schlafen, tagsüber schwitzen, emotional Achterbahn fahren und sich von der Medizin ungefähr so aufgefangen fühlen wie von einer Hotline mit Warteschleife.

Also wenden sie sich eben an Cannabis.

Und siehe da:
Nicht zum „Abschalten“, wie es die alten Klischees gern hätten.
Sondern zum Funktionieren. Zum Schlafen. Gegen Schmerzen. Gegen Unruhe. Gegen das Gefühl, im eigenen Körper plötzlich nicht mehr zu Hause zu sein.

Das Erstaunliche: Ausgerechnet Oklahoma, früher eher bekannt für strenge Drogengesetze und konservative Härte, ist inzwischen so etwas wie das Disneyland der medizinischen Marihuana-Szene. „Tokelahoma“ nennen manche den Bundesstaat inzwischen halb spöttisch, halb stolz. Dort gründen Frauen kleine Cannabis-Unternehmen, entwickeln Edibles, beraten andere Frauen, bauen Sorten für Schlaf, Schmerz oder sogar sexuelle Beschwerden an – kurz gesagt:
Während große Teile der klassischen Medizin noch diskutieren, ob Frauen vielleicht wirklich Schmerzen haben, verkaufen in Oklahoma längst Mütter THC-Gummis gegen die Realität.

Fast rührend ist dabei die offizielle Erkenntnis: Diese Frauen wollen nicht „high“ sein. Sie wollen schlicht wieder Herrinnen über ihren Alltag werden.
Oder, um es weniger poetisch zu sagen:
Sie wollen schlafen, ohne durchzuschwitzen. Sie wollen arbeiten, ohne sich zusammenzukrümmen. Und sie wollen nicht bei jedem Arzttermin das Gefühl haben, sie müssten erst eine PowerPoint über ihren eigenen Körper halten.

Natürlich ist Cannabis kein Wundermittel. Das sagt sogar Gupta selbst. Kein Zauberblatt, kein Allheilmittel, kein grüner Messias im Blumentopf. Aber genau darin liegt die Pointe: Es geht vielen Frauen gar nicht um ein Wunder. Es geht darum, endlich überhaupt ernst genommen zu werden.

Und da wird es politisch unerquicklich. Denn während Forschung und Nachfrage steigen, hinken Gesetze und Behörden weiter hinterher. Cannabis ist in den USA auf Bundesebene noch immer in einer Drogenkategorie eingeordnet, als wäre es wahlweise Heroin oder der Untergang des Abendlandes. Gleichzeitig wächst die Evidenz für mögliche medizinische Anwendungen – etwa bei chronischen Schmerzen, neurologischen Erkrankungen, Endometriose oder Wechseljahresbeschwerden.

Die eigentliche Ohrfeige steckt also nicht im Joint, sondern im Befund dahinter:

Wenn tausende Frauen sagen, dass ihnen Cannabis mehr hilft als das, was sie zuvor aus Arztpraxen mitbekommen haben, dann ist das kein Lifestyle-Trend. Dann ist das eine Anklage.

Eine Anklage gegen ein System, das Frauen jahrzehntelang zu oft gesagt hat:
„Stellen Sie sich nicht so an.“
Und jetzt staunt, dass sie sich selbst helfen.

Kurz gesagt:
Die Frauen in Amerika kiffen nicht, weil sie leichtsinnig sind. Sie tun es, weil die Schulmedizin ihnen zu oft gezeigt hat, wie zuverlässig man sie übersehen kann.

Oder noch kürzer:
Wenn der Arzt nur mit den Schultern zuckt, wird aus Selbstfürsorge plötzlich Selbstmedikation.

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