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Schon wieder Neuwahlen: Bulgarien sucht den Ausweg aus der Dauerkrise – Radews Bündnis vorn

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Sofia erlebt erneut einen Wahlsonntag mit besonderem Gewicht: In Bulgarien hat am 19. April 2026 eine vorgezogene Parlamentswahl begonnen – bereits die achte Abstimmung seit April 2021. Rund 6,5 Millionen Wahlberechtigte können bis 20.00 Uhr Ortszeit ihre Stimme abgeben; regiert wird derweil von einer Interimsregierung.

Favorit ist nach Umfragen und Prognosen eine neue Koalition namens „Progressives Bulgarien“ (PB) um den früheren Staatspräsidenten Rumen Radew. Je nach Erhebung liegt das Bündnis bei rund 30 Prozent beziehungsweise bis zu 34 Prozent. Dahinter folgt das konservative Bündnis GERB-SDS des langjährigen Machtpolitikers Bojko Borissow mit etwa 20 Prozent; als drittstärkste Kraft wird der liberal-konservative, proeuropäische Verband PP-DB mit rund 12 Prozent gehandelt.

Die Neuwahl wurde notwendig, nachdem im Dezember 2025 massive Proteste gegen Korruption und den damaligen Haushaltskurs das Kabinett von Ministerpräsident Rossen Scheljaskow zu Fall brachten. Seitdem versucht das Land wieder einmal, die politische Blockade zu überwinden – ein Muster, das Bulgarien seit Jahren prägt.

Radew, ehemaliger General und früherer Kampfjet-Pilot, setzt im Wahlkampf vor allem auf das Versprechen, den „Sumpf“ aus Vetternwirtschaft und Einflussnetzwerken trockenzulegen – insbesondere durch eine Justizreform. Um überhaupt als Regierungschef antreten zu können, trat er im Januar vorzeitig als Staatspräsident zurück. Kritiker erinnern daran, dass Radew als Präsident häufig als russlandfreundlich galt und sich für Dialog mit Moskau aussprach.

Außenpolitisch könnte das Ergebnis über Bulgariens Ton in EU und Nato mitentscheiden. Radew verweist ausgerechnet auf Ungarns neuen starken Mann Péter Magyar – der nach seinem Wahlsieg Viktor Orbán ablöste – als Vorbild und kündigte an, Bulgarien werde sich nicht finanziell an Militärhilfen für die Ukraine beteiligen, entsprechende Entscheidungen aber nicht blockieren.

Überschattet wird der Wahltag erneut von Manipulationsvorwürfen: Behörden gingen laut Angaben gegen Stimmenkauf vor, nahmen Hunderte Verdächtige fest und beschlagnahmten Geld im Umfang von rund einer Million Euro; eine Stimme soll 50 bis 100 Euro kosten. Zudem aktivierte die Interimsregierung ein EU-System gegen Desinformation und ausländische Einflussnahme. Beobachter der OSZE sind im Land.

Ob das Votum diesmal wirklich Stabilität bringt, entscheidet sich erst nach der Auszählung: Mit mehreren Kräften im Parlament dürfte die Regierungsbildung erneut zur Bewährungsprobe werden – und damit zum Test, ob Bulgarien die Schleife aus Wahl, Krise und Neuanfang endlich durchbrechen kann.

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