Ganz klar: So hatte ich mir die Rückkehr in die Bundesliga als Schalke-Fan nicht vorgestellt. Einen Sieg in Augsburg hatte ich nun wirklich nicht fest eingeplant. Dafür bin ich lange genug Schalker, um zu wissen, dass zwischen Hoffnung und Wirklichkeit manchmal ziemlich viel grüner Rasen liegt. Aber ein Unentschieden? Ja, das hätte ich mir schon gewünscht.
Stattdessen steht am Ende ein 0:3. Und plötzlich weiß auch wirklich jeder auf Schalke wieder: Die Bundesliga ist kein Kindergeburtstag.
Augsburg war an diesem Tag schlicht besser. Konsequenter, schneller, abgeklärter. Schalke dagegen wirkte phasenweise so, als müsse sich die Mannschaft erst wieder daran erinnern, wie gnadenlos Fehler auf diesem Niveau bestraft werden. Ein schlechter Pass, ein Moment zu spät, ein verlorenes Duell – und schon steht der Gegner vor dem Tor.
Besonders bitter war das 0:2 in der 79. Minute. Nach einem Fehlpass von Maximilian Wöber schaltete Augsburg sofort um. Fabian Rieder reagierte blitzschnell, bediente Paul Kade – und der war für die Schalker Defensive einfach zu schnell. Sein Flachschuss über den Innenpfosten ließ Loris Karius keine Chance.
Und als man sich innerlich eigentlich schon mit der Niederlage abgefunden hatte, setzte Augsburg in der Nachspielzeit noch einen drauf. Ribeiro knallte den Ball zum 3:0 ins kurze Eck. Feierabend. Deckel drauf. Willkommen Bundesliga.
Karius verhindert noch Schlimmeres
Wenn es an diesem Nachmittag aus Schalker Sicht überhaupt einen Gewinner gab, dann Loris Karius. Neun Paraden sprechen eine ziemlich deutliche Sprache.
Der Torhüter verhinderte mehrfach, dass das Ergebnis noch unangenehmer wurde. Dass ausgerechnet der Mann zwischen den Pfosten bei einem 0:3 zu den auffälligsten Schalkern gehört, erzählt allerdings auch einiges über dieses Spiel.
Karius selbst fand nach der Partie klare Worte und sprach von einem verdienten Sieg für Augsburg. Viel zu widersprechen gibt es da leider nicht.
Und vielleicht ist genau das der Punkt: Diese Niederlage sollte man nicht schönreden. Aber man muss nach einem Spieltag auch nicht gleich die komplette Saison begraben.
Vielleicht war genau diese Niederlage nötig
Natürlich hätte ich mir einen schöneren Start gewünscht. Natürlich wäre es angenehmer gewesen, mit einem Punkt nach Hause zu fahren und sich einzureden: Siehst du, wir können Bundesliga.
Jetzt hat Schalke stattdessen eine Lektion bekommen.
Und vielleicht ist so eine Lektion am Anfang der Saison gar nicht das Schlechteste.
Die Mannschaft weiß nun, was sie erwartet. In der Bundesliga reicht es nicht, ordentlich mitzuspielen. Fehler werden schneller bestraft, Räume werden kleiner, Gegner konsequenter. Wer einen Moment abschaltet, bekommt möglicherweise wenige Sekunden später die Quittung.
Ich hoffe deshalb, dass dieses 0:3 tatsächlich ein Lehrspiel für unsere Schalker Jungs war. Nicht eines, das lange in den Köpfen hängen bleibt, sondern eines, aus dem man die richtigen Schlüsse zieht.
Denn genau darauf wird es jetzt ankommen.
Und als Nächstes kommt ausgerechnet Bayern
Viel Zeit zum Grübeln bleibt ohnehin nicht. Am kommenden Samstag wartet der FC Bayern.
Ja, richtig gelesen.
Nach einem 0:3 in Augsburg kommt als nächster Gegner nicht gerade jemand vorbei, bei dem man sich gemütlich wieder Selbstvertrauen holen kann.
Schalke wäre aber nicht Schalke, wenn man nicht genau vor solchen Spielen plötzlich wieder diese völlig unvernünftige Hoffnung entwickeln würde.
Vielleicht steht die Mannschaft gegen Bayern kompakter. Vielleicht ist sie wacher. Vielleicht erkennt man schon nach wenigen Minuten, dass Augsburg Wirkung hinterlassen hat. Nicht als Schock, sondern als Warnung.
Genau das wünsche ich mir.
Ich erwarte gegen Bayern keine Wunder. Aber ich möchte eine Reaktion sehen. Mehr Mut, mehr Konzentration, mehr Konsequenz. Eine Mannschaft, die zeigt, dass sie verstanden hat, was Bundesliga bedeutet.
Denn Aufstiegseuphorie allein gewinnt keine Spiele.
Die erste Liga ist kein Kindergeburtstag. Das wissen wir spätestens seit Augsburg wieder.
Jetzt müssen unsere Jungs zeigen, dass sie aus dieser ersten kalten Dusche gelernt haben.
Und ganz unter uns: Ein bisschen Schalke-Wahnsinn gegen Bayern wäre doch eigentlich genau das Richtige.
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