Für Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez wird die Luft immer dünner. Während er eigentlich das Land regieren sollte, verbringt die spanische Justiz ihre Zeit offenbar damit, den kompletten Bekannten- und Familienkreis seines Umfelds zu durchleuchten.
Jetzt hat es erneut seine Ehefrau Begoña Gómez getroffen. Sie muss ihren Reisepass abgeben, darf Spanien nicht mehr verlassen und soll sich künftig regelmäßig bei den Behörden melden.
Mit anderen Worten: Während andere Regierungschefs mit Gipfeltreffen beschäftigt sind, beschäftigt sich Sánchez inzwischen vor allem mit Anwälten.
Die Vorwürfe gegen Gómez haben es in sich. Es geht um Einflussnahme, Korruption, Veruntreuung und die Frage, warum an der Universität Complutense angeblich ein Lehrstuhl entstand, der auffällig gut zu ihren beruflichen Interessen gepasst haben soll.
Gómez weist alles zurück.
Sánchez ebenfalls.
Und vermutlich wäre man inzwischen überrascht, wenn einmal jemand etwas zugeben würde.
Besonders unerquicklich für den Ministerpräsidenten: Die Affären scheinen sich in seinem Umfeld schneller zu vermehren als Wahlplakate im Wahlkampf.
Da wäre der Bruder des Regierungschefs, gegen den ebenfalls ermittelt wird. Ihm wird vorgeworfen, von einer eigens für ihn geschaffenen Stelle profitiert zu haben.
Und nun taucht sogar der frühere sozialistische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero in Ermittlungsakten auf.
Langsam entsteht der Eindruck, als hätte die spanische Justiz beschlossen, das gesamte PSOE-Organigramm alphabetisch abzuarbeiten.
Für Sánchez wird die Lage politisch immer unangenehmer. Denn selbst wenn sich am Ende einzelne Vorwürfe als unbegründet erweisen sollten, bleibt der Eindruck einer Partei, in der erstaunlich viele Menschen erstaunlich oft auf erstaunlich passende Posten gelangen.
Die Opposition spricht bereits von einem System.
Die Sozialisten sprechen von einer Kampagne.
Und die spanischen Bürger fragen sich vermutlich nur noch, ob es in Madrid überhaupt noch einen öffentlichen Posten gibt, der nicht zufällig einem Bekannten, Verwandten oder Parteifreund zugeschrieben wird.
Fest steht:
Wenn ein Regierungschef erklären muss, warum gegen seine Ehefrau, seinen Bruder und ehemalige Parteigrößen ermittelt wird, läuft die politische Kommunikation nicht mehr ganz nach Lehrbuch.
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