Der republikanische Senator Bill Cassidy ist bei der Vorwahl in Louisiana spektakulär gescheitert – und sein politischer Absturz zeigt erneut, wie kompromisslos Donald Trump inzwischen die Republikanische Partei kontrolliert.
Fünf Jahre nach seiner Zustimmung zur Amtsenthebung Trumps verlor Cassidy die Wiederaufstellung für den Senat gegen zwei offen trumpnahe Kandidaten. Unterstützt wurde die Kongressabgeordnete Julia Letlow direkt vom ehemaligen Präsidenten. Nun tritt sie in einer Stichwahl gegen Louisianas Finanzminister John Fleming an.
Trump vergisst nichts
Cassidys Niederlage gilt in Washington als politische Warnung an alle Republikaner, die sich jemals gegen Trump gestellt haben. Der Senator hatte 2021 für eine Verurteilung Trumps im zweiten Impeachment-Verfahren gestimmt – ein Schritt, den große Teile der republikanischen Basis bis heute nicht verziehen haben.
Trump selbst machte daraus keinen Hehl. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er nach der Niederlage:
„Seine Illoyalität gegenüber dem Mann, der ihn gewählt hat, ist legendär geworden.“
Cassidy attackiert Trump indirekt
In seiner Rede nach der Niederlage schlug Cassidy ungewöhnlich scharfe Töne an – auch wenn er Trump nicht direkt nannte.
„Unser Land dreht sich nicht um eine einzelne Person“, sagte Cassidy. „Wer versucht, andere mit Machtinstrumenten zu kontrollieren, dient nicht dem Land, sondern sich selbst.“
Es war eine der deutlichsten indirekten Attacken eines republikanischen Senators gegen Trump seit Monaten.
Republikanische Partei wird immer stärker zur Trump-Partei
Die Vorwahl in Louisiana zeigt erneut:
Innerparteiliche Kritik an Trump hat in der heutigen Republikanischen Partei praktisch keinen Platz mehr.
Während frühere Trump-Kritiker wie Mitt Romney oder Thom Tillis auf eine erneute Kandidatur verzichteten, stellte sich Cassidy dem Machtkampf offen – und verlor deutlich.
Beobachter sehen darin ein weiteres Signal dafür, dass Loyalität zu Trump inzwischen wichtiger ist als klassische konservative Positionen oder politische Erfahrung.
Trump baut Druck auf weitere Kritiker auf
Trump nutzt den Sieg in Louisiana bereits offensiv als Machtdemonstration. Gleichzeitig versucht er derzeit auch, andere innerparteiliche Kritiker auszuschalten – darunter den republikanischen Kongressabgeordneten Thomas Massie aus Kentucky.
Der frühere Präsident macht damit klar:
Wer sich gegen ihn stellt, riskiert seine politische Zukunft.
Cassidy zeigt sich kämpferisch
Trotz seiner Niederlage zeigte sich Cassidy am Wahlabend demonstrativ gelassen. Er bereue seine Entscheidungen nicht und verteidigte offen demokratische Grundprinzipien.
Besonders bemerkenswert war eine weitere Spitze gegen Trump und dessen Verhalten nach der Wahl 2020:
„Man jammert nicht, man behauptet nicht, die Wahl sei gestohlen worden“, sagte Cassidy.
Damit spielte er offensichtlich auf Trumps bis heute wiederholte Behauptungen über angeblichen Wahlbetrug an.
Stichwahl zwischen zwei Trump-Lagern
Nach Cassidys Ausscheiden kämpfen nun zwei klar trumpfreundliche Kandidaten um den Senatssitz.
Favoritin ist derzeit Julia Letlow, die direkt von Trump unterstützt wird. Ihr Konkurrent John Fleming versucht sich allerdings ebenfalls als besonders loyaler Trump-Anhänger zu präsentieren.
Die eigentliche politische Debatte tritt dabei zunehmend in den Hintergrund. Entscheidend scheint vor allem die Frage:
Wer steht näher bei Trump?
Ein weiteres Signal für die USA vor der Wahl
Die Niederlage Cassidys dürfte weit über Louisiana hinaus Wirkung entfalten. Viele Republikaner in Washington beobachten genau, wie konsequent Trump weiterhin gegen interne Gegner vorgeht – und wie erfolgreich er damit bleibt.
Der Machtkampf innerhalb der Republikanischen Partei scheint damit noch lange nicht beendet zu sein.
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