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Rene Benko und die Verfolgung in Österreich hört nicht auf

geralt (CC0), Pixabay
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Signa-Saga geht weiter: Jetzt fehlen eigentlich nur noch Popcorn und eine eigene Netflix-Serie

Man dachte ja irgendwann, bei der Signa-Causa könne einen wirklich nichts mehr überraschen.

Dann kam Rene Benko.

Und offenbar noch ein paar neue Ermittlungen.

Nach Medienberichten prüft die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft nun unter anderem den Verdacht, dass Unterschriften von drei Signa-Investoren nachträglich in einen Gesellschafterbeschluss beziehungsweise einen Dienstvertrag eingefügt worden sein könnten.

Benko bestreitet die Vorwürfe.

Es gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Aber rein dramaturgisch muss man sagen:

Die Signa-Geschichte weigert sich weiterhin konsequent, langweilig zu werden.

Unterschriften später eingefügt? „Nur für die Buchhaltung“

Konkret soll es um einen Dienstvertrag aus dem Jahr 2021 gehen.

Nach Darstellung der Ermittler steht der Verdacht im Raum, dass kurz vor der Pleite der Signa Holding die Unterschriften der Mitgesellschafter Torsten Toeller, Ernst Tanner und Hans Peter Haselsteiner nachträglich in das Dokument eingefügt worden seien.

Der Vorwurf lautet unter anderem auf Urkundenfälschung.

Benkos Anwalt widerspricht.

Alle Beteiligten hätten vorher ausdrücklich zugestimmt. Das Dokument sei lediglich „für die Buchhaltung nachgezogen“ worden.

Das ist ein Satz, den man sich auch einmal auf der Zunge zergehen lassen muss.

„Für die Buchhaltung nachgezogen.“

Klingt fast wie:

„Wir haben da nichts verändert, wir haben es nur im Nachhinein so aussehen lassen, als wäre alles schon vorher da gewesen.“

Aber natürlich ist genau das nun Gegenstand der Ermittlungen.

Die Buchhaltung scheint bei Signa ein Abenteuerurlaub gewesen zu sein

Man bekommt inzwischen ohnehin den Eindruck, dass Buchhaltung bei Signa weniger mit Aktenordnern und mehr mit Extremsport zu tun hatte.

Hier ein Vertrag.

Dort eine Gesellschaft.

Hier eine Haftung.

Dort ein Chalet.

Und irgendwo dazwischen die Frage:

Wer hat eigentlich wann was unterschrieben und mit wessen Geld bezahlt?

Das dürfte vermutlich auch die Ermittler beschäftigen.

Neue Krida-Vorwürfe: Es geht weiter

Zusätzlich gibt es neue Verdachtsmomente im Zusammenhang mit möglicher betrügerischer Krida.

Dabei soll es unter anderem um Zahlungen von rund 135.000 Euro für einen Fuhrpark sowie rund 123.000 Euro für Aufenthalte im „Chalet N“ am Arlberg gehen.

Auch diese Vorwürfe weist Benko zurück.

Sein Anwalt argumentiert, die betreffenden Geldmittel seien gar nicht aus Benkos eigenem Vermögen gekommen.

Daraus folge, dass seine Gläubiger dadurch auch nicht geschädigt worden sein könnten.

Juristisch möglicherweise relevant.

Für Außenstehende klingt es aber ungefähr so:

„Das Geld war zwar weg, aber es war nicht seins.“

Willkommen in der faszinierenden Welt komplizierter Gesellschaftsstrukturen.

Fuhrpark hier, Luxus-Chalet dort

Besonders hübsch ist natürlich die Kombination.

Fuhrpark.

Luxus-Chalet.

Haftungen.

Dienstvertrag.

Nachträgliche Unterschriften.

Wer daraus ein Brettspiel machen würde, könnte wahrscheinlich gleich ein Weihnachtsgeschäft daraus entwickeln.

Titel:

„Signa – Wer haftet zuerst?“

Spielziel:

Man bewegt sich durch ein Netz aus Gesellschaften, Verträgen und Beteiligungen und versucht, am Ende noch zu wissen, wem eigentlich was gehört.

Schwierigkeitsgrad:

Expertenmodus.

Und dann waren da noch die Haftungen

Die Ermittler prüfen außerdem, ob Benko zu einem Zeitpunkt, als er bereits insolvent gewesen sein soll, weitere Verpflichtungen in Form von Haftungen eingegangen sein könnte.

Auch das ist bislang ein Vorwurf und kein festgestellter Sachverhalt.

Aber man fragt sich schon:

Wie viele juristische Baustellen passen eigentlich gleichzeitig auf einen Schreibtisch?

Die Antwort lautet offenbar:

Bei Signa noch mindestens eine mehr.

Es gilt die Unschuldsvermutung – und die Geduldsvermutung

Bei aller Ironie muss eines klar bleiben:

Ob sich die Vorwürfe bestätigen, müssen die Ermittlungen zeigen.

Rene Benko bestreitet die Anschuldigungen.

Seine Verteidigung hat zu mehreren Punkten konkrete Gegenargumente vorgebracht.

Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt die Unschuldsvermutung.

Für die Öffentlichkeit gilt inzwischen möglicherweise zusätzlich:

die Geduldsvermutung.

Denn die Signa-Aufarbeitung dürfte uns vermutlich noch eine ganze Weile beschäftigen.

Neue Gesellschaft.

Neue Zahlung.

Neues Dokument.

Neuer Verdacht.

Neue Stellungnahme.

Und irgendwo sitzt vermutlich ein Ermittler, öffnet morgens seinen Computer und denkt:

„Mal sehen, was heute noch dazukommt.“

Die Signa-Serie bekommt offenbar noch ein paar Staffeln

Ob Urkundenfälschung, Krida oder andere Vorwürfe – juristisch muss jeder einzelne Punkt sauber geprüft werden.

Aber als Gesamtbild ist die Sache schon bemerkenswert.

Die Signa-Gruppe galt einmal als milliardenschweres Immobilienimperium.

Heute produziert sie vor allem eines zuverlässig:

Aktenordner.

Sehr viele Aktenordner.

Und falls irgendwann tatsächlich eine Fernsehserie über die gesamte Geschichte gedreht wird, dürfte eine Staffel vermutlich nicht reichen.

Arbeitstitel:

„Signa – Das Dokument war nur für die Buchhaltung.“

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