Die mutmaßliche Trennung von Ole Werner wäre für mich als RB-Leipzig-Fan weit mehr als nur eine Personalentscheidung. Sie wäre das nächste alarmierende Signal dafür, dass bei RB Leipzig in der sportlichen Führung längst nicht mehr alles rundläuft.
Zunächst einmal gilt mein persönlicher Dank Ole Werner. Er hat in kurzer Zeit bewiesen, dass er Mannschaften entwickeln, Spieler besser machen und eine klare Handschrift vermitteln kann. Sollte sich die Trennung bestätigen, verliert RB Leipzig erneut einen Trainer, bevor dieser überhaupt die Chance bekommt, langfristig etwas aufzubauen.
Meine wichtigste Erkenntnis aus den vergangenen Monaten: Wenn sich Sportvorstand Marcel Schäfer öffentlich für einen Trainer positioniert, scheint das inzwischen eher ein Warnsignal als eine Rückendeckung zu sein. Kaum ausgesprochen, beginnt offenbar bereits der Countdown bis zum Ende.
Und genau hier beginnt das eigentliche Problem.
Was derzeit in der sportlichen Führung von RB Leipzig passiert, gefällt mir als Fan überhaupt nicht. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass der Verein zunehmend zum Spielball anderer Interessen wird. Die entscheidenden Weichen werden offenbar nicht mehr in Leipzig gestellt, sondern irgendwo zwischen Salzburg, dem Red-Bull-Kosmos und den Vorstellungen einzelner Führungspersönlichkeiten.
Dabei stellt sich zwangsläufig die Frage: Welche Rolle spielt Marcel Schäfer überhaupt noch? Ist er tatsächlich der starke Sportvorstand, der eigenständig Entscheidungen trifft? Oder ist er inzwischen nur noch derjenige, der die Vorgaben von Oliver Mintzlaff und Jürgen Klopp umsetzt?
Besonders kritisch sehe ich die Rolle von Jürgen Klopp. Niemand wird bestreiten, dass Klopp einer der erfolgreichsten Trainer der vergangenen Jahrzehnte ist. Seine Erfolge sprechen für sich. Doch ein großer Trainer ist nicht automatisch ein guter Entscheider über die Arbeit anderer Trainer. Zwischen einer Mannschaft an der Seitenlinie zu führen und einen gesamten Fußball-Kosmos strategisch zu lenken, liegen Welten.
Wer fünfmal im Jahr nach Leipzig kommt, kennt den Verein nicht. Wer das tägliche Training nicht erlebt, die Kabine nicht kennt, die Stimmung im Umfeld nicht spürt und die internen Abläufe nicht begleitet, kann kaum beurteilen, welche Entscheidungen für RB Leipzig langfristig die richtigen sind.
Noch bedenklicher ist die Entwicklung an der Spitze des gesamten Konstrukts.
Oliver Mintzlaff mag ein erfolgreicher Manager sein, doch seine Wurzeln liegen in der Leichtathletik. Die emotionale Bindung zum Fußball, die Leidenschaft und das Herzblut, mit denen Dietrich Mateschitz RB Leipzig einst aufgebaut hat, sind heute kaum noch zu erkennen. Mateschitz hatte eine Vision. Er wollte etwas erschaffen. Er dachte langfristig, mutig und gegen Widerstände.
Heute entsteht dagegen zunehmend der Eindruck eines Konzerns, der permanent an Stellschrauben dreht, ohne zu wissen, wohin die Reise eigentlich gehen soll.
Der Erfolg von RB Leipzig basierte einst auf klaren Strukturen, mutigen Entscheidungen und Kontinuität. Heute dominieren Unruhe, ständige Richtungswechsel und ein Machtgefüge, das für Außenstehende immer schwerer nachvollziehbar wird.
Die Fans haben nicht das Gefühl, dass ein Plan verfolgt wird. Sie haben das Gefühl, dass experimentiert wird.
RB Leipzig braucht keine weiteren Machtspiele, keine Eitelkeiten und keine Entscheidungen aus der Ferne. Der Verein braucht Verantwortliche, die Leipzig kennen, Leipzig leben und Leipzig verstehen.
Andernfalls droht die größte Gefahr nicht auf dem Platz, sondern in den Führungsetagen.
Und das wäre für viele Fans die bitterste Niederlage von allen.
Ich kann mich hier nur anschließen.
Schon wieder wird alles durcheinander gebracht. Da reden wir noch nicht einmal von den möglichen Abgängen oder Tauschopsionen, die im Raum stehen. Stabilität auf längere Sicht sieht für mich anders aus.
Danke Ole, für eine erfolgreiche Saison