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Razzia während des Gottesdienstes: Chinesische Polizei geht gegen Untergrundkirche vor

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Mitten im Sonntagsgottesdienst stürmten bewaffnete Polizeikräfte einen Versammlungsraum in der südwestchinesischen Stadt Jiangyou. Ziel der Aktion war die bekannte protestantische Untergrundkirche Early Rain Covenant Church, die seit Jahren im Fokus der chinesischen Behörden steht.

Nach Angaben der Kirchengemeinde waren die Gläubigen gerade beim Gottesdienst, als ein Großaufgebot der Polizei den Raum betrat. Fotos und Videos, die von der Kirche veröffentlicht wurden, zeigen zahlreiche Einsatzkräfte, darunter auch schwer bewaffnete Spezialeinheiten, die die Versammlung umstellen.

Mehr als 30 Gemeindemitglieder und Kirchenleiter wurden laut der Kirche zur Befragung abgeführt. Unter den Anwesenden befanden sich auch Kinder und ältere Menschen. Während die meisten Festgenommenen noch am selben Tag wieder freikamen, blieben zwei Kirchenleiter – die Prediger Yan Hong und Wu Wuqing – zunächst in Gewahrsam.

Die Gründe für ihre Festnahme wurden von den Behörden bislang nicht öffentlich genannt. Auch eine offizielle Stellungnahme der chinesischen Regierung liegt bisher nicht vor.

Besonders bemerkenswert: Nach Angaben der Gemeinde hätten die Gläubigen selbst während der Befragungen und der Polizeimaßnahmen weiter gebetet und Kirchenlieder gesungen. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Beamte die Anwesenden wiederholt auffordern, damit aufzuhören.

Die Early Rain Covenant Church zählt zu den bekanntesten unabhängigen christlichen Gemeinden Chinas. Ihr Gründer, Pastor Wang Yi, wurde bereits Ende 2018 festgenommen und später wegen „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt“ zu neun Jahren Haft verurteilt.

In China dürfen Christen offiziell nur in staatlich registrierten und kontrollierten Kirchen Gottesdienste abhalten. Viele Gläubige bevorzugen jedoch sogenannte Hauskirchen oder Untergrundgemeinden, da sie sich staatlicher Einflussnahme entziehen wollen. Menschenrechtsorganisationen und christliche Verbände berichten seit Jahren von zunehmendem Druck auf solche Gemeinden.

Religionsfreiheitsorganisationen sehen die jüngste Razzia als weiteres Zeichen für die harte Linie Pekings gegenüber unabhängigen Religionsgemeinschaften. Kritiker werfen der chinesischen Führung vor, friedliche religiöse Aktivitäten zunehmend als Bedrohung für die staatliche Kontrolle zu betrachten.

Die Zukunft der beiden festgenommenen Kirchenleiter bleibt derzeit ungewiss. Für viele Christen in China ist der Vorfall jedoch ein weiteres Beispiel dafür, wie schwierig die Ausübung ihres Glaubens außerhalb staatlich genehmigter Strukturen geworden ist.

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