Was sich ein Spieler des FC Augsburg nach dem Bundesligaspiel gegen Union Berlin im Internet gefallen lassen musste, ist widerwärtig und durch nichts zu rechtfertigen. Juma Bah wurde nach einer Roten Karte offenbar nicht nur rassistisch beleidigt, sondern auch mit dem Tod bedroht. Unsere Redaktion fordert eine konsequente strafrechtliche Aufarbeitung und ein lebenslanges Stadionverbot für den Verantwortlichen, sofern dessen Identität und Täterschaft zweifelsfrei festgestellt werden.
Es gibt Momente, in denen ein Fußballverein zeigen muss, dass seine gesellschaftliche Verantwortung weit über die neunzig Minuten auf dem Rasen hinausgeht. Für den FC Augsburg ist ein solcher Moment gekommen.
Beim 1:1 gegen Union Berlin sah der 20-jährige Juma Bah nach einem Foulspiel die Rote Karte. Über diese Entscheidung kann man diskutieren. Man kann sich über einen Platzverweis ärgern, die Leistung eines Spielers kritisieren und seinem Frust auch einmal lautstark Luft machen.
Das alles gehört zum Fußball.
Was niemals dazugehört, sind rassistische Beschimpfungen und Morddrohungen.
Ein Fußballspiel ist keine Rechtfertigung für Menschenverachtung
Die im Internet veröffentlichte Nachricht gegen Bah überschreitet jede Grenze des Erträglichen. Darin wird der Spieler wegen seiner Hautfarbe herabgewürdigt. Zugleich werden ihm und seiner Familie schwerste Gewalttaten angedroht.
Wir verzichten bewusst darauf, diese menschenverachtenden Formulierungen vollständig wiederzugeben.
Wer wegen eines Fußballspiels derartige Drohungen verschickt, hat den Boden jeder akzeptablen sportlichen Auseinandersetzung verlassen.
Und dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob der Platzverweis berechtigt war.
Juma Bah ist ein junger Mensch, der seinen Beruf ausübt. Er verdient Kritik, wenn seine sportliche Leistung Anlass dazu gibt. Aber er verdient vor allem eines: Respekt und persönliche Sicherheit.
FC Augsburg: Bitte nicht bei deutlichen Worten stehen bleiben!
Geschäftsführer Michael Ströll hat öffentlich Stellung bezogen, sich demonstrativ hinter seinen Spieler gestellt und rechtliche Schritte angekündigt.
Das ist richtig und verdient Anerkennung.
Doch wir erwarten, dass solchen Worten auch überprüfbare Konsequenzen folgen.
Unsere Redaktion fordert den FC Augsburg auf, den Vorfall konsequent zur Strafanzeige zu bringen und sämtliche verfügbaren Beweismittel zu sichern.
Darüber hinaus sollte der Verein prüfen, ob der Verfasser tatsächlich identifiziert werden kann und ob eine Verbindung zur organisierten Fanszene oder zum Stadionpublikum besteht.
Sollte sich herausstellen, dass der Verantwortliche Stadionbesucher ist, halten wir ein lebenslanges Haus- beziehungsweise Stadionverbot im rechtlich zulässigen Rahmen für die angemessene Reaktion.
Ob ein solches Verbot rechtlich möglich und verhältnismäßig ist, muss anhand des nachgewiesenen Sachverhalts geprüft werden.
Fußball braucht Emotionen – aber keinen Rassismus
Die Bundesliga lebt von Leidenschaft, Rivalität und leidenschaftlichen Diskussionen.
Sie lebt nicht von Hass auf Menschen anderer Hautfarbe.
Gerade junge Fußballprofis müssen darauf vertrauen können, dass Vereine, Verbände und Strafverfolgungsbehörden sie vor derartigen Angriffen schützen.
Deshalb reicht es nicht, nach jeder neuen rassistischen Entgleisung Betroffenheit zu äußern und anschließend zur Tagesordnung zurückzukehren.
Es braucht konsequente Anzeigen, eine sorgfältige Identifizierung der Täter und wirksame Sanktionen.
Unser redaktionelles Fazit
Lieber FC Augsburg, setzen Sie ein deutliches Zeichen: Wer einem Ihrer Spieler rassistische Morddrohungen schickt, darf nicht damit rechnen, dass die Angelegenheit mit einer öffentlichen Entschuldigung erledigt ist.
Wir begrüßen ausdrücklich die angekündigte Strafanzeige.
Sollte die Täterschaft festgestellt werden, erwarten wir darüber hinaus die konsequente Prüfung eines dauerhaften Stadionverbots.
Ein Stadion soll ein Ort der Begeisterung sein. Kein Zufluchtsort für Menschen, die andere wegen ihrer Herkunft oder Hautfarbe bedrohen.
Rassismus ist keine Fankultur. Morddrohungen sind keine Meinungsäußerung. Und Fußball darf niemals eine Ausrede für Menschenverachtung sein.
Ein redaktioneller Kommentar von diebewertung.de
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