Nach dem schweren Brand in einer der wichtigsten Raffinerien Australiens hat Premierminister Anthony Albanese versucht, die Bevölkerung zu beruhigen: Trotz deutlich gesunkener Treibstoffproduktion werde es vorerst keine Benzinrationierung geben.
Betroffen ist die Corio-Raffinerie des Konzerns Viva Energy nahe Geelong im Bundesstaat Victoria. Die Anlage zählt zu nur noch zwei verbliebenen Raffinerien in Australien und hat für die nationale Versorgung große Bedeutung. Normalerweise produziert sie rund 50 Prozent des Kraftstoffs für Victoria und etwa 10 Prozent des gesamten australischen Bedarfs.
Brand dauerte 13 Stunden
Das Feuer war laut Angaben durch einen technischen Defekt an einer Anlage ausgelöst worden und brach am Mittwoch kurz vor Mitternacht aus. Erst nach rund 13 Stunden konnte der Brand vollständig unter Kontrolle gebracht werden.
Die Schäden treffen Australien in einer ohnehin angespannten Lage: Das Land spürt bereits die Folgen der weltweiten Versorgungsprobleme auf dem Ölmarkt, die durch den Krieg mit dem Iran und die Störungen im internationalen Handel verschärft wurden.
Produktion läuft nur eingeschränkt weiter
Premier Albanese erklärte nach einem Besuch der beschädigten Raffinerie, dass Teile der Produktion weiterlaufen, wenn auch eingeschränkt:
- Rund 80 Prozent der Dieselproduktion laufen weiter
- Auch bei Flugtreibstoff liege die Produktion derzeit bei etwa 80 Prozent
- Die Benzinproduktion sei aktuell nur noch bei rund 60 Prozent
Die Hoffnung sei nun, dass das Unternehmen die Kapazitäten in den kommenden Tagen und Wochen schrittweise wieder erhöhen könne.
Keine Verschärfung des Notfallplans
Australien befindet sich derzeit in Stufe zwei eines vierstufigen nationalen Treibstoff-Sicherheitsplans, den Bund, Bundesstaaten und Territorien erst im vergangenen Monat vereinbart hatten.
Eine Eskalation auf Stufe drei würde praktische Eingriffe bedeuten – etwa Maßnahmen zur Begrenzung des Verbrauchs oder sogar Formen der Rationierung.
Genau das soll nach jetzigem Stand aber nicht passieren.
Albanese betonte, dass der Brand die Regierung derzeit nicht dazu veranlasse, in die nächste Krisenstufe zu wechseln.
Regierung warnt trotzdem vor höheren Preisen
Ganz ohne Folgen bleibt der Raffinerieausfall aber wohl nicht. Die Regierung räumte ein, dass der Schaden an der Anlage zusätzlichen Druck auf Preise und Vorräte ausüben könnte.
Australien ist bei veredelten Treibstoffen stark von Importen abhängig. Um die Versorgung abzusichern, hatte Albanese in den vergangenen Tagen auf einer Reise nach Südostasien zusätzliche Lieferungen organisiert.
Nach Angaben des Premiers wurden bereits 100 Millionen Liter Diesel zusätzlich aus Brunei und Südkorea gesichert.
Debatte über Australiens Energie-Sicherheit
Der Vorfall verschärft zugleich eine grundsätzliche Debatte über Australiens Energieversorgung. Albanese sagte offen, er halte es für notwendig, dass das Land künftig mehr eigene Raffineriekapazitäten vorhält.
Der Brand in Geelong zeigt aus Sicht vieler Beobachter, wie verwundbar Australien inzwischen geworden ist: Nur zwei große Raffinerien, hohe Importabhängigkeit und eine globale Krise reichen aus, um sofort Sorgen über Versorgung, Preise und strategische Reserven auszulösen.
Fazit
Die australische Regierung versucht, Panik zu vermeiden:
Kein Benzinrationieren, keine unmittelbare Verschärfung des Krisenplans – aber eine deutlich geschwächte Produktion und die Aussicht auf weiteren Preisdruck.
Der Brand in der Corio-Raffinerie ist damit nicht nur ein Industrieunfall, sondern ein Warnsignal dafür, wie empfindlich Australiens Treibstoffversorgung in Zeiten globaler Krisen geworden ist.
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