Der HSV sucht einen Stürmer. Also richtig. Einen, der Tore schießt, Räume erkennt, schnell ist und möglichst nicht schon beim Aufwärmen mit Oberschenkelproblemen vom Platz muss.
Nun soll Patson Daka kommen. Einst kostete der Mann 30 Millionen Euro, aktuell ist er vereinslos. Das ist beim HSV natürlich genau die Art von Transfer, bei der man gleichzeitig jubeln und vorsorglich schon mal die Stirn runzeln möchte.
Der 27-Jährige könnte nach Berichten schon ins Trainingslager nach Österreich reisen. Mit einem anderen Klub muss nicht verhandelt werden, weil sein Vertrag bei Leicester City ausgelaufen ist. Der HSV muss sich also nur noch mit dem Spieler einigen. Klingt einfach. Beim HSV ist das normalerweise der Moment, in dem plötzlich noch drei Berater, eine Ausstiegsklausel aus dem Nichts und ein Faxgerät ins Spiel kommen.
Einst Torjäger, zuletzt eher Teilzeitgefahr
Bei RB Salzburg traf Daka einst wie am Fließband. 68 Tore in 125 Pflichtspielen, dazu 27 Vorlagen – das sind Zahlen, bei denen ein HSV-Fan sofort beginnt, sich Heimspiele mit drei eigenen Toren vorzustellen.
Dann wechselte er für 30 Millionen Euro zu Leicester City. Dort verliefen die folgenden fünf Jahre allerdings eher nach dem Motto: viel Hoffnung, überschaubare Ausbeute.
In der vergangenen Saison kam Daka auf fünf Tore und vier Vorlagen in 41 Einsätzen. Leicester stieg ab, Daka konnte es nicht verhindern. Beim HSV kennt man solche Geschichten. Man könnte fast sagen: Er bringt bereits wertvolle Vereinserfahrung mit.
Wenig Konkurrenz im Angriff
Trainer Merlin Polzin stehen aktuell nur wenige echte Mittelstürmer zur Verfügung. Yussuf Poulsen ist verletzungsanfällig, Otto Stange noch jung und Rayan Philippe wird zwar als Option genannt, aber offenbar nicht von jedem zwingend als Bundesliga-Lösung betrachtet.
Nach den Abgängen von Robert Glatzel und Ransford Königsdörffer besteht also Handlungsbedarf. Oder anders gesagt: Der HSV braucht dringend jemanden, der vorne nicht nur freundlich winkt, sondern gelegentlich auch den Ball ins Tor schießt.
Dakas Profil soll zu Polzins Vorstellungen passen. Er ist schnell, erkennt Räume und arbeitet gegen den Ball. Das klingt gut. Als HSV-Fan stellt man trotzdem die entscheidende Frage: Trifft er auch dann, wenn 57.000 Menschen im Volkspark bereits seit 20 Minuten nervös auf ihren Sitzen herumrutschen?
Gehaltsverzicht mit Elbblick
In England soll Daka rund drei Millionen Euro verdient haben. Für einen Wechsel zum HSV müsste er wohl auf Geld verzichten.
Dafür bekommt er andere Vorteile: ein volles Stadion, leidenschaftliche Fans, eine wunderschöne Stadt und die einzigartige Erfahrung, dass selbst ein 2:0-Vorsprung niemals zur inneren Ruhe führen darf.
Der HSV könnte ihm die Bühne bieten, sich wieder in einer europäischen Topliga zu zeigen. Daka wiederum könnte dem HSV jene Torgefahr geben, die aktuell dringend fehlt.
Könnte.
Denn als HSV-Fan hat man gelernt, dieses Wort besonders vorsichtig zu behandeln.
Zwischen Königstransfer und nächstem Experiment
Auf dem Papier ist der Deal spannend: ablösefrei, international erfahren, schnell und mit nachgewiesener Torquote aus besseren Tagen.
Aber auch Bakery Jatta war einmal ein Versprechen, Pierre-Michel Lasogga eine Lebensversicherung und Bobby Wood kurzzeitig eine gute Idee. Wir haben schon einiges gesehen.
Trotzdem: Sollte Patson Daka tatsächlich kommen, fit bleiben und auch nur annähernd wieder so treffen wie in Salzburg, wäre das ein richtig starker Transfer.
Bis dahin bleibt die bewährte HSV-Gefühlslage: vorsichtige Euphorie, leichte Panik und die feste Überzeugung, dass diesmal wirklich alles anders wird.
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