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Onlineshopping

IO-Images (CC0), Pixabay
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Online-Shopping sollte eigentlich einfach sein: klicken, bestellen, geliefert bekommen. Doch offenbar gehört inzwischen auch ein kleines Glücksspiel dazu. Kommt ein funktionierendes Produkt an? Oder gleich ein Gesundheitsrisiko frei Haus?

Denn während Verbraucher noch glauben, auf großen Online-Marktplätzen halbwegs sicher einzukaufen, läuft im Hintergrund offenbar ein ganz anderes Geschäftsmodell: Erst verkaufen, dann vielleicht kontrollieren.

Die Zahlen sind dabei absurd genug, um selbst hartgesottene Schnäppchenjäger nervös zu machen. Fast 70 Millionen Produkte mussten innerhalb nur eines Monats von großen Plattformen gelöscht werden, weil sie gegen Gesetze oder Plattformregeln verstießen. 30 Millionen davon galten sogar als unsicher oder verboten. Man fragt sich unweigerlich: Wie viel davon wurde vorher eigentlich schon fröhlich verkauft?

Besonders grotesk wird es, wenn Produkte online auftauchen, vor denen die EU bereits offiziell warnt. Ein mit Blei belastetes Kuscheltier etwa wurde offenbar noch Jahre nach der Warnung angeboten. Willkommen im digitalen Basar des Grauens – wo der Teddybär nicht nur kuschelt, sondern möglicherweise gleich die Schwermetallwerte des Kindes optimiert.

Die Plattformen verteidigen sich gerne mit dem Hinweis, man prüfe stichprobenartig. Das klingt zunächst beruhigend, bis man merkt, dass „stichprobenartig“ in der Praxis offenbar bedeutet:
„Wir schauen irgendwann mal nach, wenn das Produkt schon verkauft wurde.“

Man stelle sich dieses Prinzip in anderen Bereichen vor:
Der TÜV prüft Bremsen erst nach dem Unfall.
Restaurants kontrollieren Lebensmittelvergiftung erst nach dem Dessert.
Oder Flughäfen durchsuchen Gepäck erst nach der Landung.

Genau so absurd wirkt inzwischen die Sicherheitslogik vieler Online-Marktplätze.

Noch bemerkenswerter ist allerdings die politische Reaktion. Statt Plattformen endlich konsequent in die Pflicht zu nehmen, produziert Brüssel vor allem eines: Datenbanken. Milliarden Moderationsentscheidungen landen inzwischen in der sogenannten Transparenzdatenbank. Transparenz klingt hervorragend – bis man feststellt, dass dort oft kaum nachvollziehbar ist, welches Produkt eigentlich entfernt wurde und warum.

Anders gesagt:
Die Transparenzdatenbank sorgt ungefähr so viel für Transparenz wie Milchglas für den Durchblick.

Natürlich zeigt die gigantische Zahl gelöschter Produkte auch, dass die Plattformen technisch durchaus in der Lage wären, gefährliche Waren schnell zu erkennen. Aber solange Profit wichtiger bleibt als Prävention, wird eben weiter nach dem Motto gearbeitet:
„Hauptsache online – gelöscht wird später.“

Die Leidtragenden sind am Ende die Verbraucher. Sie dürfen weiterhin hoffen, dass das billige Ladekabel nicht brennt, das Kinderspielzeug keine Giftstoffe enthält und das Schnäppchen aus Fernost nicht direkt vom europäischen Warnsystem gesucht wird.

Vielleicht wäre genau das die ehrlichste neue Kategorie beim Online-Handel:
„Kunden kauften auch: Risiko, Unsicherheit und Behördenversagen.“

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